Neuer Megatrend Offshore Phosphat-Abbau?

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Bildquelle: dieboersenblogger.de

ich melde mich hiermit aus Afrika bei Ihnen. Und das kam so:

Die Kombination aus steigender Weltbevölkerung und zurückgehenden Anbauflächen finde ich alles andere als beruhigend. Dafür sorgen einerseits fehlende Geburtenkontrolle in Schwellenstaaten sowie Verkarstung und Versteppung von Böden und Ausweitung der Siedlungsflächen.

Allerdings: Der Mensch muss doch essen, von Alters her. Insofern muss die Produktion von Nahrungsmitteln erhöht werden. Konzerne wie Monsanto wollen uns glauben machen, dass dafür gentechnisch manipuliertes Saatgut notwendig ist. Ich hoffe, dass dies nicht so ist. Alleine schon deshalb, weil ich es für keine gute Idee halte, dem Herrgott ins Handwerk pfuschen zu wollen.

Zudem behagt es mir nicht, wenn Generationen von Kleinbauern von einem internationalen Konzern (der nun auch noch von Bayer (WKN: BAY001 / ISIN: DE000BAY0017) übernommen wird) abhängig sein sollen. Saison für Saison – denn das Saatgut kann nicht aus der Ernte abgezweigt werden, sondern muss immer wieder neu gekauft werden. Ich finde da diesbezüglich die kritischen Anmerkungen von Felix Prinz zu Löwenstein äußerst überzeugend.

Ich möchte heute aber auf einen ganz anderen Aspekt hinaus. Und zwar auf den Phosphat Abbau. Neben Stickstoff sind Phosphate (chemische Verbindung von Phosphor) ein wichtiger Bestandteil der modernen Kunstdünger. Diese haben bekanntlich die Produktion landwirtschaftlicher Güter stark erhöht.

Nun gibt es aber Einschätzungen, denen zufolge guter, leicht abbaubarer Phosphor bereits in ca. 20 Jahren knapp werden könnte.

Beispiel: Quelle N24 „Am Phosphor hängt das Schicksal der Menschheit“

Und Knappheit an Phosphor, das könnte zurückgehende Ernteerträge bedeuten. Und da könnte es ganz schnell knapp werden in Bezug auf die ohnehin fragile Ernährungssicherheit der Bevölkerung der Welt.

Nun begab es sich aber, dass es unter anderem vor der Westküste des Afrikanischen Kontinent teilweise reiche Phosphor-Vorkommen bestehen sollen. Es ist deshalb derzeit in der Debatte, ob diese Vorkommen „offshore“ ausgebeutet werden sollen.

Klingt für mich erstmal nachvollziehbar. Phosphor wird als Dünger benötigt, und wenn der leicht abbaubare Phosphor an Land knapp wird, kann auf die Offshore-Vorkommen zugegriffen werden. Es werden schließlich auch Rohöl-Vorkommen offshore angezapft und per offshore-Förderung Diamanten gewonnen.

Da ich Horchposten in Afrika habe und körperlich noch nicht völlig verfallen bin, habe ich mich deshalb auf den Weg dorthin zur Benguela Current Commission gemacht, die für die Nutzung des Ozeans im Bereich des Benguela-Meeresstroms zuständig ist. Das umfasst die Küsten von Angola, Namibia und Südafrika, wo die besonders reichen Phosphat-Vorkommen liegen sollen.

Ich war dort bei einem Workshop der National Working Group des zuständigen „Marine Spatial Planning“ des Ministeriums für Fischerei und Marine Ressourcen. Ich hatte dort innerhalb mehrerer Tage die Gelegenheit, mit der Vorsitzenden der Kommission und diversen Wissenschaftlern zu sprechen.

Nach diesen Gesprächen sehe ich die ganze Sache durchaus kritisch. Zuvor machte ich mich in etwa mit diesen Gedanken auf die Reise: Offshore Phosphat-Mining – das könnte dazu beitragen, die Weltbevölkerung zu ernähren und es könnte auch noch schöne Investment-Chancen für uns bieten. Mögliche Aktien wollte ich mir genauer anschauen und vor Ort recherchieren.

Doch inzwischen habe ich von den Experten vor Ort erfahren, dass der Offshore Phosphat-Abbau beträchtliche Probleme mit sich bringen könnte. Natürlich gilt es immer, Nutzen und Kosten abzuwägen. Aber während z.B. Offshore Abbau von Diamanten oder auch Rohöl Offshore-Förderung eher „punktuell“ vor sich gehen, sollen beim Offshore-Abbau von Phosphat weitflächig Meeresboden abgetragen werden, und zwar in einer Dicke von ca. 1-6 Metern. Da es sich um ein niedrigpreisiges Produkt handelt, geht es da um gewaltige Massen, und mittels Chemikalien soll dann das Phosphat herausgelöst werden. Das gibt dann auch noch riesige Mengen an Lauge, die entsorgt werden muss.

Von einer Meeresbiologin erfuhr ich, dass in der Meerestiefe, wo abgebaut werden soll, z.B. die Vorkommen von Seehecht nicht direkt betroffen sind. Indirekt aber schon: Denn die Fischlarven des Seehechts sollen genau dorthin wandern und sich in kleinen Pflanzen verstecken. Wenn aber der Meeresboden dort meterdick abgetragen wird, sind diese Pflanzen weg – und die Fischlarven haben entsprechend keinen Schutz mehr. Das könnte die nächste Generation an Seehechten belasten und damit die Fischerindustrie vor Ort.

Alles Dinge, die beachtet werden sollten und zu denen fleißig geforscht wird. Auf meine Nachfrage hin wurde mir mitgeteilt, dass dazu aber bis 2020 noch Arbeit notwendig sei, dann könne die National Working Group des „Marine Spatial Planning“ ihre Ergebnisse vorweisen.

2020? Es könnte sein, dass bereits vorher Projekte im Bereich Offshore Phosphat-Mining begonnen werden. Nach der Recherche vor Ort habe ich allerdings beschlossen, dass ich zu dem Thema kein Investment-Research machen werde, solange die möglichen Risiken in Bezug auf die Umwelt nicht bekannt sind. Insofern hat die Reise zwar keine neuen Empfehlungen gebracht. Aber einen Erkenntnisgewinn.

Michael VaupelEin Beitrag von Michael Vaupel

Michael Vaupel, diplomierter Volkswirt und Historiker (M.A.), Vollblut-Börsianer. Nach dem Studium Volontariat und Leitender Redakteur und Analyst diverser Börsenbriefe (Emerging Markets, Internet, Derivate, Rohstoffe). Er ist gefragter Interview- und Chatpartner (N24, CortalConsors). Ethisch korrektes Investieren ist ihm wichtig.
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Bildquelle: Michael Vaupel / dieboersenblogger.de


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