Von Börsenblasen, Wettbewerben, Transparenz und Chancen…

1
2.053 views

Wie die Zeit vergeht. Klingt vom einem 35-jährigen vielleicht etwas komisch. Aber im Hinblick, dass ich mit meinem jungen Alter bereits über 10 Jahre redaktionell an/mit der Börse arbeite, ist es wieder ein realer Ausspruch. Vor genau zehn Jahren im März war ich begeisterter Redakteur im Dienste Springers, im Online-Bereich. Es war spannend. Jeder Tag über die Börse zu schreiben war cool und man konnte noch nebenher Geld machen, schließlich war man ja zehn Stunden online. Neben der Redaktions-CMS war der persönliche comdirekt-Zugang immer offen. Es hat sich ja auch gelohnt. Wenn man an diese ganzen IPO-Stories denkt, an die gewaltigen Tagesgewinne diverser Aktien. Der Hammer. Erinnern Sie sich an den NEMAX, den es heute gar nicht mehr gibt?

Der NEMAX war das Anleger-Paradies. Wer an einem Tag mit einer Aktie X nicht mindestens 20% machte, galt es Verlierer. Schließlich eilte der Neue Markt Tag für Tag quasi von Hoch zu Hoch. Der NEMAX50 notierte mit seinem Allzeithoch bei über 9.600 Punkten! Da waren doch glatt die knapp 230 Unternehmen des breit gefassten Nemax All Share – zumindest – auf dem Papier über 230 Mrd. Euro wert. Ganz gleich, ob die schwarze Zahlen schrieben (taten die meisten nicht und nie) und ob der Vorstand jemals das Wort “Break Even” in den Mund nehmen wollte. Es war en Vogue, am Neuen Markt investiert zu sein.

Was folgte, kennen wir alle. Viele Anleger verloren massenhaft Geld. Anleger, die sich bei der Hausbank “mal geschwind” zehntausende Euros liehen, weil man “ja diese in drei Wochen dank der Gewinne am Neuen Markt zurückzahlen” könnte, kamen richtig ins Schwitzen. Über 200 Mrd. Euro gingen so den Bach runter, der NEMAX50 stürzte um 97% in den Keller und verschwand dann ganz nebenbei vom Börsenparkett. Man konnte dies damals als Offenbarungseid der Deutschen Börse ansehen. Schließlich rutschte auch die NASDAQ gehörig in den Keller – doch diese US-Technologiebörse gibt es noch, wie Kollege Manfred Weide gestern schön schrieb und analysierte.

Was lernt man als Anleger aus solchen Geschichten? Nun, vielleicht einfach bei Investment auf Transparenz zu achten. Schnelles Geld ist meistens auch wieder schnell weg. Der Begriff "Aktienkultur" sollte in seiner ursprünglichen Form gesehen werden, sprich in Anteile von Unternehmen investieren, also sich an Unternehmen beteiligen, Aktionär sein. Transparenz ist daher von Unternehmen wichtig – damals gab es diese leider nur bedingt.

Ist es heute anders? Gute Frage. Als Journalist neigt man ja dazu, immer alles zu negativ, “zu realistisch” zu betrachten. Aber wenn ich mir gerade einmal die Situation der börsenblogger anschaue, dann neige ich dazu, zu sagen, dass wir uns von unserem Umfeld  manchmal schon mehrTransparenz wünschen würden. Stichwort Wettbewerb “Financeblog of the Year”. Wir waren überrascht und anfangs auch sehr stolz, als “junger” Börsenblog es bei 150 Mitbewerbern immerhin unter die 15 letzten der Endausscheidung geschafft zu haben. Dass wir gewinnen würden, war für uns nie ein Thema. Dabei sein ist alles, eine gute Performance abzuliefern und somit einfach mal das knallharte Feedback in der www-Welt zu bekommen, um das ging es uns. Schließlich wollen wir uns mit unserem Blog stetig verbessern und auch unseren Lesern guten Content liefern.

