Schlussgong: Aktienmarkt im Wartestand – die Musik spielt am Anleihenmarkt

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Der Aktienmarkt konnte sich heute wieder nicht entscheiden. Der DAX hielt sich lange Zeit knapp im Plus und schloss dann doch mit einem kleinen Minus. An der Wall Street ist auch noch nicht viel passiert.

Mehr Bewegung gibt es am Anleihenmarkt. In den USA will die Notenbank Ende März einige Stützungsprogramme beenden. Es wird sehr spannend, wie die Zins-Märkte im April ohne Fed-Unterstützung laufen. Auch in Europa ist der Markt in Bewegung, auch wenn das nicht ganz so offensichtlich ist.

Griechenland sammelt weiter Geld ein

Das Thema Griechenland liefert in diesen Tagen nicht mehr ganz so viele Schlagzeilen. Zu Beginn der Woche hat sich Griechenland am Kapitalmarkt 5 Mrd. Euro geliehen. Die Anleihe läuft über sieben Jahre und bietet einen Zins-Kupon in Höhe von 5,9 Prozent.

Damit sind die aktuellen Konditionen fast identisch mit den Werten der Vorgänger-Anleihe. Das „Rettungs-Programm“, das auf dem EU-Gipfel beschlossen wurde, zeigt keine positive Wirkung. Griechenland muss noch immer rund 6 Prozent Zinsen zahlen (etwa doppelt so viel wie der deutsche Staat).

EU-Rettungs-Plan war schon eingepreist

Die „Nicht-Reaktion“ des Marktes ist aus meiner Sicht keine Überraschung. Auch bei den ersten Anleihen, die Griechenland 2010 am Markt platziert hat, wurde bereits der Faktor „Im Notfall Rettung durch die EU“ eingepreist. Auf dem EU-Gipfel wurde nur das beschlossen, was ohnehin jeder wusste. Der Markt war einfach schneller als die Politik.

Ein kleiner Mini-Erfolg für Griechenland: Optisch sieht der Zins-Kupon in Höhe von 5,9 Prozent nicht mehr ganz so katastrophal aus. Eine 6 vor dem Komma hätte dagegen die Unsicherheit noch stärker betont. Faktisch spielt es aber keine Rolle, ob Griechenland 5,9 oder 6,0 Prozent Zinsen pro Jahr zahlen muss. Die Belastung ist gigantisch. Das Land muss den Gürtel enger schnallen.

Konsumentenstimmung bricht ein

Den Gürtel enger schnallen muss auch die griechische Bevölkerung: Die Renten und Löhne werden sinken, die Steuerbelastung steigen. Die erste Reaktion: Im März ist die Konsumentenstimmung dramatisch eingebrochen und hat historische Tiefstwerte erreicht.

Die nächsten Monate werden die Entscheidung bringen: Wenn das nur eine kurze Schockstarre ist und die griechischen Verbraucher im Mai oder Juni wieder „normal“ konsumieren, entspannt sich die Lage. Verfestigt sich dagegen der Käuferstreik, kann schon langsam der nächste EU-Krisengipfel geplant werden.

Harte Reformen müssen nicht zwangsläufig die Binnenkonjunktur abwürgen. Das hat nicht nur Deutschland nach dem zweiten Weltkrieg gezeigt, auch in Skandinavien gab es in den 80er-Jahren eine harte aber erfolgreiche Fastenkur. Allerdings: Die Bevölkerung muss ein klares Ziel vor Augen haben. Die Politik muss die Reformen richtig „verkaufen“. Bisher hat die griechische Regierung das nicht geschafft.

Das britische AAA-Rating wackelt jetzt auch offiziell

Griechenland ist ein Dauerthema, aber noch größere Brandherde sind bereits in Sicht. So warnt die Ratingagentur Standard&Poor’s die britische Regierung vor dem Verlust der Bestnote AAA (wobei diese Note schon lange ein Witz ist).

Standard & Poor’s will jetzt erst die Wahlen abwarten und dann prüfen, ob die neue britische Regierung die Finanzen in den Griff bekommt. Überzeugt das Programm nicht, droht der Verlust des prestigeträchtigen AAA-Ratings.

Auch für die USA wird es eng

Aber die britische Notlage ist heute gar nicht mein Thema. Viel spannender ist eine kleine Randbemerkung der Ratingagentur. Standard & Poor’s verweist darauf, dass die britische Staatsverschuldung ohne radikale Sparbemühungen bis zum Jahr 2014 auf 100 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) steigen wird.

Damit hat die Ratingagentur eine konkrete Zahl genannt. Erreicht die Staatsverschuldung 100 Prozent des BIP, dann wackelt das an den Kreditmärkten so wichtige AAA-Rating. Wenn Großbritannien auf AA sinkt, können wir damit noch leben. Aber was ist mit den USA?

Eine Herabstufung der US-Schulden würde ein Erdbeben auslösen

Die USA besitzen auch noch die Bestnote AAA, kamen aber bereits 2009 auf eine Schuldenquote von knapp 80 Prozent bezogen auf das BIP. Bis 2014 dürfte der Wert von 100 Prozent locker erreicht werden. Wackelt dann auch das US-Rating? Oder gelten für die USA andere Regeln?

Wenn die Weltwirtschaftsmacht Nr. 1 das AAA-Rating auch offiziell verliert, dann erleben wir am Anleihen-Markt ein Erdbeben. Ich muss ganz offen zugeben, dass ich heute noch nicht sagen kann, wie dramatisch die Schäden ausfallen würden, aber ich weiß ganz genau, dass ich dann keine langlaufenden Staatsanleihen im Depot haben möchte. Die Charts einiger Staatsanleihen werden dann aussehen wie der DAX-Chart am Aktienmarkt 2007 bis 2009.

Substanzwerte besser als Zahlungsversprechen

Ich bleibe daher bei meiner Einschätzung: Wenn ich auf Sicht von 10 Jahren zwischen US-Staatsanleihen (AAA-Rating) und Aktien des US-Pharmakonzerns Johnson&Johnson (ebenfalls AAA-Rating) wählen müsste, würde ich mich trotz der Aktien-Risiken ganz klar für den Substanzwert entscheiden. Lieber langfristig Mitbesitzer eines gesunden Unternehmens als Besitzer eines auf Papier gedruckten Zahlungsversprechens des Staates.


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  1. Tweets die Schlussgong: Aktienmarkt im Wartestand – die Musik spielt am Anleihenmarkt | Die Börsenblogger erwähnt -- Topsy.com

    […] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von Die Börsenblogger erwähnt. Die Börsenblogger sagte: Schlussgong: Aktienmarkt im Wartestand – die Musik spielt am Anleihenmarkt http://is.gd/b7O0R […]

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