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KAP Beteiligungs-AG: Carlyles Trüffelschwein für den Deutschen Mittelstand

Die KAP Beteiligungs-AG (WKN: 620840 / ISIN: DE0006208408) ist ein relativ unbeachtetes deutsches Beteiligungsunternehmen, das aber in nächster Zeit aus seinem Dornröschenschlaf erwachen könnte. KAP hat jahrelang in nicht immer gut laufende Mittelständler investiert und ab und zu schöne Verkaufserfolge erzielen können. Was zu üppigen Dividendenausschüttungen führte, allerdings nicht in jedem Jahr. Dann erfolgte der Strategieschwenk und die vorhandenen Mittel wurden in Aktien großer, börsennotierte Unternehmen angelegt. Was KAP für mich (noch) uninteressanter machte. Doch der Wind hat sich gedreht, denn ein neuer Großinvestor ist an Bord und mit ihm wird eine neue Strategie verfolgt. Und hier wird es dann auch interessant…

Der neue große Anteilseigner ist niemand geringeres als der international tätige Finanzinvestor Carlyle Group. Der hat sich in großem Stil eingekauft und den KAP-Aktionären ein Übernahmeangebot unterbreitet. Doch man bot nur den Mindestpreis von 20,92 Euro und der lag sogar noch unterhalb des Buchwerts von gut 22 Euro. Dem entsprechend gering war die Carlyle angediente Stückzahl, insgesamt nämlich nur 20.718 KAP-Aktien bzw. ein Anteil von 0,3128%. Dennoch kommt Carlyle nun in Summe auf 3.531.718 KAP-Aktien und das entspricht somit rund 53,3134% des Grundkapitals und der Stimmrechte der KAP.

KAP-Chart: finanztreff.de

Carlyle kann bei KAP nun also durchregieren und seine Ziele umsetzen. Und über die neuen Ziele hat KAP inzwischen auch seine Aktionäre informiert und zwar in der Unternehmensmeldung vom 17. Februar, in der es nicht nur um das erfreuliche Jahresergebnis für 2016 ging:

„Nach vorläufigen Berechnungen erzielte die mittelständische Beteiligungsgesellschaft aus Fulda im abgelaufenen Geschäftsjahr einen Konzernumsatz von 385,8 Mio. EUR (2015: 374,5 Mio. EUR). Das ist ein Zuwachs von rund 3% im Vergleich zum Vorjahr. Fast alle Firmen im Beteiligungsportfolio haben ihren Teil zu dem Wachstum beigetragen.

Das Konzernergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) beläuft sich nach vorläufigen Zahlen auf 18,0 Mio. EUR (2015: 12,0 Mio. EUR) und lag damit um 50 % über Vorjahr. Darin enthalten sind Sondererträge von 4,1 Mio. EUR bei der Tochtergesellschaft it-novum sowie aus dem Verkauf von Grundstücken von insgesamt 1,0 Mio. EUR (2015: 3,2 Mio. EUR). Das um die Sondererträge bereinigte Ergebnis hat sich somit um 46 % von 8,8 Mio. EUR auf 12,9 Mio. EUR erhöht.

Die gute Entwicklung des Geschäftsjahres ist auch auf den erfreulichen Verlauf des 4. Quartals zurückzuführen. Sowohl die Geschäfte im Segment engineered products als auch bei den Präzisionsteilen für die Automobilzuliefererindustrie (Segment automotive components) haben gut performt. Fast alle Beteiligungsunternehmen verzeichneten eine höhere Kundennachfrage als im Vorjahresquartal. Insgesamt kann von einem überdurchschnittlichen Schlussquartal gesprochen werden.

Im Segment engineered products wurde mit einem Anstieg der Erlöse um 6,2 % auf 282,3 Mio. EUR (2015: 265,8 Mio. EUR) weiter Fahrt aufgenommen. Das Segmentergebnis konnte auch aufgrund des Sonderertrages bei it-novum auf 16,6 Mio. EUR (2015: 8,0 Mio. EUR) mehr als verdoppelt werden. Zur Verbesserung des Segmentergebnisses haben vor allem die Unternehmen Mehler Engineered Products (MEP) und OLBO & MEHLER TEX (OMT) beigetragen. Insbesondere MEP China erfreut mit einer recht deutlichen Ergebnisverbesserung. Hier wird der Break-even nun für 2017 angestrebt. OMT konnte davon profitieren, dass die Beteiligung Synteen & Lückenhaus im zweiten Quartal auf die OMT verschmolzen wurde. Hier machen sich bereits jetzt erste positive Synergieeffekte bemerkbar. Die übrigen Unternehmen des Segments – Caplast, Elbtal, Kirson und Riflex – haben das gute Ergebnisniveau des Vorjahres halten oder sogar leicht verbessern können.

