Öl und Aktien – Warum der Öl-Preis über die Aktien richten könnte

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Bildquelle: dieboersenblogger.de

Geehrte Leser, die Aktienmärkte befinden sich auch heute noch knapp unter dem Allzeithoch. Die letzten Monate waren für Long-Positionen ein wirkliches Freudenfest und es muss noch nicht vorbei sein. Auch der Ölmarkt hat sich zuletzt beruhigt und notiert seit Wochen in einer breiten Range. Doch was genau haben Öl und Aktien nun gemeinsam? Gibt es eine Korrelation zwischen Öl und Aktien, die man beachten sollte?

Vorkenntnisse für den Artikel Öl und Aktien

Vor ein paar Wochen schrieb ich bereits einen Artikel über gewisse Umstände, die eine heftige Korrektur an den Märkten einleiten könnte (DAX Crash – Immer wieder ist die Rede von ihm, doch wie könnte er entstehen?). Außerdem gab es bereits einen Artikel von mir zu den komplexen Systemen und ihre Tücken. Heute nun stelle ich einen neuen Umstand vor, der für beide Artikel wichtig ist und als eine Art Fortsetzung gesehen werden kann. Nachdem Sie, geehrte Leser, die beiden Vorgängerartikel gelesen haben, wird es nun konkret.

Fallender Ölpreis – Belastung für die Aktienmärkte?

Fallende Ölpreise haben ihre Tücken. Bereits im letzten heftigen Ölpreis Absturz kam es immer wieder zu Problemen im Energiesektor. Sehr viele Ölunternehmen liegen bei den aktuellen Preisnotierungen nur knapp im profitablen Bereich. Ein Absturz zu den letzten Tiefs könnte diese Unternehmen erneut belasten. Bleibt also die Frage, warum dieser Umstand so wichtig für die Märkte sein soll?

Für die amerikanischen Aktienmärkte ist dieser Umstand natürlich klar zu sehen. Immerhin hängen die Indizes durch das hohe Gewicht des Energiesektors auch direkt an diesen Branchen. Allerdings stellt sich dieser Umstand für die europäischen Märkte anders dar. Aber auch diese könnten durch den Bond-Markt belastet werden, allerdings eher indirekt.

 

Schauen wir auf den Ölpreis, und hier direkt das WTI Oil:

Öl und Aktien
WTI 5 Jahres Chart von Finanztreff

Ein riesiger Teil des Junkbonds-Marktes ist von Energieunternehmen belegt. Es wurden zu Zeiten der hohen Ölpreise gewaltige Summen in die Erschließung neuer Ölquellen investiert. Sehr viele dieser Schulden wären bei dauerhaften Preisen um 30 USD je Barrel wohl uneinbringlich. Allerdings befinden wir uns in einem komplexen System. Ein Ausfall solcher Berge an Schulden könnte je nach Haltern dieser Schulden riesige Verwerfungen am Markt erzeugen. Selbst Bankenschieflagen wären erneut denkbar. Und an dieser Stelle schließt sich der Kreis auch zu den europäischen Märkten.

Der Einfluss von Öl auf die Inflation

Der Einfluss des Ölpreises auf die Inflation ist allerdings ebenfalls ein Thema. Der direkte Einfluss ist extrem hoch. Er ist sogar so hoch, dass die Notenbanken ihre Entscheidungen gewöhnlich nicht von der „echten“ Teuerungsrate abhängig machen, sondern eher von der sogenannten Kerninflation.

Die Kerninflation bezeichnet in der Volkswirtschaft die Inflation, in der besonders schwankungsintensive Komponenten nicht berücksichtigt werden. Dazu zählen vor allem Energie (damit Öl) und Nahrungsmittel. Auch wenn diese Bestandteile „ausgeblendet“ werden, so kommt der Einfluss des Ölpreises früher oder später auch in der Kerninflation an. Wer die genauen Hintergründe für diese Aussage prüfen will, möge sich den Einfluss des Ölpreises auf die einzelnen Bestandteile des Warenkorbs durchdenken.

Kerninflation in der Eurozone

Die Kerninflation legte nun zuletzt ebenfalls deutlich zu und befindet sich damit auf einem Level, welches seit fast 4 Jahren nicht mehr erreicht werden konnte. Der aktuelle Wert um 1,2 Prozent ist noch nicht bedrohlich, doch unterstreicht auch dieser deutlich den Preistrend. Der Druck auf die Notenbanken wird damit zumindest nicht kleiner.

Steigender Ölpreis – ebenfalls eine Belastung für die Aktienmärkte?

Dieser Umstand ist also durchaus ein wichtiger Faktor für die kommenden Inflationsdeutungen. Die Notenbanken würden bei steigenden Ölpreisen mittelfristig immer stärker unter Druck geraten. Dieser Druck könnte dann zu einem Renditeanstieg führen. Dieser wiederum wäre ein möglicher Auslöser für eine Belastung der Aktienmärkte. Den Umstand der Auswirkungen eines Renditeanstieges auf die Aktienmärkte legte ich auf Trading-Treff erst kürzlich dar.

Öl und Aktien – Fazit

Der Ölpreis ist aktuell ein stabilisierender Faktor. Mit den aktuellen Preisen können die meisten Marktteilnehmer wohl leben. Allerdings gibt es nicht nur eine Richtung des Preisausbruchs, der für die Aktienmärkte problematisch sein könnte. Beide Richtungen könnten den Markt in ernsthafte Probleme stürzen. Dabei gilt wie immer: Je langsamer Veränderungen passieren, desto leichter kann der Markt diese wegstecken und sich auf die Auswirkungen vorbereiten. Doch kommen die Ausbrüche schnell und unvorbereitet, dann dürfte ganz unabhängig von der Ausbruchsrichtung durchaus eine ungemütliche Zeit anstehen.


Geehrte Leser, auch hier sei wieder angemerkt, dass es nicht darum geht, die Chancen des Marktes auszublenden. Diese gibt es weiterhin. Das aktuelle Zinsniveau stützt die Märkte deutlich und kurzfristig scheint die EZB noch keine Änderung herbeizuführen. Einzig ein wachsames Auge kann nicht schaden. In unserem hochkomplexen System lohnt immer ein Blick auf die möglichen Auslöser von Schieflagen. Und auch der Ölpreis gehört in meinen Augen zu eben diesen.

Herzlichen Dank für Ihr Interesse und gute Trades,

deepinsidehps

Dieser Beitrag von deepinsidehps wurde von trading-treff.de zur Verfügung gestellt. Dort gibt es Analysen, Wissen und Emotionen zum Trading.

„deepinsidehps“ steht vor allem für den vertiefenden Einblick in die Märkte. Insbesondere Meinungen und Gedanken abseits der gültigen Konventionen sind die Prämissen des Users.

Bildquellen: Trading-Treff.de / dieboersenblogger.de


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