Bitcoin-Skalierung kurz vor Umsetzung

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Bildquelle: dieboersenblogger.de

Droht Bitcoin, an seinem eigenen Erfolg zu ersticken? Das gilt es zu verhindern. Mehr Transaktionen sollen wieder schneller verarbeitet werden können. Aus diesem Grunde nähern wir uns den dafür wichtigen Stichtagen. Worum es geht.

Bitcoin hat seinen Insider-Status längst hinter sich gelassen und ist in aller Munde. Ihr Aufschwung spiegelt sich auch in der Marktkapitalisierung wieder: Der Gesamtwert aller im Umlauf befindlichen Bitcoins belief sich am 26.06.2017 um 10.30 Uhr laut coinmarketcap.com auf rund 42 Milliarden US-Dollar. Bitcoins rasante Etablierung zeigt sich auch im direkten Vergleich mit den anderen Kryptowährungen. Ethereum ist zum Beispiel die Nummer zwei unter den digitalen Währungen – und macht zunehmend von sich reden. Grafik 1 zeigt jedoch, dass die Zweitplatzierte eine Marktkapitalisierung von „nur“ rund 27 Milliarden US-Dollar aufweist – und somit noch weit hinter dem Spitzenreiter Bitcoin zurückliegt.

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Grafik 1: Bitcoin ist die mit Abstand verbreitetste Kryptowährung.

Im Internet schon als Zahlungsmittel etabliert, könnte sich Bitcoin nun seinen Weg in die physische Welt bahnen – oder genauer: in unsere Geldautomaten. Mit dem Ziel, die Bitcoins nun auch physisch abzuheben? Nein, die Automaten dienen als Schnittstelle zwischen der virtuellen und den physisch einsetzbaren Währungen. Bitcoins können also in Bares umgetauscht werden, wie Coin ATM Radar am 13. Januar 2017 berichteten. Wie Grafik 2 zeigt, stehen in den USA die meisten Automaten, an denen Kunden ihre Bitcoins als harte Dollars abheben können – oder wo sich in manchen Fällen umgekehrt Dollars in Bitcoin digitalisieren lassen.

Die Blockchain ist Bitcoins Produktionsquelle

All diese Entwicklungen zeigen, dass es sich bei Bitcoin um mehr als nur einen kurzfristigen Hype handeln dürfte. Seinen Ursprung fand Bitcoin in der Idee, eine virtuelle Währung ins Leben zu rufen, mit der sich Online-Zahlungen schnell und günstig durchführen lassen – jenseits traditioneller „Bankenkanäle“. Die neue Währung resultiert aus einer dezentral gelagerten Datenbank – der sogenannten „Blockchain“ –, die alle getätigten Transaktionen in Blöcken enthält. Das unter dem Pseudonym „Satoshi Nakamoto“ im Jahr 2008 verfasste White Paper „Bitcoin: A Peer-to-Peer Electronic Cash System“ beschreibt Bitcoin als ein rein elektronisches „Peer-to-Peer“-Geldsystem, das Online-Zahlungen zwischen zwei Parteien ohne Einbindung eines Intermediäres wie einer Bank zulässt. Unter „Peer-to-Peer“ versteht man die „Kommunikation unter Gleichen“. Gegenüber herkömmlichen Währungen und Zahlungsabwicklungen weist dies Vorteile auf: Genannt werden zum Beispiel eine hohe Anonymität und niedrige Transaktionskosten.

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Grafik 2: Geldautomaten fungieren als Schnittstelle zwischen Dollars und Bitcoins.

Verteilt werden Bitcoins digital über ein großes Netzwerk von Computern. Die Produktionsquelle ist die Blockchain: Wird eine Transaktion (A möchte Geld zu B überweisen) ausgelöst, wird sie einem „Block“ angefügt. Die Transaktion muss durch einen „Node“ (zu Deutsch: Knotenpunkt) verifiziert werden. Daraufhin wird der „Block“ der „Chain“ (Kette) angehängt. Die Blockchain, die nun wieder sämtliche Bitcoin-Transaktionen umfasst, wird dem Netzwerk zugestellt. Im Durchschnitt wird alle zehn Minuten ein solcher „Block“ der „Chain“ angefügt und dies dem Computer-Netzwerk mitgeteilt. Die Blockchain, die eine Kette von Blöcken ist, wird damit unaufhörlich länger.

