Bildquelle: Pressefoto Shell

Liebe Leser, endlich habe ich mich der eingehenden Analyse des COT-Reports für Öl angenommen.

Und vorab: Ich habe diesen Artikel bereits mehrmals umgeschrieben, was für mich nochmals deutlich macht, wie wenig Aussagekraft der Report an sich hat. Mein Ziel war es herauszufinden, wie man diese Daten sowohl auf langfristiger als auch kurzfristig Basis nutzbar machen könnte. Die Analyse der Nettopositionen, die man mittlerweile auf jedem Portal zu lesen bekommt, stellte mich bisher leider nicht zufrieden. Weshalb ich mich auf die Bewegungen der Brutto-Positionen als auch dem Open Interest fokussieren wollte.  Wer mit den COT-Daten nicht vertraut ist, der kann sich über die Google Suche darüber informieren. Mittlerweile gibt es eine Menge Informationen dazu. Für die schnelle Übersicht nutze ich gerne die Charts von Barchart.com.

Interpretieren bis der Arzt kommt

Ich muss zugeben, ich begann meine Analyse mit viel Elan und beendete sie mit Enttäuschung. Denn, mir wurde einmal mehr bestätigt, dass man sich beim COT-Report tot interpretieren kann. Und das bei einem eigentlich nicht vorhandenem Edge. Enttäuschend auch in dem Sinne, dass sich anscheinend gute Analysten, immer mehr diesem Report Woche für Woche widmen und aus meiner Sicht entweder nur Marketing betreiben oder einfach nur Seiten mit Content befüllen.

Welchen Mehrwert soll das haben außer vermeintliche Sicherheit, die es gar nicht gibt? Und die Gefahr sich in Sicherheit zu wiegen, bietet der COT-Report leider zu genüge. Denn, er ist so ausgelegt, dass man sich seine Interpretationen quasi zu recht legen kann. So oder so, habe ich das Gefühl er wäre so konzipiert, dass er überhaupt keinen Edge liefern kann, denn wenn er das könnte, dann müsste die CFTC ja Insiderinformationen preisgeben. Diese wird aber alles daran setzen, dass das nicht passiert.

Auch als Filterindikator ist die Analyse des COT-Reports kaum zu gebrauchen

Glauben Sie mir, alle allgmeingültigen Signale, die der Report vermeintlich liefert, kommen zu spät. Da können Sie sich drehen und wenden wie Sie wollen. Es ist das beste Beispiel für „Im Nachhinein sieht alles besser aus“. Ich bin am Ende also zu dem Entschluss gekommen, dass man sich den Edge mit Hilfe der COT-Daten, wenn überhaupt, wie in so vielen markttechnisch bezogenen Strategien, höchstens systematisch erarbeiten kann. Sprich man nutzt den COT-Report als Filter-Indikator, nicht als Prognose-Indikator. Ob man aber Filter-Indikatoren überhaupt braucht, war und bleibt Auslegungssache.

Nach dem ich mich nun also zwei Nächte damit beschäftigt habe, die allgemeingültigen, vermeintlichen Signale objektiv zu bewerten, und auch andere zu finden, die der Report mir seit 2010 hätte womöglich liefern können, wendete ich mich enttäuscht dem systematischen Ansatz zu, da ich mir hier mehr Potential für die Nutzbarkeit erhoffte. Aber auch hier sollte ich bald enttäuscht werden. Sehen Sie selbst.

Folgende Parameter habe ich dafür, anhand möglicherweise, aber nicht nachgewiesener Zusammenhänge zwischen den Veränderungen bestimmt.

  1. Starke Richtungsveränderung im Open Interest
  2. Starke Bewegungen entweder in den Shorts oder Longs der Spekulanten

Es gab also aus meiner Sicht nur zwei wichtige Parameter. Da ich davon ausgehe, dass das Open Interest sich nur dann signifikant verändert, wenn es auch signifikante Veränderungen in den Positionen gibt, wird das meine erste Indikation sein. Unterlegt mit einem gleitenden Durchschnitt soll ein Ausbruch das Signal für eine Veränderung liefern. Und ein Ausbruch soll ebenfalls signifikant sein, um Fehlausbrüche auszuschließen. Ich habe fünf solcher Signale seit 2010 identifiziert und schaue mir nun an was die jeweiligen Positionen und der Preis im Zuge dessen gemacht haben.

