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Die Woche der Notenbanken

Kommende Woche wird eine ganz zentrale Woche für die Welt. Die Bank of Japan und die US-Notenbank könnten eine große Zeitenwende einleiten.

Schon lange war das Warten auf eine Notenbankentscheidung nicht mehr so spannend wie dieses Mal. Zur Abwechslung geht es nicht mehr um die Frage, wie viel mehr gelockert wird, sondern darum, wie stark die Zügel angezogen werden.

Die japanische Notenbank ist immer für eine Überraschung gut, doch inzwischen kann sie fast nicht mehr durch eine noch lockere Politik überraschen. Die Grenzen der Lockerung sind erreicht. Aus rein technischen Gründen (bestimmte Anleihen werden knapp) muss sie sogar bald ihr QE Programm umgestalten. Kommende Woche kann es schon soweit sein.

Die Umgestaltung ist durch technische Gründe veranlasst, dient aber auch dazu, den durch QE angerichteten Schaden zu begrenzen. Die ultraniedrigen Zinsen am langen Ende der Zinskurve bringt die ganze Finanzindustrie in Bedrängnis. Ganz besonders im Vordergrund stehen Versicherungen und Pensionsfonds. Sie brauchen höhere Zinsen, vor allem bei langlaufenden Anleihen.

Aus der Not heraus dürfte die BoJ wieder weniger Anleihen mit langer Laufzeit und mehr Anleihen mit kurzer Laufzeit kaufen. So können die Zinsen am langen Ende wieder steigen und Druck aus dem System nehmen. Die Zinskurve wird so auch wieder steiler. Auch dieser Umstand ist wichtig. Können sich Unternehmen auf ewig niedrige Zinsen verlassen, dann gibt es kaum einen Anreiz heute zu investieren, wenn ich es in 10 Jahren zu immer noch niedrigen oder sogar noch niedrigeren Zinsen tun kann.

Bei der US-Notenbank geht es nach wie vor um die große Frage, ob der nächste Zinsschritt kommt oder nicht. Inzwischen scheint eine Mehrheit der entscheidenden Notenbanker eine Zinserhöhung zu befürworten. Zuletzt fiel die Taube Eric Rosengren um. Er hatte lange Zeit niedrige Zinsen unterstützt, will nun aber eine Zinserhöhung.

Die Überzahl der pro-Zinsanhebung ausgerichteten Notenbanker führt nicht automatisch zu einem Zinsschritt in der kommenden Woche. Viele wollen eine Erhöhung, sind aber zwischen September und Dezember recht indifferent. Persönlich kann ich mir daher nach wie vor gut vorstellen, dass im September nichts geschehen wird.

Der Markt ist sich dessen ganz und gar nicht sicher. Der Dollar gewann am Freitag gegenüber den meisten Währungen so stark wie lange nicht. Der Grund: die Inflation steigt in den USA wieder an. Nachdem die Fed eines ihrer Mandate (Vollbeschäftigung) praktisch erreicht hat, fehlt noch das Erreichen des Inflationsziels von 2 %. Zieht die Inflation an, dann gibt das Grund genug, an einen Zinsanstieg zu glauben.

Besonders schön verdeutlicht der Vergleich unterschiedlicher Inflationsraten diesen Umstand. Die Grafik zeigt die Inflationsrate, wie sie berichtet und medial beachtet wird. Diese Rate liegt nun bei 1,1 %. So ziemlich jede andere Inflationsrate liegt deutlich darüber. Die „Senioreninflation“ ist ein experimenteller Preisindex, der die Inflation für über 62-jährige misst. Die „klebrige“ Inflation misst die Preise von Gütern, deren Preise generell nicht stark und häufig schwanken. Dazu gehören z.B. Versorgungsgüter wie Wasser. Fürs Wohnen und für „klebrige“ Güter liegt die Inflation schon näher bei 3 % als bei 2 %. Auch Senioren müssen mit einer Teuerungsrate von 1,5 % kämpfen.

