Was für eine Achterbahnfahrt am Aktienmarkt! Der DAX eröffnete heute erwartungsgemäß nach den positiven Vorgaben der US-Börsen sehr freundlich. Doch am späten Vormittag fiel der deutsche Aktien-Index innerhalb weniger Minuten wie ein Stein von 6.040 auf 5.960 Punkte.

Der Auslöser: Die amerikanische Rating-Agentur Fitch hat die Note für Staatsanleihen aus Portugal von „AA“ auf „AA-“ gesenkt und zusätzlich den negativen Ausblick betont. Es droht also schon bald die nächste Herabstufung. Am Nachmittag beruhigte sich der Markt jedoch schon wieder. Der DAX schloss sogar im Plus. Das ist auch verständlich, da sich die mittel- und langfristigen Perspektiven für Aktien heute sogar verbessert haben.

Ein neuer Krisenherd

Ab sofort gibt es mit Portugal auch „offiziell“ einen neuen Brandherd in der EU. Am Donnerstag wird sich der EU-Gipfel zunächst um das „Griechenland-Problem“ kümmern. Die Ereignisse von heute können dazu führen, dass die Hilfe unerwartet großzügig ausfällt, damit das Kapitel geschlossen werden kann. Aus dieser Perspektive ist es schon sehr bemerkenswert, dass eine Rating-Agentur genau am Vortag des EU-Gipfels einen EU-Staat herabstuft.

Am Devisenmarkt gab es direkt die erwartete Reaktion. Der Euro verlor gegenüber fast allen anderen Währungen an Wert. So müssen Investoren für 1 Euro nur noch 1,33 Dollar zahlen. Vor wenigen Monaten lag der Wert noch bei über 1,50 Dollar je Euro.

Aktien kurzfristig unter Druck, mittelfristig attraktiv

Aber nicht nur der Euro, auch die Aktien aus der Euro-Zone gerieten – wie oben beschrieben – sofort in den Abwärtssog. Ich bekräftige hier meine Einschätzung: Die Schulden-Krise der EU-Staat setzt den Aktienmarkt kurzfristig unter Druck, ist mittel- und langfristig jedoch ein Kurstreiber am Aktienmarkt.

Kommen wir zunächst zu den mittelfristigen Perspektiven. Die Euro-Schwäche bedeutet: Die Unternehmen aus dem Euro-Raum können plötzlich günstiger exportieren. So können die Öl-Staaten, die hohe Dollar-Einnahmen haben, mehr Waren und Dienstleistungen für Ihre Dollar in Europa kaufen.

Daher glaube ich auch nicht, wie heute einige Analysten durch die Blume angedeutet haben, dass die US-Regierung ein Interesse an möglichst vielen Herabstufungen in Europa hat (die drei großen Rating-Agenturen kommen aus den USA). Ganz im Gegenteil: Die US-Regierung wünscht sich einen schwachen Dollar, damit die Export-Chancen der US-Unternehmen steigen. Ein sehr schwacher Euro passt daher nicht in das Konzept der US-Regierung. Die „Verschwörungs-Theorien“ ergeben daher keinen Sinn.

Anlageklasse Aktien gewinnt an Bedeutung

Die Serie von Rating-Abstufungen für Staatsanleihen wird auch langfristig die Anlageklasse Aktien stärken. Zur Zeit erzählen Versicherungen und Pensionsfonds noch das Märchen von den ach so sicheren Staatsanleihen und packen teilweise bis zu 100 Prozent des Vermögens in diese Zins-Papiere. Aktien seien dagegen zu unsicher.

Mit jeder Herabstufung und mit jedem Kursabsturz einer Staatsanleihe gerät diese Argumentation stärker unter Druck. Griechenland und Portugal sind keine Ausnahmen. Wir werden im Wochentakt Herabstufungen erleben.

Wenn die Scheinwelt der „sicheren“ Staatsanleihen zusammenbricht, wird das zu einer Umschichtung führen. Davon werden auch die Aktienmärkte profitieren. Dabei geht es nicht darum, dass Versicherungen plötzlich nur noch auf Aktien setzen sollen. Wenn aber die Versicherungen auch nur 20 Prozent des Vermögens in Aktien investieren, würde das speziell die soliden Substanzwerte stützen, die relativ stabile und berechenbare Geschäftsmodelle besitzen (Nahrungsmittel, Versorger, Pharma usw.).

Gold und Silber als Gegengewicht zu schwachen Papierwährungen

Die abwechselnde Schwäche von Euro und Dollar zeigt ebenfalls: Das Vertrauen in Papierwährungen schwindet. Es verbietet sich in diesen Tagen, von einer Dollar-Stärke zu sprechen. Die US-Währung ist aktuell nur nicht ganz so schwach wie die europäische Gemeinschaftswährung.

Da die Edelmetallpreise – in Dollar berechnet – heute ebenfalls gefallen sind, können sich schon bald wieder interessante Kauf-Gelegenheiten ergeben. Gold im Bereich von 1.000 bis 1.050 Dollar und Silber bei rund 16 Dollar je Unze wären eine Überlegung wert. Wer noch keine Edelmetall-Reserven hat, kann dann einen Teil der Papierwährungen in Edelmetalle umtauschen. Angesichts der wachsenden Schuldenproblematik, die nur durch Inflation „gelöst“ werden kann, ein guter Deal.


HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here