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Nun haben die Akteure an den Finanzmärkten, allen voran die Devisenhändler, ihre heißersehnte Überraschung geliefert bekommen. Nach Wochen der Ruhe sprang der Euro gestern nach oben und stand zwischenzeitlich gegenüber dem US-Dollar bei 1,1385. Die Ursache für diese Aufwertung liegt auf der Hand, denn Mario Draghi stellte gestern eine graduelle Anpassung der Geldpolitik der Zentralbank in Aussicht. So erklärte der EZB-Chef am Dienstag bei der Notenbankkonferenz in Sintra (Portugal), deflationäre Kräfte, die die Teuerung belasteten, seien durch reflationäre (preissteigernde) ersetzt worden. Auch sprach Draghi mit einem Male von Faktoren, die die Inflationsentwicklung belasten können – etwa die Schwankungen der Rohöl- und Rohstoffpreise – als vorübergehende Phänomenen, über die eine Zentralbank hinwegsehen könnte. Fast könnte man meinen, der EZB-Präsident wäre zu einem Zinsfalken mutiert – eine Position, die wir normalerweise nur von Bundesbankpräsident Jens Weidmann gewohnt sind. Natürlich relativierte Draghi seine Worte, indem er einem schnellen Exit von der Politik des leichten Geldes eine Absage erteilte. Aber diese Einschränkung interessierte die Akteure an den Finanzmärkten nicht mehr, es war nicht das Libretto, sondern der Ton, der die Musik gemacht hat.

Sicherlich ist auch dem EZB-Präsident die anhaltende Konjunkturerholung in der Eurozone aufgefallen, und es ist schon verwunderlich, dass der Euro gegenüber dem US-Dollar nicht schon längst deutlicher profitierte…

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GoldbergEin Beitrag von Joachim Goldberg.

Er beschäftigt sich seit mehr als 30 Jahren mit dem Zusammenspiel von Menschen und Märkten. Bis heute faszinieren ihn die vielen Facetten, Nuancen, Geschichten, Analysen und Hintergründe, die sich in der weißgezackten Linie auf der großen Börsenkurstafel niederschlagen. Aber erst mit der Entdeckung der psychologischen Einflüsse auf die Finanzmärkte meint der studierte Bankfachwirt und frühere Devisenhändler dem, was die Welt der Finanzen antreibt und bewegt, nahe gekommen zu sein. Seitdem setzt er sich intensiv mit der ”Behavioral Finance” genannten verhaltensorientierten Finanzmarktanalyse auseinander.

Joachim Goldberg schreibt regelmäßig auf seinem Blog www.joachim-goldberg.com.

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1 KOMMENTAR

  1. Guten Tag Herr Goldberg,
    ich danke Ihnen für Ihren Beitrag, meiner Meinung nach müsste der € ebenfalls schon lange besser dastehen. Die aussagen von Herrn Draghi sind dabei (wie so oft) nicht so wirklich Ernst zu nehmen. Es bleibt spannend zu sehen wie sich der Euro weiter entwickelt…

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