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DAX-Chartanalyse: Die Woche der Notenbanken

Es war ein kurzer „Herbstspaziergang“ mit Sonnenschein für den DAX. Denn das Kursbarometer unserer großen Unternehmen im Land konnte sich nicht nachhaltig mit neuen Jahreshochs anfreunden. Doch zumindest zwei Ausbruchsversuche gab es, die ich hier näher darstellen und nach aktueller Analyse des Chartbildes mit einem Ausblick für die kommende Handelswoche verknüpfen möchte.

ch_am0_20161031In der Vorwoche lautete meine Analyse „Goldener Herbst auch an der Börse?“ (nachzulesen hier ->)

Darin zeigte ich vor allem die Brisanz einer Widerstandszone auf, die nur wenige Punkte unter dem bis dato feststehendem Jahreshoch bei 10.800 Punkten lag. Das Chartbild stellte sich wie folgt dar (Rückblick):

ch_am1_20161031Was geschah in der vergangenen Woche?

Gleich zum Wochenstart wurde der Schwung auch entsprechend ausgenutzt und diese Zone durchlaufen. Am Top der Zone wartete dann das Jahreshoch als Ziel und konnte bereits am Montag nachjustiert werden. Sprich: Der DAX markierte ein NEUES Jahreshoch. Da knallten die Korken und entsprechende Meldungen aus der Wirtschaft, wie bspw. die Übernahme des Jahres, wurden als Gründe zitiert. Anbei ein Verweis zur Presseschau (klick ->).

Mit einer unentschlossenen Wall Street im Rücken reichte dieser Schwung dann allerdings nicht aus, um Kurse über 10.800 Punkten auf Tagesbasis zu manifestieren. Ein neuer Anlauf am Dienstag konnte noch einmal mit Kraft zeigen, wie positiv die Stimmung in Deutschland zumindest war. Nicht nur der ifo-Geschäftsklimaindex spiegelte dies wider, sondern auch kurzzeitig der DAX mit einem erneuten Jahreshoch bei 10.827 Punkten. Doch das war es dann auch von Seiten der Bullen. Schon zum XETRA-Ende notierte der DAX erneut tiefer und auf Vortages-Schluss-Niveau. Über dieses Level schaffte es der Deutsche Aktienindex am Mittwoch schon gar nicht mehr und tendierte somit für den Rest der Handelswoche unter der eingangs gezeigten gelben Zone. Ein wenig Panik lag dann am Donnerstag in der Luft, als wir auf eine potenzielle Unterstützung zusteuerten. Diese vermerkte ich am Mittwoch mit folgendem Chart:

ch_am2_20161031Für mich war das kurzfristige Korrekturziel damit erreicht. Hierzu gab es in der Vorwoche das entsprechend bärische Szenario, noch einmal als Rückblicks-Bild zur Erinnerung:

ch_am3_20161031Es griff dann etwas unerwartet gleich am Freitagmorgen und reichte sehr genau hinab bis zum EZB-Spike am 20.10.2016, also bis knapp unter 10.600 Punkte. Ab da drehte der Markt erneut und arbeitete sich nach oben. Der Trigger und somit die Unterstützung war für wenige Stunden Widerstand und letztlich dann auch der Schlusskurs der Handelswoche. Somit wird uns diese Marke vermutlich auch in der kommenden Handelswoche weiter beschäftigen, doch starten wir die aktuelle Analyse mit dem großen Chartbild.

Das große Bild im DAX

Zu Beginn und weil ein Monatswechsel ansteht, ein Blick auf das große Chartbild, beginnend ab dem Jahr 2015. Hier sind wir noch immer deutlich über dem Abwärtstrend, welcher vom Allzeithoch beginnend viele Monate über dem Markt schwebte.

ch_am4_20161031Kein Grund also, trotz des herbstlichen Wetters komplett zum Bären zu mutieren. Im kleineren Zeitausschnitt bezugnehmend zum Chartbild der Vorwoche, trage ich nun erneut die gezeigte Konsolidierungszone ab. Und dabei werden die Versuche, sie zu verlassen, noch einmal optisch hervorgehoben.

ch_am5_20161031Alle drei Versuche lagen zwar nicht auf dem gleichen Kurslevel, sind in der Art jedoch vergleichbar. Genaugenommen sind es vier, wenn man in dieser Woche Montag und Dienstag getrennt hervorheben mag. Das ändert aber nichts an der Kernaussage, dass der Schwung für ein nachhaltiges Überwinden dieser Zone NOCH nicht ausreichte.

