Schlussgong: US-Finanzbranche – das Bankensterben geht weiter

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Die Aktienmärkte in Europa und in den USA sind sehr ruhig in die neue Handelswoche gestartet. DAX, EuroStoxx, Dow Jones, Nasdaq und S&P schlossen jeweils fast genau auf dem Niveau vom vergangenen Freitag.

Ein Ausreißer nach oben war der österreichische ATX, der fast 1,5% begann. Dieser Aktien-Index führt seit Wochen ein Eigenleben: Erst ging es stark überdurchschnittlich nach unten, jetzt setzt die Gegenbewegung ein.

Am Wochenende hat es wieder vier US-Banken erwischt

Angesichts der heutigen Seitwärtsbewegung in den USA und in Europa könnte man fast etwas enttäuscht sein, da der Sturm auf das Jahreshoch unterbrochen wurde. Wenn man aber die Nachrichten noch einmal genau filtert, können wir mit dem Börsentag sogar sehr zufrieden sein.

Am Wochenende mussten nämlich in den USA schon wieder 4 Banken von der Einlagensicherungsbehörde FDIC geschlossen werden. Laut US-Zeitung „Wall Street Journal“ besaßen die 4 kleineren US-Banken zusammen Aktiva in Höhe von 1,1 Mrd. USD. Das operative Geschäft der Banken soll aber weitergeführt werden.

Der Markt hat sich an das Bankensterben gewöhnt

Es ist schon erstaunlich, wie gleichgültig der Markt diese Nachricht hingenommen hat. Nur zur Einordnung: Im gesamten Jahr 2007 sind in den USA nur 4 Banken geschlossen worden. Das ist jetzt in der Finanzkrise die „Ausbeute“ eines Wochenendes.

Wir haben gerade Anfang März und in den knapp 10 Wochen wurden bereits 26 US-Banken geschlossen. Alles spricht dafür, dass im laufenden Jahr der sehr hohe Vorjahreswert von 140 Pleiten noch deutlich übertroffen wird.

Die US-Regierung muss weiter Feuerwehr spielen

Und immer wieder muss die US-Regierung (in letzter Konsequenz der amerikanische Steuerzahler) eingreifen und die Bankreste verwerten. Damit schließt sich auch der Kreis zur Schlussgong-Ausgabe vom vergangenen Freitag. Ich hatte darüber berichtet, dass der ehemalige Versicherungsriese AIG nach und nach seine besten Konzernteile verkauft und das Kapital an den Staat, der in der Krise mit über 100 Mrd. USD eingesprungen war, zurückzahlt.

Die US-Regierung drückt bei AIG auf das Verkaufs-Tempo, weil frisches Geld für die Bankenrettung gebraucht wird. Die Feuerwehr eilt von Brandherd zu Brandherd. Der Staat wird auch viele kleine Banken retten und dank der Finanzspritzen neuer Mitbesitzer.

Die Großbanken könnten ungewollt die heimlichen Gewinner sein

Die amerikanischen Großbanken, die bereits vom Staat gerettet wurden und zurück in die „Freiheit“ entlassen wurden, können sich die Hände reiben. Mit jeder kleinen Bank, die nicht gerettet wird, werden wieder neue Kunden frei. Am Ende der Krise wird diese Marktbereinigung dazu führen, dass die Großbanken ein noch größeres Stück vom Kuchen erhalten und der Wettbewerbsdruck sinkt.

Auch wenn es fast schon zynisch klingt: Falls Präsident Obama jetzt nicht doch noch eine scharfe Banken-Reform durchdrückt, könnten die börsennotierten US-Banken für spekulativ veranlage Aktionäre langsam wieder interessant werden.


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