Analyse des COT-Reports

 

WTI Chartanalyse

  1. Das erste Signal geht mit einem sich verringerten Open Interest einher. Es fällt mit der Bodenbildung im Preis im September 2011 zusammen. Zunächst sind jedoch keine signifikanten Veränderungen in den Positionen zu erkennen. Erst etwas später (Anfang Oktober) stagnieren die Shorts deutlich. Der Preis beginnt nun zu steigen.
  2. Das zweite Signal ging mit einem sich erhöhten Open Interest einher und zwar in etwa im Februar 2012. Hier steigen jedoch auch die Longs signifikant an. Im Grunde genommen handelt es sich hierbei um einen länger andauernden Umschwung, der mit dem ersten Signal begann = Open Interest fällt bei gleichzeitig fallenden Shorts => Open Interest steigt bei gleichzeitig steigenden Longs. Das zweite Signal für sich alleine, hätte ein Fehlsignal generiert, da der Preis bereits nahe des Hochs notierte. Man hätte also das Glück oder das Können haben sollen, gleich beim ersten Signal die richtige Interpretation zu treffen.
  3. Das dritte Signal habe ich dann erst im November 2013 identifizieren können. Hier ist das Open Interest stark eingebrochen, bei gleichzeitig steigenden Longs. Der Preis stagnierte, war aber im Zeitpunkt der Signalgebung bereits am Tief angekommen.
  4. Das vierte Signal war wohl das eindeutigste von allen. Aber das ist ja auch kein Wunder, denn in diesem Zeitraum fiel der Ölpreis wie ein Stein. Das Open Interest fiel, während die Longs fielen und die Shorts stiegen. Der Idealfall sozusagen, denn man aber so kaum mehr vorfindet.
  5. Das fünfte und letzte Signal geht mit einem erneut steigenden Open Interest einher, hier jedoch bei gleichzeitig steigenden Shorts und Longs. Hier bildet der Preis einen Boden und erholt sich schließlich, als die Shorts kurz darauf einbrechen. Dieses Signal ist ähnlich dem ersten Signal, nur in umgekehrter Folge. Aber auch gleichzeitig ein Beispiel dafür, dass es nicht so wie im ersten Fall mit dem Umschwung ablaufen muss. Definitiv hätte sich das ebenfalls als ein Fehlsignal herausgestellt, denn der Preis bricht kurze Zeit später, ohne jedwede, vorzeitige Signalgebung in den COT-Daten, ein

Fazit zur Analyse des COT-Reports

Ich mache es kurz.  Denn ich habe jetzt definitiv zu viel Zeit in diesen vermeintlichen Indikator gesteckt. Ich nehme Ihnen nicht übel, wenn Sie irgendwo mittendrin den Faden verloren haben, denn das bringen Daten, die sehr weit und nach Gut dünken interpretierbar sind, nun mal mit sich. Ich werde auch das Gefühl nicht los hier zu viel zu subjektiven Quatsch hinein zu interpretieren. Auch der systematische Ansatz scheint es nicht zu bringen. Hier hilft wohl nur noch Eins: Der Glaube. Und der kann ja im Anlegen und Trading sehr stark sein. Ich persönlich war aber noch nie besonders gläubig oder ein Täter aus Überzeugung.

Viel Erfolg!

David Iusow


Dieser Beitrag von tradingundinvestments wurde von trading-treff.de zur Verfügung gestellt. Dort gibt es Analysen, Wissen und Emotionen zum Trading.

Unter 2i-Services verbirgt sich der selbstständige Händler und Marktanalyst David Iusow. Neben diesen Tätigkeiten fungiert David Iusow zudem als Berater und Online-Redakteur.

Bildquellen: Trading-Treff.de / Pressefoto Shell


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