Nun ging diese besagte Abstimmung zum Finance-Blog of the Year zu Ende und es kam ein Ergebnis raus. Wir haben dieses dann in einer Mail am 09.03.2010 um 20.14h mitbekommen, mit dem folgenden Text:

Sehr geehrte Finalisten, heute endete um 18:00 die Abstimmung zum Finance Blog of the year. Die 3 Gewinner stehen fest und sind:

Platz 1 für Finanztrader

Platz 2 für Tim Schäfer Media

Platz 3 für Geldanlage- und Finanz-Blog

Wir bedanken uns ganz herzlich für Ihre Teilnahme.

Das Ergebnis werden wir heute noch in unserem Blog veröffentlichen.

Mit freundlichen Grüßen

xxxxx

 

Wow – keine Daten, wieviel Stimmen pro Platz, Prozent oder sonst dergleichen. Man fragt sich da dann schon: Wie transparenrt ist das, wenn schon bei “Wetten das?” die Gewinner mit %-Daten und dergleichen angegeben werden….

An dieser Stelle aber auch unsere Glückwünsche an “Finanztrader” für den Sieg – ein schöner Blog.

Nun wir dachten uns dann, “lass uns doch mal nachfragen, wo wir gelandet sind”. Kollege Schmidt schrieb also eine Mail an Smava:

Hallo Herr XXXX,

danke für die Mitteilung. War eine schöne Erfahrung mitzumachen.

Dürfen wir denn auch unsere genaue Platzierung bzw. Stimmenzahl erfahren?

Danke schon mal,

beste Grüße

Marc Schmidt

Wir bekamen dann auch recht schnell eine Antwort, die uns aber dann doch schmunzeln ließ, weil es in die ganze Wettbewerbs-Situation und das Drumherum der letzten zehn Tage passte:

Hallo Herr Schmidt,

vielen Dank für die Mail. Bezüglich der Platzierungen ist es u.E. eher unüblich, die Platzierungen neben den Siegern zu veröffentlichen. Aber ich werde das als Anregung für das Prozedere des nächsten Jahres mit aufnehmen, danke für die Idee.

Mit freundlichem Gruss,

An dieser Stelle ganz klar gesagt: Wir sind keine schlechten Verlierer, wir gönnen den Erstplazierten den Erfolg. Wir waren auch nie der Meinung , das Ding gewinnen zu können. Aber es wäre seitens Smava mehr als transparent gewesen, zum einen mal Daten der Gewinner herauszugeben, bzw. wenn man schon nur 15 Blogs in der Endausscheidung zu haben, doch einfach alle Daten freizugeben. "Vielen Dank an alle, die für mich abgestimmt haben”, sagte Martin Brosy, der Betreiber des Blogs, am Gewinner-Abend in einem Telefongespräch mit smava.de. Ich frage mich: Wie viele Stimmen waren es denn? Aber gut, lassen wir das: An dieser Stelle nochmals ganz offiziell. Die boersenblogger gratulieren Dir, lieber Martin Brosy, ganz herzlich zum Titel.

Wenn der Wettbewerb etwas gebracht hat, dann die Chance, dass wir deutsche Wirtschafts- und Börsenblogger vielleicht künftig besser vernetzt arbeiten und bloggen werden. Das ist für mich und für alle aus unserer Blog-Redaktion wohl das Wichtigste. In diesem Sinne auch an dieser Stelle ein herzliches Danke-schön an alle Leser und User, die für uns gestimmt haben, auch wenn wir leider nicht wissen, wie wir überhaupt innerhalb der letzten Endabstimmung abgeschnitten haben. Take care, bis zum nächsten Blog-Wettbewerb.


TEILEN

1 KOMMENTAR

  1. Erst mal möchte ich mich bei euch ganz herzlich für die Glückwünsche bedanken, der ganze Wettbewerb war sehr kontrovers und es gab viel Kritik. Ich selbst stand auch in der Kritik, was ich auch seitens anderer Blogger sehr gut nachvollziehen kann. Ich denke und hoffe, dass es im nächsten Jahr alles transparenter läuft und gerade die Nominierungsphase und das Abstimmungsverfahren anders gestaltet werden.

    Liebe Grüße

    Martin

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here