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Und was macht Warren Buffett mit seinen Wells Fargo-Aktien?

Ich hab mal einfach gedacht, was Warren Buffett wohl mit seinen Wells Fargo-Aktien (WKN: 857949 / ISIN: US9497461015) anstellen wird angesichts des aktuellen Skandals. Denn Warren Buffett liebt Wells Fargo, jedenfalls war das bisher so. Die amerikanische Großbank, die kein bwz. kaum Investment-Banking betreibt, sondern sich auf das klassische Bankgeschäft konzentriert, war lange Zeit die größte Beteiligung in Berkshire Hathaways Aktien-Portfolio, bevor sie durch The Kraft Heinz. Co abgelöst wurde, als Buffett Heinz Ketchup und Kraft Foods fusionierte. Ende des zweiten Quartals 2016 hielt Buffett rund 480 Mio. Aktien von Wells Fargo in einem Gesamtwert von $22,7 Mrd. und das machte immerhin 17,5% an Buffetts Gesamtportfolio aus.

Seitdem ist der Aktienkurs von Wells Fargo stark eingebrochen, weil man in einen Skandal verwickelt ist. Dabei geht es um das Provisionssystem und dessen Anreize, das Mitarbeiter genutzt haben, um mehr als 2 Mio. gefälschte gebührenpflichtige Konten im Namen von (unwissenden) Kunden zu eröffnen, woraufhin sie ihre von der Bank gesteckten Ziele erreichten bzw. übererfüllten und fette Prämien einsackten. 5.000 Mitarbeiter haben daraufhin bisher ihren Job verloren. Das eigentliche Problem für Wells Fargo liegt neben der öffentlichen Schmach, der Strafe von 185 Mio., die man aufgebrummt bekam, und dem massiven Image- und Vertrauensverlust darin, dass das einst hoch gelobte Anreizsystem von Wells Fargo wohl nicht (länger) funktioniert. Und dass die Kontrollsysteme der Bank versagt haben und einer Erneuerung bedürfen. Darüber hinaus fürchten manche wohl den „Deutsche Bank-Effekt“, dass also nach einem ersten Skandal und dem notwendigen genaueren Hinsehen immer wieder neue, bisher unter Verschluss gehaltene, Skandale  und Skandälchen aufpoppen. Nun, Banker haben kein hohes Ansehen mehr, vorsichtig ausgedrückt, und sie haben es spätestens seit der Finanzkrise auch zurecht.

Wells-Fargo-Chart: finanztreff.de

Wells-Fargo-Chart: finanztreff.de

Der Blick richtet sich auf Warren Buffett

Als vor vielen Jahren die US-Investmentbank Salomon Bros. in Schieflage kam, kam ihr Warren Buffett zu Hilfe, weil er vom Management und der Bank überzeugt war. Später sagte er einmal, das sei mit die schwerste Zeit seines Lebens gewesen, weil er starken öffentlichen Anfeindungen ausgesetzt war und sich die beteiligten Banker als weit weniger ehren- und vertrauensvoll erwiesen, als Buffett gedacht hatte. Und Buffett legt extrem großen Wert auf Seriosität bei den Managern der Unternehmen, in die er investiert.

„Man braucht 20 Jahre, um sich einen guten Ruf aufzubauen, und nur 5 Minuten,
um ihn zu verlieren. Wer das beherzigt, handelt bewusster.“
(Warren Buffett)

Als größter Aktionär von Wells Fargo kommt ihn in der aktuellen Phase wieder eine entscheidende Rolle zu und auf die Frage, was er von alledem halte, äußerte sich Buffett zurückhaltend. Er habe ein Gespräch mit dem CEO von Wells Fargo geführt, werde sich öffentlich aber erst im November äußern, wenn Berkshire Hathaway seinen quartalsweisen Depotbericht offenlegen wird (sog. 13-F-Formular). Das hindert uns natürlich nicht daran, unsere eigenen Überlegungen anzustellen und was Buffett wohl tun wird und vielleicht schon tut.

Und was tut Buffet nun?

Verglichen mit dem Stand vom 30. Juni hat Buffetts Aktienposition mehr als $1,5 Mrd. eingebüßt. Doch das interessiert den Börsenaltmeister nicht, das ist nicht auf seinem Investment-Radar. Er schaut auf ganz andere Dinge.

Klar ist jedenfalls, dass er als größter Aktionär mit einem Anteilsbesitz vom rund 10% nicht einfach seine Aktien auf den Markt werfen kann, dann würde der Aktienkurs ins Bodenlose abstürzen. Der Aktienkurs hat seit Bekanntwerden des Skandals von $51 auf $44 nachgegeben, also fast 15%. Das spricht nicht für massive Verkäufe von Buffett. Im Gegenteil, ich vermute, dass Buffett seinen Bestand an Wells Fargo aufstockt…

Auf www.intelligent-investieren.net geht es weiter.

Kissig Ein Beitrag von Michael C. Kissig

Er studierte nach Abschluss seiner Bankausbildung Volks- und Rechtswissenschaften und ist heute als Unternehmensberater und Investor tätig. Neben seinem Value-Investing-Blog „iNTELLiGENT iNVESTiEREN“ verfasst Michael C. Kissig regelmäßig eine Kolumne für das „Aktien Magazin“.

Bildquellen: Michael C. Kissig / dieboersenblogger.de


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