Ableitungen für den November-Start im DAX

In Folge dessen wurde diese Zone erneut komplett durchwandert und dann nach unten verlassen. Und sogar der als Unterstützung angenommene Bereich um 10.66x wurde am Freitag unterschritten. Damit hatte ich nicht gerechnet, doch muss man als Trader die Märkte zwangsläufig akzeptieren wie sie sich bewegen. Im Chartbild kam es somit auf der Unterseite zu mehreren Dips im Bereich 10.580-10.600 Punkten. Daraus leite ich eine kleine Unterstützung ab, die grün abgetragen wird. Sie bildet gleich das bärische Szenario, denn ein Unterschreiten kann laut Chartbild einen schnellen Rutsch bis 10.500 Punkte nach sich ziehen:

ch_am6_20161031Doch ganz so grau bzw. rot muss es nicht werden. Immerhin wird am Sonntag wohl doch CETA unterschrieben, ein paar Hoffnungsschimmer gab es in den Unternehmensbilanzen nach den Quartalszahlen von Tesla und Google, zudem wies auch die Deutsche Bank einen unerwartet hohen Gewinn aus. Wird also alles gut und die dunklen Wolken lösen sich auf?

Für die Bullen sollte eine Etablierung über 10.700 Punkten (was Freitag trotz Anstrengungen nicht gelang) der Ausgangspunkt für ein erneutes Durchlaufen der gelben Zone sein. Über 10.700 Punkten startet somit mein bullisches Szenario. Denn dann hat der DAX womöglich auch genug Kraft gesammelt, um das „Damoklesschwert“ 10.800 nachhaltig zu überwinden. Im Wochenergebnis bewegten wir uns nämlich rund 0,5 Prozent nach unten, während der Dow Jones immerhin einen kleinen Wochengewinn von 0,1 Prozent verbuchen konnte. So eine Konsolidierungsphase am Jahreshoch ist daher nicht ungewöhnlich und sicherlich auch gesund, wenn man von einer weiteren Aufwärtsbewegung ausgeht.

ch_am7_20161031Diese Szenarien wurden rein aus charttechnischen Aspekten heraus erstellt, denn was an politischen Einflüssen so kurz vor der US-Präsidentschaftswahl noch an Impulsen geschieht, vermögen wir alle nicht genau abzuschätzen.

Weiterhin stehen in der kommenden Woche erneut die Notenbanken im Fokus. Mit der Bank of Japan, der Bank of England und der FED als US-Notenbank kommen drei gewichtige Player zusammen und können daher für Volatilität sorgen.

Bleiben Sie daher am Ball bzw. am Chart, beachten Sie Ihr Risikomanagement und diskutieren Sie mit anderen Tradern.

Viel Erfolg vorab,
Andreas Mueller

andreasmuellerEin Beitrag von Andreas Mueller

Andreas Mueller ist unter dem Pseudonym „Bernecker1977“ als Trader, Referent und Coach seit 2001 aktiv. Er handelt seit rund 20 Jahren Indizes, Devisen und Rohstoffe an der Börse mit Futures, Derivaten und CFDs. Dabei basiert sein Trading auf Sentimentdaten und Charttechnik. Als studierter Diplom-Kaufmann streut Andreas Mueller seine Erfahrungen u.a. auf wallstreet-online seit dem Jahr 2005 in den „Tages-Trading-Chancen“ ein und ist dort Ansprechpartner für alle börsenrelevanten Fragen. Auf dieboersenblogger.de analysiert er den DAX mit Hilfe der Charttechnik. Weitere Informationen erhalten Sie in seinem Facebook-Kanal und auf seinem Blog www.bernecker1977.de

Bildquelle: Andreas Mueller / dieboersenblogger.de


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