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Blue Cap und der große Wurf – steht eine Neubewertung an?

Die Beteiligungsgesellschaft Blue Cap (WKN: A0JM2M / ISIN: DE000A0JM2M1) investiert überwiegend in süddeutsche mittelständische Nischenunternehmen und konzentriert sich dabei auf operativ tätige technologiegetriebene Gesellschaften mit bestehendem profitablem Kerngeschäft, die sich in Umbruch- oder Sondersituationen befinden. Im Klartext investiert man in sanierungsbedürftige oder insolvente Unternehmen, Konzernausgliederungen und in Gesellschaften mit ungelöster Unternehmensnachfolge. Branchenschwerpunkt setzt Blue Cap dabei in den Bereichen Produktionstechnik, Klebstoff und Medizintechnik.

Die Tochterunternehmen werden eigenständig und unternehmerisch geführt und das Portfolio enthält die INHECO Industrial Heating and Cooling GmbH (Laborzulieferer), WISAP Medical Technology (Medizintechnik), Planatol Wetzel / Planatol System (Klebstoffe), Biolink (Klebstoffe), Gämmerler (Maschinenbau), SMB David (Maschinenbau), em-tec (Medizintechnik) und Nokra (Spezialmaschinenbau).

Dabei wurden die beiden letztgenannten Zukäufe em-tec und Nokra aus Sondersituationen heraus gekauft und bieten einiges an Potenzial, wenn die sich abzeichnende Umstrukturierung nachhaltig Erfolge zeigen sollte. Insbesondere bei em-tec dürften sich die beiden Kooperationen mit Satorius Stedim, die auf die Vermarktung der em-Tec Produkte im Bereich des Biotech-Sektors abzielen und mit Medistim positiv auswirken. Medistim ist ein junges skandinavisches Unternehmen und vermarktet weltweit Herz-Lungen Maschinen und Geräte für die Gefäßchirurgie. Und in den neuen Generationen dieser Geräte werden die Blut-Messsysteme von em-tec integriert.

Anfang diesen Jahres übernahm Blue Cap die Gold- und Silberscheideanstalt Carl Schaefer aus Pforzheim, die man mit deutlich weniger Umsatz, aber profitabel neu aufstellen will; evtl. auch mit Produkten für den Kapitalmarkt. Vor der Insolvenz bracht es Schäfer schon mal auf rund €400 Mio. Jahresumsatz, für 2016 sind erst einmal Erlöse zwischen €15 Mio. und €20 Mio. angepeilt und eine Bruttomarge von 10%.

Blue Cap-Chart: finanztreff.de

Blue Cap-Chart: finanztreff.de

Verhaltene Halbjahreszahlen verschleiern (noch) das Potenzial

Blue Cap hat im ersten Halbjahr 2016 den Konzernumsatz gegenüber dem Vorjahr um 7,2% gesteigert bei Umsatzerlöse von €42,9 Mio. und somit €2,9 Mio. mehr als im Vorjahreszeitraum (€40,0 Mio.). Das Konzernergebnis vor Steuern konnte von €1,5 Mio. auf €1,9 Mio. erhöht werden, das EBITDA betrug im ersten Halbjahr 2016 €3,5 Mio. (€3,0. Mio.), das EBIT €2,4 Mio. (€1,8 Mio.). Die Ergebnissteigerung im ersten Halbjahr 2016 konnte erzielt werden, da eine Reihe von Reorganisationsmaßnahmen erfolgreich abgeschlossen wurde und sich die Profitabilität in den Beteiligungsgesellschaften, insbesondere in den Sparten Klebstofftechnik und Medizintechnik, verbessert hat. Die Erhöhung der Ertragskraft ist gelungen, obwohl Restrukturierungsaufwendungen bei der jüngst erworbenen Beteiligung Carl Schaefer und Entwicklungsaufwendungen bei der WISAP GmbH angefallen sind. Bei einer Bilanzsumme von €66,0 Mio. (€63,7 Mio.) beläuft sich das Eigenkapital auf €21,0 Mio. (€19,8 Mio.) und hat damit einen Anteil von 31,9% am Gesamtkapital. Die Investitionen betrugen im ersten Halbjahr 2016 €3,7 Mio. und Blue Cap verfügt zum 30. Juni 2016 über Liquiditätsreserven in Höhe von insgesamt €17,3 Mio, auch Dank der Aufnahme eines Schuldscheindarlehens. „Damit sind wir auch für weitere Akquisitionen gut vorbereitet“, meint CEO Schubert. Hier sei man in Gesprächen, aber es sei nichts Konkretes in Aussicht.

Neschen-Deal ist der nächste Wachstumstreiber

Besonderer Clou ist aber die Übernahme der Vermögensgegenstände der Neschen AG sowie der operativ tätigen Filmolux Tochtergesellschaften aus der Insolvenz heraus.

In einem Interview mit Börsen Radio Network gab Blue Cap-CEO Hannspeter Schubert einige Einblick in den Deal und die Beweggründe, beim Folienbeschichter Neschen zuzuschlagen. Danach lief es bei Neschen operativ rund, die Insolvenz entstand aus einer Überschuldungssituation, weil ein im Zuge der Finanzkrise von einer regionalen Bank an einen Finanzinvestor weiterverkaufter Kredit fällig gestellt wurde. Was daran lag, dass der Finanzinvestor eigentlich Neschen komplett übernehmen wollte, was die HV aber nicht absegnete. Daraufhin forderte der Finanzinvestor sein Geld zurück, was die Neschen AG nicht begleichen konnte…

Auf www.intelligent-investieren.net geht es weiter.

Kissig Ein Beitrag von Michael C. Kissig

Er studierte nach Abschluss seiner Bankausbildung Volks- und Rechtswissenschaften und ist heute als Unternehmensberater und Investor tätig. Neben seinem Value-Investing-Blog „iNTELLiGENT iNVESTiEREN“ verfasst Michael C. Kissig regelmäßig eine Kolumne für das „Aktien Magazin“.

Bildquellen: Michael C. Kissig / dieboersenblogger.de


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