Oldtimer: Sachwert auf vier Rädern

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Bildquelle: dieboersenblogger.de

Viele Jahrzehnte galten Oldtimer als skurriles Hobby für Autonarren. Doch spätestens mit der Finanzkrise 2008 wurden alte Autos auch als Sachwert (wieder)entdeckt. Dabei ging es natürlich vor allem um Werterhalt in schwierigen Anlagezeiten, aber auch die Renditen waren und sind verlockend.

Es muss dabei nicht immer ein Mercedes-Flügeltürer 300 SL oder ein Porsche 911 Targa aus den 1970er-Jahren sein. Auch ein historischer VW Käfer oder ein italienischer Sportwagen von Alfa Romeo kann ein wahrer Schatz für Autofans sein. Bei der Rendite lohnt sogar ein Vergleich mit dem DAX. Der 1999 aufgelegte Deutsche Oldtimer Index weist bis 2015 immerhin 5,6 Prozent Preissteigerung pro Jahr aus und damit fast doppelt so viel, wie der deutsche Leitindex im selben Zeitraum.

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Die Frage: „Wann ist ein Fahrzeug ein Oldtimer?“ beschäftigt nicht nur Historiker und Mechaniker. Auch Steuerbeamte und Versicherungsmathematiker beschäftigen sich (zwangsläufig) inzwischen mit der Materie. In Österreich gilt ein erhaltungswürdiges, nicht zur ständigen Verwendung bestimmtes Kraftfahrzeug, als „Historisches Kraftfahrzeug“, wenn es entweder Baujahr 1955 oder älter ist oder zumindest älter als 30 Jahre ist und in die vom Bundesminister für Verkehr, Innovation und Technologie approbierte Liste der historischen Kraftfahrzeuge eingetragen ist.

In Deutschland werden Oldtimer offiziell ähnlich kategorisiert. Das begehrte „H-Kennzeichen“ erhalten Fahrzeuge, die mindestens 30 Jahre alt sind. Daneben muss das Erscheinungsbild des Fahrzeugs seit der Auslieferung weitgehend unverändert sein und insgesamt einen guten Pflege- und Erhaltungszustand vorweisen. Kein Wunder, schließlich will man staatlicherseits das “kraftfahrzeugtechnische Kulturgut in der Bundesrepublik” erhalten.

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Doch abseits dieser offiziellen Bezeichnung gibt es unzählige Oldtimer mehr. Während es in Deutschland über 300.000 Fahrzeuge mit H-Kennzeichen gibt, wird die Zahl an Oldtimern insgesamt auf das zehnfache geschätzt. Der Grund ist einfach: Viele Oldtimer sind nicht mehr offiziell zugelassen und werden nur noch per Anhänger oder auf Privatgelände bewegt. Ebenfalls nicht vergessen werden darf, dass Fahrzeuge mit H-Kennzeichen baulich unverändert sein müssen. Im Lauf der Zeit wurden jedoch viele Fahrzeuge umgebaut, so dass die Voraussetzungen, um als offizieller Oldtimer zugelassen zu werden, nicht mehr vorhanden sind.

Anleger, die einen Teil ihres Vermögens in Oldtimer anlegen wollen, stehen vor der Frage.: Will ich meinen „Schatz“ auch im Alltag bewegen oder nur auf die Wertsteigerung setzen.

Letztere Anlegergruppe hat es verhältnismäßig leicht: Ist das Wunschmobil gefunden, reicht eine geräumige Garage und gegebenenfalls ein Transportanhänger um den Oldtimer einem geneigten Publikum zu präsentieren.

Soll das Fahrzeug dagegen auch regelmäßig bewegt werden, muss der technische Zustand des Oldtimers stets einwandfrei sein. Regelmäßige Werkstattbesuche sind eine teils teure Pflicht. Aber es lohnt sich: je nach Modell ist ein Oldtimer ein aufsehenerregender Alltagsbegleiter. Interessant ist übrigens das deutsche H-Kennzeichen auch für Bewohner von Innenstädten: Mit H-Kennzeichen hat man zu Umweltzonen stets freie Zufahrt!

