Schlussgong: Banken und Versicherungen – in der Krise wird der Kuchen neu verteilt

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Im Tagesverlauf gaben die Aktienkurse in Europa leicht nach. Wichtige Meldungen gab es nicht, aber die Futures zeigten Verluste an der Wall Street in New York an.

Dow Jones und Co. eröffneten auch im Minus, drehten dann aber in die Pluszone. Das beflügelt im Abendhandel auch die Stimmung in Europa. Der X-DAX testet sogar die Marke von 5.900 Punkten an. Gelingt der Sprung, sind die 6.000 Punkte in Sichtweite.

Das wird dann die eigentliche Herausforderung: Wird die Hürde dynamisch übersprungen, halte ich bis Jahresmitte sogar einen glatten Durchmarsch bis 7.000 für realistisch. Prallt der DAX dagegen wieder nach unten ab, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass das gesamte Jahr in einer Seitwärtsbewegung enden wird.

Die Karten in der Finanzbranche werden neu gemischt

In den vergangenen Tagen habe ich hier im Schlussgong über die aktuelle Entwicklung in der amerikanischen Finanzbranche berichtet. Die unprofitablen kleinen Banken verschwinden still und heimlich vom Markt, die großen Banken, die vom Staat gerettet wurden, gewinnen dadurch neue Kunden hinzu.

Die Anschlussfragen, die sich stellen: Wie sieht die Marktbereinigung in der europäischen Finanzbranche aus? Wie ist die Situation in Deutschland? Wenn Sie einen Blick auf die Kurszettel werfen, erkennen Sie schnell, dass auch in Deutschland Finanzwerte „verschwunden“ sind.

Auch deutsche Finanzwelt stark betroffen

In Deutschland gerieten während der Finanzkrise viele Banken in extreme Notsituationen. Es erwischte auch etablierte Großbanken. Zum Beispiel die Commerzbank. Am Rande des Bankrotts blieb ihr 2008 nur die Flucht unter den staatlichen Rettungsschirm.

Besonders heiß diskutiert wurde in der Öffentlichkeit der Untergang der Hypo Real Estate (HRE). Der Staat hat die „Überreste“ eingesammelt und die privaten Aktionäre mit einem Mini-Betrag abgespeist.

Der Staat kann es aber auch nicht besser

Ob aber der Staat ein glückliches Händchen in der Finanzbranche hat, darf stark bezweifelt werden. Die WestLB, die ich stellvertretend für fast alle Landesbanken nenne, war schon vor der Krise berühmt-berüchtigt und hat auch während der Krise kein Fettnäpfchen ausgelassen. Gestern meinte der nordrhein-westfälische Finanzminister Helmut Linssen lapidar auf eine Frage zur Aufstockung der Risikovorsorge um satte 300 Mio. Euro: „WestLB, da weiß man nie was auf einen zukommt.“

Auch die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) handelte fahrlässig: Noch am Tag der Lehman-Pleite wurden irrtümlich 300 Mio. Euro an die Bank überwiesen. Die KfW-Mittelstandstochter IKB rundete die Inkompetenz durch Ihr US-Immobilienengagement ab.

Die Deutsche Bank wächst und wächst

Es war daher nur eine Frage der Zeit, wann sich auch in der deutschen Bankenlandschaft etwas tut. Die Commerzbank hatte bereits die Dresdner Bank übernommen, um die Stellung auf dem deutschen Markt zu stärken (und der Verkäufer Allianz war froh, das Banken-Desaster endlich beenden zu können). Die Übernahmen gehen aber munter weiter:

Durch die Finanzkrise, die schonungslos die Fehler der Vergangenheit aufgezeigt hat, ist die Unabhängigkeit der einst größten Privatbank Europas, Sal. Oppenheim, nach 220 Jahren nur noch Geschichte.

Gewinner: Die Deutsche Bank. Sie griff – nach dem Einstieg bei der Postbank Ende 2008 – gleich noch einmal zu und sichert sich somit den Zugriff auf die Kundschaft und Geschäftsbeziehungen der Traditionsbank.

Aktionäre sollten auch auf die deutschen Versicherungen schauen

Die deutsche Versicherungsbranche sorgt in dieser Krise für weniger Schlagzeilen (anders als der US-Konkurrent AIG). Aber die Ruhe täuscht. Auch Allianz und Münchener Rück sind aktiv. Für Aktionäre sind die Übernahmeaktivitäten der Versicherungen sogar noch attraktiver. Mehr dazu in den nächsten Tagen.


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