Das Kartell

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Bildquelle: dieboersenblogger.de

Sie ahnen es sicher schon – bei der Überschrift geht es weder um den gleichnamigen Film von Phillip Noyce aus dem Jahr 1994, noch um den – ebenfalls gleich benannten – Roman von Don Winslow, der 2015 veröffentlicht wurde. Nein, seit Freitag vergangener Woche, als die ersten, noch vagen Meldungen über eine mögliche, jahrzehntelange Absprache unter den Big Five (=Daimler, BMW, Volkswagen, Audi und Porsche) der deutschen Automobilherstellerriege die Runde machten, hat „das Kartell“ eine völlig neue (und ganz eigene) Bedeutung bekommen. Dabei geht es eigentlich gar nicht so genau um die Frage, wer jetzt wann mit wem über was am Kartellrecht vorbei verhandelt hat, denn die wird hoffentlich bald von den zuständigen Behörden mit der nötigen Sorgfalt und Neutralität erörtert und anschließend vollumfänglich beantwortet.

Weit schwerer wiegt der Schaden, den die Branche damit verursacht hat (und sicherlich auch noch wird). Wozu allem voran der Verlust des Verbrauchervertrauens zählt. Denn der Kunde muss sich allmählich ernsthaft fragen, ob er mit dem Kauf seines neuen, teuren Automobils, selbstverständlich ausgestattet mit modernster Diesel-Technologie, nicht doch irgendwie über den Tisch gezogen wurde. Die Anleger haben den Autobauern jedenfalls in dieser Woche schon einen saftigen Strafzettel ausgestellt – im Schnitt rutschten die Aktien der drei im DAX (WKN: 846900 / ISIN: DE0008469008) notierten Hersteller Daimler, BMW und Volkswagen rund 5% nach unten und sortierten sich damit am unteren Ende des Tableaus ein. Allerdings, und das darf an dieser Stelle natürlich nicht unter den Tisch fallen, hat sich auch der deutsche Leitindex selbst in dieser Woche nicht gerade von seiner stärksten Seite präsentiert:

Schieflage

Nachdem der DAX am vergangenen Freitag mit einem Minus von 1,66% ins Wochenende schlich, startete auch der Montag mit einem Tagesverlust, der zwar insgesamt kleiner (-0,25%) ausfiel, dafür jedoch für weitere Eintrübungen im Chartbild sorgte. Die folgenden Stabilisierungsversuche führten den Index am Mittwoch immerhin über die 12.300er-Marke zurück, spätestens seit gestern wurde jedoch deutlich, dass die Kuh noch längst nicht vom Eis ist. Beziehungsweise der Bär, um im Fachjargon zu bleiben. Wenig rosig auch der Blick auf die Juli-Performance des Börsenbarometers, die sich kurz vor Schluss bei einem Minus >1% bewegt. Hat die oftmals angekündigte und nach Meinung vieler längst überfällige Korrektur jetzt also endlich begonnen?

Nun, hierzulande könnte man diesen Eindruck gewinnen. Andernorts, genauer: an der Wall Street scheint dieser Begriff weitgehend aus dem Vokabular der Anleger verschwunden zu sein, denn die feierten in dieser Woche sagenhafte Unternehmenszahlen und damit ein Rekordhoch nach dem nächsten. Korrektur? Keine Spur! Folgerichtig liegt der US-Leitindex Dow Jones in Sachen Performance im Monat Juli auch rund 2% im Gewinn, eine deutliche Schieflage zum deutschen Pendant. Für den Start in den August ist also Spannung in jedem Fall garantiert. Denn die Frage wer sich wem angleicht, dürfte in der statistisch schwächsten Zeit des Jahres (durchschnittlich verliert der DAX zwischen dem 10. Juli und dem 19. September 5%) das Kursgeschehen durchaus bestimmen!

PrimequantsEin Beitrag von Sebastian Jonkisch von Prime Quants

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Der obige Text spiegelt die Meinung des jeweiligen Kolumnisten wider. Die CASMOS Media GmbH übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche Regressansprüche aus.

Bildquelle: dieboersenblogger.de / Prime Quants


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