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Ein Blick noch auf die Wertsteigerung der einzelnen Automodelle. Denn wer denkt, dass die höchste Rendite nur im Bereich von Oberklassemodellen von Mercedes oder Porsche eingefahren werden kann, liegt falsch. Im Deutschen Oldtimer Index hatte in diesem Jahr erstmals ein Japaner Platz eins in der Rangliste der Fahrzeuge mit der höchsten Wertsteigerung gegenüber dem Vorjahr inne: Der Toyota Celica Coupé der Baujahre 1972-1978 steht mit Abstand ganz vorne im Fahrzeugvergleich. Dahinter folgt ein Amerikaner: Der Pontiac Firebird der Baujahre 1978 und 1979. Den dritten Rang belegt der Porsche 356 C-Modell mit 75 PS, der 1964 und 1965 gebaut wurde. Für Neuanleger ist vielleicht ein Aufsteiger im Ranking interessant. Auf Platz neun befindet sich der Mazda MX-5 Cabriolet der ersten Generation (1989-1994). Bei diesem Fahrzeug handelt es sich zwar erst um einen Youngtimer. Aber für langfristig orientierte Anleger ist so etwas besonders interessant, denn Youngtimer repräsentieren im Index die Oldtimer der Zukunft.

In der Ewigkeitsliste, also in der Rangliste der Fahrzeuge mit dem stärksten Wertzuwachs seit Beginn der Index-Berechnung, führt der eingangs erwähnte Mercedes-Benz 300 SL Flügeltürer. Auf Platz zwei folgt eine weitere Ikone der Automobilgeschichte, nämlich der VW Bus T2, liebevoll „Bulli“ genannt. Den dritten Platz hat ein weiterer Publikumsliebling, nämlich der als „Ente“ bekannte Citroen 2CV 6, inne. Beide Fahrzeuge haben ihre hohen Wertzuwächse in den vergangenen 15 Jahren auch einem relativ geringen Ausgangsniveau zu verdanken. Auf Platz vier folgt ein weiteres Modell aus dem Segment der Alltagsfahrzeuge der 1970er Jahre: der Ford Escort 1100 S (Baujahre 1968-1970). Die fünfbeste Wertperformance seit 1999 weist wiederum der als „Hausfrauenporsche“ verschmähte Porsche 924 Coupé (Baujahre 1976-1979) auf.

Dieser Beitrag ist ein Stück aus EINBLICKE – dem neuen Magazin von dieboersenblogger.de. Unter markteinblicke.de finden Sie das gesamte Magazin. Dort können Sie in der Ausgabe blättern oder Sie laden es sich als PDF herunter. Künftig wird EINBLICKE einmal im Quartal erscheinen.

Bildquellen: dieboersenblogger.de / Volkswagen / Daimler


4 KOMMENTARE

  1. Danke für den interessanten Artikel! Beschäftige mich seid kurzem auch mit diesem Thema immer mehr. Kleiner Tipp von mir zur Ergänzung: Auf oldtimertrend.com bekommt man kostenlos den Wert von Oldtimern zur Verfügung gestellt und sieht darüber hinaus auch die Wertentwicklung des jeweiligen Fahrzeugs.

  2. Spektakuläre Wertsteigerungen für Liebhaberfahrzeuge finden nur in bestimmten Teilbereichen des Marktes statt. Hierzu bedarf es spezieller Markt- und Sachkenntnis. Außerdem fallen stets Kosten an für Garage, Versicherung, Wartung und ggf. Reparatur. Im Markt für sehr alte Automobile sinken die Preise eher wieder durch ein größeres Angebot von verstorbenen Sammlern, mangelnde Alltagstauglichkeit sowie Bekannt- und Beliebtheit unter der heute finanzkräftigen Sammlergeneration der 40 bis 70 Jährigen.

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