Blockchain ist zum Flaschenhals geworden

Grundsätzlich dient die Aneinanderreihung von Blöcken der einfacheren Organisation von Transaktionen. Die Bestätigung von Letzteren ist dabei der Garant für Unabänderlichkeit. Eine bestätigte Transaktion wird in der Folge in einem Block mit anderen Transaktionen geeint und zu einem neuen Teil der Blockchain. Aufgrund des Erfolgs von Bitcoin hat sich nun aber ein Größenproblem eingestellt: Jeder Block darf derzeit nur maximal ein Megabyte umfassen. Diese Kapazitätsgrenze hat sich mittlerweile zu einem Flaschenhals entwickelt: Aufgrund der immensen Auslastung durch immer neue Transaktionen wird die Kette aber nicht nur immer länger, sondern auch stetig langsamer. Mittlerweile stemmt die Blockchain so viele Transaktionen, dass sie den Nutzern nicht mehr in angemessener Zeit bestätigt werden können. Die Anzahl unbestätigter Transaktionen im Backlog wächst also ebenfalls immer weiter. In der Folge müssen die Transaktionsparteien immer länger auf ihre Transaktionsbestätigungen warten. Es ist mittlerweile sogar ein eigener Markt für Transaktionsbestätigungen mit (hohen) variablen Transaktionsgebühren entstanden.

Die Lösung des Problems liegt auf der Hand: Die Transaktionen sollen einfach wieder in höherer Zahl und schneller verarbeitet werden. Eine Option wäre es, den Umfang an Informationen zu reduzieren, der in einen Block aufgenommen wird. Eine andere Möglichkeit wäre, die Blockgröße zu erweitern, um mehr Transaktionen darin zu bearbeiten. Vor diesem Hintergrund wurde ein Lösungsvorschlag erarbeitet: Segregated Witness (SegWit) soll es richten. Laut einem Artikel von BTC-Echo (21.04.2017) handelt es sich um eine Softwarelösung, die beide Optionen in Aussicht stellt. Zum einen besteht die Chance auf Transaktionsverformbarkeit in Form einer Secondary-Layer-Lösung, mit der man einen Großteil der Transaktionen abseits der Blockchain entwickeln und das Netzwerk entlasten könnte. Zum anderen könnten die Blockgrößenlimits erhöht werden.

Kryptoszene befürwortet neue Software mehrheitlich

Mit dem Software-Upgrade SegWit sind jedoch auch potenzielle Probleme verbunden: Die älteren „Clients“ – Nutzer, welche die bisherige ohne Upgrade verwenden – würden die Änderung (aufgrund der Nicht-Installierung von SegWit) „nicht verstehen“ und gegebenenfalls einzelne Transaktionen oder ganze Blöcke für ungültig erklären. Der Grund: Übersteigt zum Beispiel ein Block das bisherige Limit von einem Megabyte, wird er von vielen der aktuellen „Klienten“ mit bisher verwendeter Software als zu groß angesehen und verworfen. Befürworter von größeren Blöcke können also nicht einfach größere Blöcke an die Kette hängen. Sie müssen zunächst dafür sorgen, dass diese auch „akzeptiert“ werden. Dies ist jedoch nur möglich, wenn die Netzwerknutzer ihre Software aufrüsten. Tun sie das nicht, besteht die Wahrscheinlichkeit, dass sich zwei Blockchains parallel zueinander entwickeln und es zu einem umstrittenen „Hard Fork“, einer harten Spaltung in zwei digitale Währungen, kommt. Es gilt also tätig zu werden und aufzurüsten – um den „Hard Fork“ zu verhindern.

Weshalb hat die breite Community SegWit also noch nicht installiert? Weil es leichter gesagt ist als getan. Wenn die Akzeptanz für die Einführung des neuen Updates in Form von SegWit von Seiten des Netzwerks unzureichend ist und sich zwei Lager mit zwei unterschiedlichen Lösungsansätzen bilden, kommt es zwangsläufig zur Teilung in Form des „Hard Forks“. Welche konkreten Auswirkungen dieser hätte, ist zu aktuellem Zeitpunkt zwar unbekannt. Doch wegen des höheren Komplexitätsgrades durch zwei verschiedene Währungen könnte es zu Verwechslungen bei Zahlungsausführungen kommen. Durch zwei parallele Blockchains könnte es zudem passieren, dass Zahlungsströme nicht korrekt ausgeführt werden. Die Verkäufe von großen Blöcken könnten auch einen starken Kursverfall auslösen. Eine mögliche Spaltung der Währung hätte möglicherweise eine Abwertung beider resultierender Bitcoin-Parallelwährungen zur Folge. Experten sind sich über die Notwendigkeit einig, Maßnahmen zu ergreifen, um das Szenario des drohenden „Hard Forks“ zu vermeiden. Entsprechende Vorbereitungen wurden schließlich auch getroffen.

Weichen für Konsens sind gestellt

Zwar hatte der Lösungsvorschlag der Bitcoin-Skalierung laut Krypto-Insidern wie der Bitcoin-Expertenplattform Coindesk kontroverse Debatten im Vorfeld ausgelöst. Doch gilt die Option allgemein als die Vielversprechendste: SegWit hatte laut BTC Echo (3. Juli 2017) die Mehrheit der bedeutendsten Unternehmen und Mining-Pools der Kryptoszene an einen Tisch geholt. Das Ergebnis: Der Vorschlag wurde im Vorfeld recht schnell von einem Großteil des Netzwerks – 80% der Nutzer laut Coindesk – unterstützt…

Weiter geht es auf dem Vontobel-Blog.

Bildquelle: dieboersenblogger.de


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