Es fehlt nur noch das „I“ – dann sind die PIGS vollzählig

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Ich weiß nicht, warum ich es getan habe. Es war nur so ein Gefühl. Aber ich habe es gestern kurz nach US-Eröffnung einfach gemacht: Ich habe über 90% meiner Aktienpositionen verkauft und über 23% Gewinn seit Jahresbeginn mitgenommen. Weil ich eher an den Spruch dachte “Sell in May and go away”, so blöd wie ich bin als Börsenjournalist und ich einfach mal Gewinne auch realisieren wollte. Griechenland hatte ich da nur ein bisschen im Hinterkopf.

Wer weiß, ob ich nun einmal richtig gehandelt habe. Wenn ich heute auf den DAX schaue, bin ich unsicher. Erholt sich das wieder oder geht es weiter bergab? Das war wiederum am späten Nachmittag. Nun weiß ich es: Meine Gewinne kann mir keiner mehr nehmen – bis auf Minister Schäuble, aber das ist halt die Abgeltungssteuer…

Im Ernst: Vor drei Wochen haben die Experten und viele Kollegen unter den Journalisten noch von den PIGS-Staaten gesprochen. Nun – wir haben sie fast alle eingedeckelt im Pleiten-Topf. Bis auf das “I” – Italien. Alles eine Frage der Zeit? Ich weiß es nicht, unrealistisch ist es aber nicht. Fakt ist doch: Griechenland wurde von der Rating-Agentur Standard & Poor’s abgestraft – verbunden mit einer eindeutigen Warnung, dass die Chance im Fall einer Zahlungsunfähigkeit oder Umschuldung noch einen  Cent zu sehen, bei lediglich 30 bis 50 Prozent liegt. Kein Wunder: Griechenland braucht in den kommenden drei Jahren 100 bis 120 Milliarden Euro, um sich aus dem Würgegriff der drohenden Staatspleite zu befreien. Zur Erinnerung: Vor einer Woche sprachen wir von 30 Mrd. Euro.

Das “Tolle”: Für uns Deutsche kostet diese ganze Gyros-Connection satte 25 Mrd. Euro. Machen wir doch gerne. Während wir in diesem Land Sprüche hören wie “Soziale Gerechtigkeit ist mit Leistungsbereitschaft verbunden”, gehen die Griechen in Athen lieber mal kurz auf die Straße, weil sie es nicht so prickelnd finden, in den kommenden sechs Jahrzehnten länger zu arbeiten und weniger Rente zu bekommen. Ne klar: Dann doch lieber “Money made in Germany” bekommen. Wir haben es ja. Warum in Deutschland Schulen und Universitäten ausbauen und in die Bildung unserer Kinder das Geld investieren, wenn wir es doch in der “Solidargemeinschaft EU” viel besser anlegen können? Man(n) kann hier nur noch im Zynismus enden. Während man als Unternehmer in Deutschland seinem Finanzamt dutzende Briefe schreiben muss, um eine Stundung seiner Steuerschulden zu erhalten, geht es in Südeuropa ganz einfach: “We call Brüssel”.

“Griechenland stöhnt unter Schuldenlast”, schrieb heute eine Presseagentur. Sollen sie, sage ich. Hierzulande gibt es dafür nur wenig Verständnis. Und wer zocken will:  Für zweijährige Anleihen wird inzwischen bereits mehr als 35 Prozent Rendite fällig. Eine deutsche Anleihe mit vergleichbarer Laufzeit wirft hingegen nur magere 0,77 Prozent Rendite ab. Immerhin: Die Reaktion der griechischen Börsenaufsicht, Leerverkäufe in Athen bis zum 28. Juni dieses Jahres zu verbieten, wird europaweit begrüßt. Investoren wetten dabei auf fallende Kurse von Wertpapieren oder Währungen. Wenn es nur Griechenland wäre. Aber nein: Wir können dieses Jahr als Deutsche quasi Urlaub in Schuldenstaaten machen, “buchen Sie die ganze Mittelmeer-Küste bei Ihrer Bundesregierung”. Denn neben der griechischen Küste hat es auch noch die Algarve und Mallorca erwischt.

Standard & Poor’s hat nämlich auch die Bonitätsnote Portugals um zwei Stufen von A+ auf A- gesenkt. Dass Bedenken in Bezug zu Portugal nicht unberechtigt sind, zeigt sich an der Börse. Der Kurs in Lissabon stürzte gestern um 5,36 Prozent ab. Und weil es so “schön” ist: Nach Griechenland und Portugal stufte die Ratingagentur Standard & Poor’s nun auch Spaniens Bonität herab. An den Märkten wächst die Angst vor einem Dominoeffekt, der auch noch andere schwächelnde Mitglieder der Euro-Zone in Schwierigkeiten bringen könnte. Spanien müsse weitere Sparmaßnahmen ergreifen, so S&P. Die Regierung in Madrid versicherte, sie werde alles tun, um ihre Sparziele zu erreichen.Märkte verlieren nach Bekanntwerden der Herabstufung.

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Ist das alles obejektiv, könnte man da doch mal fragen – so als kleiner Anleger. Und in der Tat. Andere Agenturen halten bisher an ihrem Spanien-Rating fest. Fitch erklärte, man halte am Rating "AAA" für Spanien und einem "stabilen" Ausblick fest. Die Regierung habe ein umfassendes Sparprogramm aufgelegt. Die Agentur Moody’s wollte sich bisher nicht äußern. Diverse Analysten verweisen bisher darauf, dass Spanien im Vergleich dazu selbst mit dem gesenkten "AA"-Rating noch in einer wesentlich komfortableren Situation sei.

Um auf die Überschrift zurückzukommen. Das “I”, sprich Italien. Es darf keinen verwundern, wenn es in den nächsten Tagen hier ebenfalls zu einer Herabstufung kommen wird. Ehrlich gesagt: In der Haut von “Angie” als Bundeskanzlerin möchte ich nicht stecken. Ganz ehrlich nicht. Woher soll die Kohle kommen? Von meiner Abgeltungsteuer bestimmt nicht – aber die könnte ich ja gleich meinem Griechen um die Ecke schenken, mit dem Vermerk, er könne diese ja gleich an seine Familie in Athen senden – weil sehen tue ich das Geld ja eh nicht mehr. Weder bei Schäuble noch beim griechischen Gastwirt. Der Unterschied. Schäuble könnte das Geld an den Kindergarten in meinem Ort geben und eine Erzieherin mehr einstellen, damit meine Tochter auch einen Kindergarten-Platz erhalten kann. Aber hey- wenn interessiert das schon in Griechenland, wo sie Angst haben, die Konsequenzen aus ihrem eigenen Wirtschaften selbst zu übernehmen. Dafür haben wir doch die EU und auch meine Abgeltungssteuer…


3 KOMMENTARE

  1. da hab ich noch eine börsenweisheit für dich…
    „Buy on bad news!“ 🙂

    im gegensatz zu dir, bin ich im moment äusserst positiv eingestellt! mal schauen wer recht bekommt 😉

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