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Im Fokus: Kabel Deutschland debütiert erfolgreich an der Börse – wie gehts weiter?

Es ist vollbracht, Kabel Deutschland hat das IPO-Jahr 2010 erfolgreich eingeläutet. Mit dem Börsengang des größten deutschen Kabelnetzbetreibers bekommt der Telekom-Sektor ein neues Mitglied. Nachdem am Freitag alle angebotenen Aktien (inkl. Greenshoe) zum Preis von 22 Euro platziert wurden, konnte heute nun die Erstnotiz erfolgen. Bei einem ersten Kurs von 22,50 Euro konnte sogar ein kleiner Zeichnungsgewinn erzielt werden – angesichts des schwachen Börsenumfelds durchaus bemerkenswert. Daher liegt die Frage auf der Hand: Wie gehts weiter?

Heißt „nicht zeichnen“ auch „nicht kaufen“?

Nachdem der Börsengang ja aus Privatanlegersicht eher mit Vorsicht zu genießen war – im Vorfeld konnte man mehrheitlich „nicht zeichnen“-Ratschläge lesen – hat man nun die Gelegenheit, sich in aller Ruhe mit dem Titel zu beschäftigen. Generell sind Unternehmen mit stabilen Cash-flows in unruhigen Börsenzeiten immer zu bevorzugen. Allerdings sollte man sich im speziellen Fall die hohe Verschuldung sehr genau ansehen. Zudem steht hier noch eine so genannte Pay-in-Kind-Finanzierung (PIK) in Höhe von fast 700 Mio. Euro im Raum. Zwar soll diese vorzeitig refinanziert werden, dennoch sind die Belastungen enorm. Nigecus hat sich ausführlich mit dieser Problematik auseinandergesetzt: Kabel Deutschland Börsengang (Warnung, die piken). Aufgrund des vorherigen Mehrheits-Eigentümers Providence hat man sich bei Kabel Deutschland mit reichtlich skurilen und undurchsichtigen Finanzierungsinstrumenten beschäftigt, was für die neuen Eigentümer nicht von Vorteil sein muss. Daher sollte man vor Neuengagements abwarten, bis hier Klarheit in der künftigen Finanzierung herrscht.

Ist Kabel Deutschland reif für den MDAX?

Mit einem Gesamtvolumen von ca. 760 Mio. Euro (einschließlich Mehrzuteilung) ist Kabel Deutschland der größte IPO in Deutschland seit über zwei Jahren und damit auch mittelfristig ein Kandidat für den MidCap-Index MDAX. Allein schon aus der Indexaufnahme kann man etwas Kursphantasie ableiten. Aber bis dahin wird noch einige Zeit vergehen. Zunächst wird es für die beteiligten Banken darum gehen, etwas Kurspflege zu tätigen. Nur mit stabilen Kursen über dem Emissionspreis werden die institutionellen Anleger bis zu einer MDAX-Aufnahme bei der Stange gehalten werden können. Zudem entscheidet der Aktienkurs auch via Marktkapitalisierung über die Indexaufnahmen. Sollte der Kurs deutlich nachgeben, wäre nämlich nur noch der SDAX drin. Auch hier heißt es: abwarten, wie sich der Kurs entwickelt.

Wird Kabel Deutschland zum Dividendentitel?

Generell sind Unternehmen mit einem hohen Cash-flow als Dividendentitel prädestiniert. Das gilt daher prinzipiell auch für Kabel Deuschland. Allerdings bleiben aufgrund der oben genannten Schuldenproblematik derzeit nur wenige Euro für die Aktionäre übrig. Allerdings wird die, laut Kabel Deuschland-Chef Adrian von Hammerstein, „gute Anlegerstruktur“ sicher nicht immer ohne Dividende auskommen (wollen). In n-tv erklärte der Konzernchef im Interview zur Erstnotiz allerdings unmißverständlich, dass es eine Dividende nicht in den ersten zwei Jahren geben wird. Von daher sollte man als Privatanleger abwarten, bis hier Klarheit herrscht, ob und wann es eine Dividende gibt. Ist man an Kabelnetzbetreibern interessiert, sollte man sich hier vielleicht besser auf den belgischen Wettbewerber Telenet fokussieren – eine Dividende ist hier rascher zu haben und dazu deutlich wahrscheinlicher.

FAZIT

Weder eine mögliche Dividende noch die Kursphantasie durch eine MDAX-Aufnahme sprechen derzeit für einen Einstieg. Erst wenn die Schuldenproblematik gelöst ist, wird die Aktie fundamental interessant. Denn erst dann hat Kabel Deutschland das Geld um das weitere Wachstum zu beschleunigen und auch Geld in Form von Dividenden auszuschütten. Der Aktienkurs wird sich daher in nächster Zeit kaum bewegen – das werden erst neue Nachrichten ändern. Von einer erfolgreichen Kurspflege seitens der beteiligten Banken sollte man sich daher nicht beirren lassen. Aktuell pendelt der Kurs zwischen dem Emissionspreis und dem ersten Kurs von 22,50 Euro.


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