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Die überraschende Ankündigung von Neuwahlen in Großbritannien am 8. Juni hatte gestern zu denkwürdigen Reaktionen im britischen Pfund geführt. Zum einen gab es eine für manchen Akteur sicherlich furchterregend anmutende Rallye in Kabelpfunden, bei der die britische Währung am gestrigen Tage in der Spitze um mehr als 3 Prozent gegenüber dem US-Dollar aufwertete. Dass die Marktreaktion so heftig ausgefallen war, dürfte vor allen Dingen daran gelegen haben, dass eine große Mehrheit der Akteure zuvor in Pfund Sterling vermutlich short gewesen war.

Daraus allerdings zu schließen, dass sich die Neuwahlen positiv für das britische Pfund auswirken können, mag dennoch zu kurz gesprungen sein. Denn der dortige Aktienindex FTSE 100 hat sich am selben Tag um fast 2,5 Prozent in der Spitze abgeschwächt, was mich zu dem Schluss kommen lässt, dass die jüngste Pfund-Stärke auch auf Auflösung von Absicherungen internationaler Aktienengagements gegen einen Wechselkursverfall beruht.

Hastige Reaktionen

Reaktionen gab es auch bei den Analysten einiger Bankhäuser, wobei eine davon recht deutlich ausfiel: Weil die Verhandlungsposition der Premierministerin Theresa May bei den Brexit-Verhandlungen mit der EU, gestützt durch eine schätzungsweise breitere Mehrheit bei den Unterhauswahlen, flexibler als zuvor sein dürfte, wurden sogleich alle bearishen Kursziele für die britische Währung zurückgenommen.

Ein für mich auf den ersten Blick sehr drastisch anmutender Stimmungswechsel. Denn man kann durchaus auch die Meinung eines anderen Bankhauses (vgl. Börsenzeitung von heute) vertreten, wonach es die EU-Verhandler hinsichtlich der eigenen Position kaum scheren dürfte, auf welche Mehrheiten sich die Gegenseite im britischen Parlament stützen kann…

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GoldbergEin Beitrag von Joachim Goldberg.

Er beschäftigt sich seit mehr als 30 Jahren mit dem Zusammenspiel von Menschen und Märkten. Bis heute faszinieren ihn die vielen Facetten, Nuancen, Geschichten, Analysen und Hintergründe, die sich in der weißgezackten Linie auf der großen Börsenkurstafel niederschlagen. Aber erst mit der Entdeckung der psychologischen Einflüsse auf die Finanzmärkte meint der studierte Bankfachwirt und frühere Devisenhändler dem, was die Welt der Finanzen antreibt und bewegt, nahe gekommen zu sein. Seitdem setzt er sich intensiv mit der ”Behavioral Finance” genannten verhaltensorientierten Finanzmarktanalyse auseinander.

Joachim Goldberg schreibt regelmäßig auf seinem Blog www.joachim-goldberg.com.

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