Schlussgong: Neuer Squeeze-out – Klöckner-Werke verschwinden von der Börse

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Wie bereits im Schlussgong am Freitag geschrieben: Die Bullen sind in diesen Tagen mal wieder daran gescheitert, die DAX-Hürde von 6.000 Punkten zu überwinden. Freitag fehlten in der Spitze nicht einmal 10 Punkte, heute ist der DAX auf gut 5.900 Punkte zurückgefallen.

Die Börsenwoche wird aber spannend bleiben. Am Freitag ist „Hexensabbat“, der große Verfallstag an den Terminmärkten. Oft gibt es dann überraschende Kursentwicklungen. Vielleicht treiben die Hexen den DAX über die 6.000-Punkte-Marke.

Salzgitter übernimmt die Klöckner-Werke vollständig

Neue Nachrichten hat der DAX-Konzern Salzgitter veröffentlicht. Der Stahlkonzern will seinen Anteil am Maschinenbauer Klöckner-Werke (nicht zu verwechseln mit dem ebenfalls börsennotierten Stahlhändler Klöckner) von gut 95 auf 100% aufstocken und die vollständige Kontrolle übernehmen.

Das passende „Folterinstrument“, um die die freien Aktionäre aus dem Unternehmen zu drängen, habe ich Ihnen bereits in der vergangenen Woche vorgestellt: Das Squeeze-out-Verfahren. Besitzt ein Großaktionär mindestens 95% der Aktien, kann er auch die restlichen Anteile einkassieren und zahlt dafür im Gegenzug eine Zwangsabfindung.

Die Aktionäre der Klöckner-Werke machen in diesen Tagen nicht das ganz große Geschäft. Die Aktie notiert bei rund 15 Euro, Salzgitter zahlt den Aktionären aber nur 14,33 Euro je Aktie.

Die Pokerpartie um den „fairen“ Preis hat erst begonnen

Aber wie in der vergangenen Woche geschrieben: Das ist erst die erste Runde in der Pokerpartie. Es wird mit Sicherheit Klagen gegen den Übernahmepreis geben. Dann kann sich Salzgitter überlegen, ob eine freiwillige Aufstockung erfolgt, oder ob der Preis von unabhängigen Prüfern festgelegt wird. Das kann dann aber Jahre dauern.

Bei einem Squeeze-out-Verfahren kommt es also auch immer darauf an, ob der Großaktionär möglichst günstig die Kontrolle erlangen will und dafür im Gegenzug ein mehrjähriges Verfahren riskiert, das Kräfte im Management bindet, oder ob ein großzügiges Angebot erfolgt, um das Kapitel schnell abzuschließen und um teure Überraschungen bei der Überprüfung der Zwangsabfindung zu vermeiden.

Die Aktionäre der Klöckner-Werke sollen mit einem Preis unter dem aktuellen Kurs abgefunden werden. Das deutet auf einen längeren Kampf hin. Wer aber seit mehreren Jahren Klöckner-Aktionär ist, dürfte dennoch recht dankbar über den Einstieg von Salzgitter sein.

Übernahme verhindert Absturz des Aktien-Kurses

Als Salzgitter im Frühjahr 2007 knapp 80% der Klöckner-Aktien kaufte, sprang der Kurs von 11 auf 15 Euro. Ab Mitte 2007 setzte dann der Aktien-Crash ein. Während andere Maschinenbau-Aktien um 50 oder sogar 90% einbrachen, pendelte die Aktie der Klöckner-Werke relativ konstant um die Marke von 15 Euro. Die Aktie „verpasste“ den gesamten Crash.

Heute wissen wir auch warum: Der Großaktionär Salzgitter hat in den vergangenen Jahren den Anteil langsam von 78 auf 95% aufgestockt. Da die Aktien ständig aufgesammelt wurden, konnte auch kein Verkaufsdruck entstehen.

Börsengeschichte vorbei, Preisverhandlungen noch lange nicht

Ohne diese Aufstockung wäre auch diese Maschinenbau-Aktie abgestürzt. Die Verlustjahre in der schweren Branchenkrise hätten Spuren hinterlassen. Das wird die restlichen freien Klöckner-Aktionäre jedoch kaum interessieren. Sie werden darauf verweisen, dass die Substanz des Unternehmens viel mehr wert ist als die jetzt gebotenen 14,33 Euro je Aktie.

Das heißt: Die Aktie der Klöckner-Werke AG wird schon bald vom Kurszettel der Börse verschwinden. Der Kampf um den „fairen“ Wert wird aber noch einige Jahre die Gerichte beschäftigen. Es sei denn, Salzgitter macht freiwillig die Kasse auf und zahlt etwas mehr „Trennungsgeld“.


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