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Geldanlage: Sieben fette Jahre und was kommt nun?

In diesen Tagen jährt sich die Lehman-Pleite zum achten Mal. Die Geldanlage hat sich seit dem darauf folgenden Absturz glänzend entwickelt. Es folgten fast sieben biblische fette Jahre, in denen das private Geldvermögen weltweit um 61 Prozent gestiegen ist – und damit beinahe doppelt so schnell wie die Wirtschaftsleistung. Doch was blüht uns Anlegern nun? Sieben magere Jahre?

Blickt man auf die jüngst veröffentlichte Ausgabe des Allianz Global Wealth Report 2016 mussten sich die Sparer 2015 nach drei guten Jahren mit einem durchschnittlichen Wachstum von 9 Prozent wieder mit einem moderateren Vermögenswachstum zufrieden geben: Das globale Brutto-Geldvermögen legte 2015 „nur“ um 4,9 Prozent auf 155 Billionen Euro zu. Unter den drei Vermögensklassen – Bankeinlagen, Wertpapiere sowie Versicherungen und Pensionsfonds – schnitten dabei die Wertpapiere (+6,1 Prozent) am besten ab, dicht gefolgt von Bankeinlagen (+5,5 Prozent). Versicherungen und Pensionsfonds fielen dagegen zurück (+3,3 Prozent): In dieser Vermögensklasse werden die Verwerfungen der andauern den Niedrigzinspolitik immer deutlicher sichtbar.

Angesichts dieser Zahlen stehen Anlegern vor spannenden Zeiten – je nach dem, ob sie den Zugang zu Aktien schon gefunden haben oder nicht. Aktienanleger sind jedenfalls diejenigen, die als Gewinner der Krise gesehen werden können. Im Gegensatz dazu muss das Sparverhalten der privaten Haushalte kritisch hinterfragt werden: Trotz Niedrigst- und Negativzinsen präferiert die Mehrzahl kurzfristige und sehr liquide Anlagen wie Bankeinlagen – deren Rendite bei null liegt. Langfristige Anlagen werden dagegen deutlich weniger dotiert; in Europa zum Beispiel ziehen private Haushalte noch immer Geld aus den Kapitalmärkten ab. „Sparen“ entpuppt sich so bei genauerer Analyse vor allem als „Geldparken“ und nicht als Investieren. Soweit, so erwartbar.

Die langfristigen Folgen eines „Sparens ohne Rendite“, zum Beispiel für die Altersvorsorge, sind laut Global Wealth Report drastisch. Auch sieben Jahre nach Lehman fehlt der Mehrheit der privaten Haushalte das Vertrauen in die Finanzmärkte. Die wenigsten profitierten daher bislang von den durch die Niedrigzinspolitik getriebenen Kursanstiegen an den Aktienmärkten. Es darf bezweifelt werden, ob die Idee der Negativzinsen – die dem normalen Verständnis vom Funktionieren der Finanzmärkte diametral entgegenläuft – dazu geeignet ist, neues Vertrauen aufzubauen. Eher das Gegenteil dürfte der Fall sein.

Der Report warnt jedoch angesichts der Vermögenspreisentwicklung vor einem „weiter so“. Die Volatilität der Aktienmärkte habe inzwischen spürbar zugenommen, in der Folge habe sich das Wachstum des globalen Geldvermögens im letzten Jahr bereits deutlich abgeschwächt. Es seit laut dem Report sicher kein Zufall, dass von dieser Entwicklung vor allem Europa, die USA und Japan betroffen waren. Ohne Preissteigerungen, die fehlende Zinseinnahmen kompensieren können, dürften laut Report die „fetten“ Jahre beim Vermögenswachstum jedoch vorbei sein. Doch was heißt das? Ohne Aktien geht es auch in Zukunft nicht. Über die Rendite entscheidet dann die Aktienauswahl.

In diesem Sinne,
weiterhin viel Erfolg bei der Geldanlage

Ihre dieboersenblogger.de-Gründer
Christoph A. Scherbaum & Marc O. Schmidt

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Bildquelle: dieboersenblogger.de


1 Kommentar zu Geldanlage: Sieben fette Jahre und was kommt nun?

  1. Ich sehe es leider auch so, dass die fetten Jahre sich dem Ende nähern. Zumindest wird sich das Dividendenwachstum in den USA – dem größten Aktienmarkt – voraussichtlich weiter verlangsamen, da die Gewinne auf breiter Front dies nicht zulassen.

    Ich habe zu dem Thema eine Analyse erstellt:

    http://wachstumswerte.net/Blog/usa-land-der-begrenzten-dividendensteigerung.html

    Gruß,

    Torsten

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