Im Segment automotive components lagen die Erlöse mit 104,8 Mio. EUR trotz eines schwieriger gewordenen Marktumfeldes nur knapp unter dem Vorjahreswert von 106,6 Mio. EUR. Der Absatzrückgang bei den Injektorkörpern für LKW-Diesel war für den leichten Rückgang des Segmentumsatzes verantwortlich. Trotzdem konnte das Segmentergebnis auf 2,2 Mio. EUR (2015: 1,5 Mio. EUR) gesteigert werden. Besonders gut lief es bei der Gear Motion-Gruppe. Dank vieler neuer Produkte legte der Umsatz zu und das Ergebnis stieg. Trotz des beschriebenen Absatzrückganges bei den Injektorkörpern und dem daraus resultierenden Umsatzrückgangs, hat die Geiger-Gruppe durch weitere Effizienzsteigerungen nun erstmals seit vielen Jahren wieder den Break-even Punkt erreicht. Wermutstropfen ist die Entwicklung bei der Bebusch GmbH, wo Umsätze und Ergebnis deutlich rückläufig waren.

Im Segment all other segments wurden keine Umsatzerlöse erzielt. Das Segmentergebnis fiel mit -3,9 Mio. EUR (2015: -0,3 Mio. EUR) deutlich schlechter aus als geplant. Bei der Immobiliengesellschaft Schäfflerbachstraße, Augsburg konnte noch kein Investor für das Projekt „Design-Hotel im alten Kesselhaus“ gewonnen werden.

Bei der Stöhr & Co. AG konnte die Betriebsprüfung abgeschlossen werden. Die letzte Hauptversammlung , die am 23. Februar 2017 in Frankfurt stattfindet, wird u. a. die Schlussrechnung billigen. Anschließend wird die Beendigung der Liquidation in das Handelsregister angemeldet.

Das Wertpapierportfolio wurde in 2016 teilweise veräußert. Die Erlöse betrugen 13,3 Mio. EUR. Der Verkauf von 60.000 Aktien der Allianz AG und 210.834 Aktien der Deutschen Bank AG ging mit einen Ertrag von 4,6 Mio. EUR in das Ergebnis ein. Das Wertpapierdepot valutierte am 31. Dezember 2016 bei 18,6 Mio. EUR. Am 02.01.2017 wurde auch der noch verbliebene Depotbestand mit einem ergebniswirksamen Ertrag in Höhe von 10,9 Mio. EUR veräußert. Damit ist das Wertpapierdepot der KAP-Beteiligungs-AG nun vollständig liquidiert.

Das Ergebnis vor Ertragsteuern beträgt 20,6 Mio. EUR (2015: 10,8 Mio. EUR). Die Nettofinanzverschuldung beträgt am Bilanzstichtag 65,1 Mio. EUR (2015: 59,3 Mio. EUR).

Die Sachinvestitionen liegen plangemäß mit 23,6 Mio. EUR (2015: 15,5 Mio. EUR) über dem Vorjahr, wobei die Investitionsschwerpunkte bei MEP, Präzisionsteile Dresden (PTD) und Caplast lagen. Die Abschreibungen betragen 21,3 Mio. EUR (2015: 22,6 Mio. EUR). Zum Stichtag beschäftigt der Konzern 2.597 (2015: 2.597) Mitarbeiter.
Die KAP-Beteiligungs-AG plant auch im laufenden Geschäftsjahr mit einem Umsatzzuwachs und der erneuten Verbesserung der Rentabilität. Die Schwelle von 400 Mio. EUR Umsatz ist erreichbar und das Ergebnis sollte zumindest in die Nähe des 2016er Ergebnisses liegen, nur diesmal ohne Sondererträge.“

Es bleibt also festzuhalten, dass die verbliebenen Beteiligungen noch einiges an Arbeit für das Management bedeuten, sich hier aber Effizienzgewinne realisieren lassen sollten. Des Weiteren kann man davon ausgehen, dass in den nächsten Jahren der eine oder andere gewinnbringende Exit erfolgen dürfte.

Entscheidend sind aber andere Passagen der Meldung. Denn das Management der KAP bleibt an Bord, der Aktienbestand ist inzwischen mit sattem Gewinn veräußert worden und… jetzt kommt’s… Carlye wird KAP zu einem mittelständisch geprägten Beteiligungsunternehmen mit langen Haltezeiten nutzen und ausbauen, also weit weg von der eigentlichen Strategie eines Finanzinvestors. Obwohl die finanzielle Firepower von Carlyle hinter KAP steht, wird sich die KAP Beteiligungs-AG eigenständig in Richtung einer MBB oder einer MAX Automation entwickeln. Aufgrund der neuen Ausrichtung wird man so auch für Familienunternehmen attraktiv, die Nachfolgeprobleme haben und ihrem Unternehmen dennoch eine langfristige Perspektive geben wollen…

Auf www.intelligent-investieren.net geht es weiter.

Kissig Ein Beitrag von Michael C. Kissig

Er studierte nach Abschluss seiner Bankausbildung Volks- und Rechtswissenschaften und ist heute als Unternehmensberater und Investor tätig. Neben seinem Value-Investing-Blog „iNTELLiGENT iNVESTiEREN“ verfasst Michael C. Kissig regelmäßig eine Kolumne für das „Aktien Magazin“.

Bildquellen: Michael C. Kissig / dieboersenblogger.de


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