Schlussgong: Die Commerzbank-Aktie bleibt ein Risiko-Papier

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Der Aktienmarkt gönnt den Investoren ein vorgezogenes Ostergeschenk: Weltweit legen die Aktienkurse kräftig zu. Der DAX ist deutlich über die Marke von 6.200 Punkten gesprungen. Diesen Befreiungsschlag hatte ich schon einige Tage früher erwartet.

Es reichten heute schon einige gute Konjunkturdaten aus den USA, um die Märkte zu beflügeln. Allerdings muss berücksichtigt werden, dass starke Kursbewegungen direkt vor oder nach Feiertagen nicht sonderlich aussagekräftig sind, da aufgrund der geringen Umsätze schon kleinere Order reichen, um die Kurse in bestimmte Richtungen zu lenken. Dennoch: Die gute Stimmung wird weitere Investoren anlocken. Das spricht für eine Fortsetzung der Rally.

Commerzbank-Aktie bleibt relativ schwach

Zu den schwächeren DAX-Werten gehört heute die Commerzbank-Aktie. Das passt zum Trend. Seit rund 6 Monaten bröckelt der Kurs langsam ab. Erreichte die CoBa-Aktie im 2. Halbjahr 2009 fast schon wieder die 10-Euro-Marke, kostet die Aktie jetzt noch gut 6 Euro.
Wie mehrfach hier im Schlussgong geschrieben: Der Anstieg auf 10 Euro war ein Rätsel. Fundamentale Gründe konnte ich dafür nicht entdecken. Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter: Selbst das aktuelle Kursniveau halte ich noch für zu hoch.

Der Staatseinfluss soll reduziert werden

Gestern hat das Commerzbank-Management zum ersten Mal angedeutet, wie eine "Entstaatlichung" ablaufen könnte. Zur Erinnerung: Mitten in der Finanzkrise hat der Staat (die deutschen Steuerzahler) die Commerzbank mit stillen Einlagen in Höhe von 16,4 Mrd. Euro gerettet. Für weitere 1,8 Mrd. Euro erhielt der Staat 25% plus 1 Aktie der Commerzbank.

Die Commerzbank-Manager wollen den Staatseinfluss aber möglichst bald reduzieren. Zum einen möchten sie wieder "ungestört" die Bankgeschäfte erledigen, zum anderen kontrolliert der Staat die Gehälter bei Banken mit Staatseinfluss.
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Verwässerung durch riesige Kapitalerhöhungen

Die Commerzbank-Manager wissen ganz genau, dass die Bank die 16,4 Mrd. Euro nicht auf einen Schlag auftreiben kann. Daher sollen verschiedene Geldquellen angezapft werden.

Ein Großteil des benötigten Kapitals soll von alten und neuen Investoren kommen. Auf der nächsten Hauptversammlung sollen die Aktionäre eine riesige Kapitalerhöhung beschließen. Bis zu 590 Mio. junge Commerzbank-Aktien könnten auf dem aktuellen Kursniveau rund 3,8 Mrd. Euro in die Kasse spülen. Hinzu kommt noch eine Wandelanleihe, die auch rund 1,7 Mrd. Euro frisches Kapital bringen kann.
Insgesamt würde die Commerzbank mit diesen Instrumenten auf dem aktuellen Niveau rund 5,5 Mrd. Euro einsammeln. Aber: Gleichzeitig gibt es dann bis zu 860 Mio. neue Commerzbank-Aktien an der Börse. Die Alt-Aktionäre müssen mit einer extremen Verwässerung rechnen. Ihr Anteil an der Bank schrumpft gewaltig. Das wird natürlich auch beim Aktienkurs Spuren hinterlassen.

Konjunkturerholung ist nicht planbar

Dieser Kraftakt würde rund 1/3 der benötigten Summe einbringen. Die Commerzbank will daher zusätzlich Risiko-Positionen abbauen, damit jetzt noch gebundenes Kapital für die Rückzahlung eingesetzt werden kann.

Planbar ist das allerdings nicht. In diesem Punkt ist die Bank von der Konjunktur abhängig. Erholt sich die Wirtschaft, dann kann die Risikovorsorge gesenkt werden. Bricht die Konjunktur jedoch wieder ein, braucht die Commerzbank das Geld (und noch viel mehr), um die Kredit-Risiken abzudecken.

Zinsen fressen den Gewinn auf

Eine weitere Geldquelle sollen zukünftige Gewinne sein. Die Commerzbank rechnet aber erst ab 2011 mit einem größeren operativen Gewinn. Hinzu kommt: Da die "Spielregeln" für Banken verschärft werden, sinken zukünftig auch die Gewinne. Die Commerzbank wird kämpfen müssen, um den Rekordgewinn von knapp 2 Mrd. Euro zu wiederholen.
Ein zusätzlicher Dämpfer: Sobald die Bank wieder Geld verdient, verlangt der Staat für die stillen Einlagen Zinsen. Und das nicht zu knapp! Immerhin 1,5 Mrd. Euro pro Jahr. Eine harte Nuss, die die Commerzbank knacken muss.

Der Staat will seine Aktien auch noch verkaufen

Es kommt aber noch schlimmer: Auch der Rest-Gewinn nach Zinsen kann nicht einfach in die Schuldentilgung fließen. Irgendwann wollen auch die Aktionäre eine Dividende sehen. Es bleibt also immer weniger für die Schuldentilgung.

Aber gehen wir davon aus, dass die Commerzbank aufgrund der sehr guten Konjunkturentwicklung in 5 Jahren alle Staatsschulden getilgt hat. Dann besitzt der Staat immer noch die direkte Beteiligung, die gut 25% der Commerzbank-Aktien. Der Staat wird dann ein riesiges Aktienpaket verkaufen. Auch das ist kein schöner Gedanke für die privaten Commerzbank-Aktionäre.
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Der "Retter": Eine internationale Großbank

Im Prinzip sehe ich nur eine Lösung, wie die Commerzbank die Staatshilfe relativ schnell zurückzahlen kann und auch die vom Staat gehaltenen Aktien "kursschonend" umgeschichtet werden können: Eine internationale Bank übernimmt die Commerzbank, begleicht die Schulden und kauft dem Staat die Aktien ab.

Wenn eine finanzkräftige Großbank aus dem Ausland (aus China?) unbedingt den deutschen Markt erobern möchte, wäre das eine Option. Wenn dagegen die Commerzbank die Schulden beim Staat aus eigener Kraft zurückzahlt, kann die CoBa-Aktie noch über Jahre eine "lahme Ente" bleiben.


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