Schlussgong: Stada – der letzte Joker im deutschen Generika-Markt

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Bis zum späten Nachmittag dominierte der große Verfallstag an den Terminbörsen („Hexensabbat“) das Geschehen an der Börse. Der DAX zuckte zwischen 6.010 und 6.040 Punkten hin und her.

Doch dann wurde plötzlich wieder die „Griechenland-Karte“ ausgespielt und der DAX sackte unter die Marke von 6.000 Punkten. Ob es echte Gründe für eine Verschärfung der Krise gibt, oder ob nur ein paar Zocker den Aktienmarkt mit gezielten Gerüchten nach unten getrieben haben, ist schwer zu beurteilen. Ich bleibe aber bei meiner Einschätzung: Die EU wird Griechenland auf jeden Fall stützen.

Nur noch ein Generika-Hersteller auf der Kauf-Liste

Zu den Werten, die sich heute am deutschen Aktienmarkt sehr stabil präsentieren, gehört die Stada-Aktie. Stada hat keine neuen Nachrichten veröffentlicht, steht aber dennoch im Zentrum einer spannenden Diskussion.

Hintergrund: Nach dem Verkauf des Konkurrenten Ratiopharm ist jetzt Stada der letzte große deutsche Generika-Hersteller, der noch nicht zu einem Großkonzern gehört. Da die kostengünstigen Nachahmermedikamente (=Generika) zu den großen Gewinnern der Gesundheitsreformen gehören, gilt dieses Pharma-Segment als sehr lukrativ. Und Deutschland ist der entscheidende Schlüsselmarkt in Europa.

Da Hexal von Novartis und Ratiopharm von Teva aufgekauft wurden, bleibt nur noch Stada als „Joker“ im deutschen Generika-Markt. Aber auch dieser „Joker“ dürfte bald aus dem Übernahme-Spiel genommen werden. Entscheidend ist aber die Frage, welcher Preis gezahlt wird.

Merckle ist der glückliche Gewinne im Übernahme-Poker

Werfen wir daher einen Blick auf die Ratiopharm-Übernahme durch den Generika-Weltmarktführer Teva aus Israel. Teva zahlt 3,625 Mrd. Euro an die Altbesitzer. Mit diesem Preis konnte Teva die Konkurrenten Pfizer und Actavis deutlich abhängen.

Großer Gewinner im Wettbieten ist die hoch verschuldete Merckle-Gruppe, die schlagartig fast alle Finanzprobleme lösen kann. Da die Erwartungen nur bei rund 3 Mrd. Euro lagen, sind jetzt wahrscheinlich keine weiteren Notverkäufe mehr notwendig. Die Familie Merckle wird damit weiterhin ein gewichtiges Wort in der deutschen Wirtschaft mitreden.

Trotz der bekannten Notsituation des Verkäufers hat Teva mit 3,625 Mrd. Euro einen „strategischen“ Aufpreis gezahlt. Das ist fast das 12-fache des Ergebnisses vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA).

Großer Bewertungsunterschied zwischen Ratiopharm und Stada

An dieser Stelle kommt Stada wieder ins Spiel. Ratiopharm und Stada spielen von der Größenordnung her in der gleichen Liga. Ratiopharm hat 2009 ein EBITDA von 307 Mio. Euro erzielt, Stada kam auf 280 Mio. Euro.

Nicht in der gleichen Größenordnung liegt aber der Unternehmenswert: Während Ratiopharm für 3,625 Mrd. Euro den Besitzer wechselt, kostet Stada an der Börse aktuell „nur“ 1,7 Mrd. Euro.

Natürlich müssen noch die Schulden von Stada mit einkalkuliert werden, aber gemessen am Ratiopharm-Deal ist die Stada-Aktie mindestens 50% unterbewertet.

Verlierer Pfizer muss fast bieten

Die Frage ist jetzt: Kommt es zu einer Übernahme? Da es 3 offizielle Gebote für Ratiopharm gab, sind 2 Bieter leer ausgegangen. Besonders für Pfizer war das eine bittere Niederlage, da der weltweit größte Pharma-Konzern dringend ein Standbein in Europa sucht.

Entscheidend wird daher sein, ob auch Actavis (oder neue Kandidaten aus der Pharma-Branche) in den Kampf um Stada mit einsteigen. Wenn es zu einem Wettbieten kommt, dürfte das Bewertungsniveau wieder ähnlich hoch sein wie bei Ratiopharm. Denn: Wenn Stada vom Markt ist, gibt es keine weitere Eintrittskarte für den deutschen Markt.

Kursziel von bis zu 50 Euro gerechtfertigt

Für die Stada-Aktie gibt es daher aktuell zwei „faire“ Kurse: Ohne Übernahme-Phantasie ist die Aktie auf dem aktuellen Niveau von 30 Euro und einem KGV von 15 angemessen bewertet.

Sollte es zu einem Übernahmekampf kommen, liegt das Kursziel auf Basis des Ratiopharm-Deals bei rund 50 Euro. Das war auch der Spitzenpreis, der für die Stada-Aktie vor einigen Jahren schon bezahlt wurde, als es in der Generika-Branche mehrere spektakuläre Übernahmen gab.


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