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Warum ich mich öfter mal bremsen muss. Und wie…

Es gibt viele Börsenweisheiten und Bonmots berühmter Investoren und doch stelle ich leider viel zu häufig im Nachhinein fest, dass ich eine ganz entscheidende mal wieder nicht beherzigt habe: cool bleiben. Das ist ärgerlich und nicht selten kostet mich das Geld, weil ich entweder total auf’s falsche Pferd gesetzt habe, oder mich mit einem Investment einfach nicht wohl fühle. Und es deshalb verkaufe, mit den entsprechenden Folgen wie Gebühren und Spesen und, im besseren Fall, mit Steuern auf den Gewinn.

Grundsätzlich sollte man langfristig investieren und nicht schnell kaufen und verkaufen. Denn dieses schnelle Hin- und Her ist einer der meist begangenen Anfängerfehler und einer, den man sich noch am einfachsten sparen kann. Man muss schlicht bei der Auswahl seiner Investments behutsamer vorgehen, sich selbst ein wenig bremsen. Mehr braucht es nicht.

„Hat man eine schlaflose Nacht wegen eines Börsenengagements, soll man es sofort auflösen“.
(André Kostolany)

Wenn ich eine Aktie analysiert habe, mir also die Geschäftsberichte der letzten Jahre angesehen und die Bewertung überprüft habe, dann steht am Ende der Mühen oft die Kaufentscheidung. Denn naheliegenderweise treffe ich bereits eine Vorauswahl und suche nach Unternehmen, die in einem Geschäftsfeld tätig sind, das ich verstehe und bei denen ein erster Blick auf die Kennzahlen, wie KGV, Cashflow oder Dividendenrendite eine tiefer gehende Analyse lohnenswert erscheinen lassen.

Natürlich ist es falsch, sich mit dem Kauf einer Aktie für die Mühen des Analysierens dieses Unternehmens zu belohnen. Selbstverständlich sollte man nur dann eine Aktie erwerben, wenn am Ende der Analyse auch objektiv alles für einen Kauf spricht. Und nicht nur ein bisschen oder eben subjektiv, weil man vielleicht schon von vornherein voreingenommen war. Immerhin hat man sich ja eine viel versprechende Aktie ausgesucht und dann viel Zeit und Mühe in die Analyse gesteckt.

Und trotzdem… zu oft entscheide ich mich noch immer subjektiv für ein Investment. Mit der Folge, dass ich mich dann irgendwann nicht mehr richtig wohl damit fühle. Und dann konsequenterweise wieder aussteige. Unter dem Strich, ob es nun ein Gewinn- oder ein Verlustgeschäft war, hätte ich mir sowohl den Ankauf als auch den Verkauf sparen sollen! Gefreut hat sich in jedem Fall mein Broker, der hat zweimal kassiert, ob ich nun Geld mit dem Deal verdient oder verloren habe.

„Ich versuche nie, mit Aktien Geld zu verdienen. Ich kaufe in der Überzeugung,
dass die Börse am nächsten Tag auch für fünf Jahre schließen könnte“.
(Warren Buffett)

Weil ich mir also bezüglich meiner eigenen Entscheidungen nicht wirklich über den Weg trauen kann, habe ich mir angewöhnt, mir am Ende des Analyseprozesses, also quasi direkt vor dem Absenden der Kauforder, noch einmal die entscheidende Frage zu stellen: „Will ich diese Aktie fünf Jahre lang behalten? Will ich fünf Jahre lang Miteigentümer dieses Unternehmens sein, Partner dieser Leute?“

Es klingt profan, aber das ist es nicht. Denn durch das bewusste Beschäftigen mit dieser Frage schaffe ich mir einen Kontrapunkt zu dem Wunsch, endlich meine Überlegungen an der Börse auszuprobieren. Denn hier kommt mein Spielnaturell durch, der Wunsch nach „Action“, nach Aktivität, dieses Gefühl, das einen Spekulanten von einem Investor unterscheidet – und das mir immer wieder mal Stöcke zwischen die Beine wirft.

„Ich würde Spekulation als Handel definieren, der sich sehr auf die Kursausschläge einer Aktie konzentriert, weil man zum Beispiel denkt, dass die Quartalszahlen sehr gut ausfallen werden oder es einen Aktiensplit geben wird oder die Dividende steigt. Aber man schaut sich nicht die Anlage und die dahinterstehende Bilanz selbst an.“
(Warren Buffett)

Ich überlege also, ob die Bewertung und die guten Geschäftsaussichten des Unternehmens ausreichen, dass ich denen für fünf Jahre mein Geld überlassen und mich dann um dieses Investment nicht mehr kümmern würde. Gerade so, wie Buffett es beschreibt: als wenn die Börse fünf Jahre schließen würde. Und dieser Gedanke bringt mich zwangsläufig zu einem Aspekt, der ganz wichtig ist, aber eben auch schwierig zu beurteilen – und der daher zu oft hinten runter fällt: das Management.

„Good business, good management, good price“.
(Warren Buffett)

Buffett legt extrem großen Wert auf das Management, seinen Charakter, seine Fähigkeiten. Nur wenn er überzeugt ist, dass diese Leute ehrlich sind und fähig, nur dann vertraut er ihnen sein Geld an. Und diese Überlegung sollte auch für einen normalen Investor, der langfristig Investieren will, eine ganze entscheidende sein…

Auf www.intelligent-investieren.net geht es weiter.

Kissig Ein Beitrag von Michael C. Kissig

Er studierte nach Abschluss seiner Bankausbildung Volks- und Rechtswissenschaften und ist heute als Unternehmensberater und Investor tätig. Neben seinem Value-Investing-Blog „iNTELLiGENT iNVESTiEREN“ verfasst Michael C. Kissig regelmäßig eine Kolumne für das „Aktien Magazin“.

Bildquellen: Michael C. Kissig / dieboersenblogger.de


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