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Eigentlich zeigen fast alle Preisindizes einen klaren Trend an. Die vielbeachtete Rate, die aktuell bei 1,1 % steht, ist so ziemlich die einzige, die nicht knapp unterhalb bzw. oberhalb von 2 % liegt. Der Grund ist der große Effekt der Treibstoffpreise und der Nahrungsmittel. Hier werden die Preise früher oder später wieder steigen oder sich stabilisieren. Teuerungsraten von deutlich über 2 % sind dann schnell erreicht.

Die am Freitag veröffentlichten Inflationsdaten verwirren den Markt. Sie deuten eigentlich eine Zinserhöhung an. So wirklich rechnete damit niemand. Auch kurz vor der Stillhalteperiode war Lael Brainard sehr „locker“ unterwegs. Sie hat sich so deutlich gegen einen Zinsschritt ausgesprochen, dass alles andere als ein stabiler Zins ausgeschlossen schien. Wir dürfen sehr gespannt sein. Der Markt muss das erst einmal verdauen. Im Vergleich zum Dollar, der durch die Decke geht, halten sich Aktien ungewöhnlich gut.

Autor: Clemens Schmale, Finanzmarktanalyst bei GodmodeTrader.de

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Bildquelle: dieboersenblogger.de


1 Kommentar zu Die Woche der Notenbanken

  1. Die Macht der Notenbanken in der Welt und das daraus
    folgende Leid der Bürger
    Es wäre sicherlich zu einfach, wenn die Notenbanken als
    Inflationslenker der Welt bezeichnet würden. Es scheint,
    dass die unterschiedlichen Volkswirtschaften der Welt
    dafür zu kompliziert sind. Selbst die ultraleichten
    Zinsen sind in Europa nicht das Grundübel. In Europa ist
    mehr die ungebremste Geldschleuse der EZB etwas zum
    Nachdenken. Sicherlich die Staaten freut es; die hoch-
    verschuldeten EU-Staaten brauchen im Schnitt weniger
    Zinsen für die Schulden zu bezahlen. Es gibt hier also
    zwei Faktoren; die Geldschleuse und die niedrigen Zinsen.
    Das eigentliche Ziel war es, dass Wirtschaftswachstum
    anzukurbeln. Nur, dabei wurde übersehen, dass eben diese
    Wirtschaft selber Geld schöpfen darf und dafür nicht
    die EZB braucht. Auch wenn Wechselfinanzierungen heute
    nicht mehr eine so große Rolle spielen, kann damit durch-
    aus die Produktionsleistung vorfinanziert werden. Die
    guten Wechsel laufen bis ca. 3 Monate. Es grenzt schon
    an ein Wunder, dass die Geldschleuse in Europa keine
    wirkliche Inflation auslösen kann. Der Grund, die
    Wirtschaftsleistung in der Produktion und Dienstleistung
    kann ständig auf hohem Niveau gesteigert werden. Hier-
    zu tragen sogar die Staaten in Europa bei, weil die
    entfallenden Schuldzinsen für Investitionen genutzt werden
    können. Nur, der unerwünschte Effekt ist, dass dieses
    Geld fast nur noch in die Staatsfinanzierung fließt.
    Die EZB kauft gute und schlechte Staatsanleihen im
    großen Stil? Dies war eigentlich bei der Gründung der
    EZB so nicht geplant.
    Die Bürger, die am meisten unter den O Zinsen
    leiden klagen am wenigsten. Selbst die Banken der Welt
    haben erkannt, dass sie neue Geschäftsfelder suchen
    müssen. Nun sind nicht alle Volkswirtschaften der Welt
    gleich und so haben auch die Notenbanken der jeweiligen
    Staaten andere Aufgabenstellungen. Früher hatten die
    Notenbanken auch die Aufgabe, die Parität zu anderen
    Ländern, wenn möglich, im Gleichgewicht zu halten? Die
    Bürger werden ungewollt zum Spielball der Notenbanken
    der Welt.

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