Blick am Morgen: Bayer und Linde

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Bildquelle: Pressefoto Bayer AG

Einer geht noch….dachte sich vielleicht das Monsanto-Management, als es in den Übernahmeverhandlungen mit Bayer (WKN: BAY001 / ISIN: DE000BAY0017) den zu zahlenden Preis immer weiter nach oben trieb. Zuletzt ging immerhin noch ein halber. Kein Schnäpschen, sondern ein halber Dollar: Die Bayer AG erhöhte ihr Gebot von 127,50 Dollar je Monsanto Aktie auf 128,00 Dollar – und man war sich handelseinig.Bayer-Chart: finanztreff.de

Bayer-Chart: finanztreff.de

Sichtlich stolz hat die Bayer AG am Mittwoch offiziell mitgeteilt, dass die Übernahme von Monsanto klappt. Die entsprechende Fusionsvereinbarung mit Monsanto wurde demnach von beiden beteiligten Seiten unterzeichnet. Sowohl das „Board of Directors“ von Monsanto als auch Vorstand und Aufsichtsrat der Bayer AG stimmten der Meldung zufolge dieser Einigung zu. Die Monsanto-Aktionäre können sich freuen: Denn Bayer hat das Gebot nochmals leicht erhöht, auf 128 Dollar je Monsanto-Aktie, zu zahlen in Bar.

Damit wird Monsanto mit 66 Mrd. Dollar bewertet. Der Kaufpreis ist durchaus happig und entspricht einem Aufschlag von 44% gegenüber dem Tag, an dem das erste schriftliche Übernahmeangebot von Bayer abgegeben wurde (= 9. Mai). Gleichwohl reagierte die Bayer-Aktie am Mittwoch mit Kursgewinnen auf die Einigung. Ist es die Aussicht auf Synergieeffekte in Milliardenhöhe, die ab dem dritten Jahr nach Abschluss erzielt werden können? Noch interessant werden könnte, was die Aufsichtsbehörden zu diesem am Mittwoch geschlossenen Deal sagen werden!

Und ob der Kauf für Bayer letztlich gut sein wird, wird sich zeigen. So ein umstrittenes Unternehmen wie Monsanto behagt mir persönlich überhaupt nicht. Warum? Schauen Sie bei Interesse mal, was bei Wikipedia unter dem Punkt „Klagen gegen Monsanto“ aufgelistet ist...siehe dieser Link. Das meine ich. Und unabhängig davon denke ich gerade an Star Wars und die dunkle Seite der Macht…

Dann der Blick auf Linde:

Das klingt nach lauten Gesprächen und zugeknallten Türen. Wie in einer normalen Ehe eben, wie Eingeweihte wissen, und warum sollte es bei Linde (WKN: 648300 / ISIN: DE0006483001) anders sein? Wie ich zu dieser Einschätzung komme: Am Montag teilte Linde mit, dass die Fusionsgespräche mit Praxair (WKN: 884364 / ISIN: US74005P1049) gescheitert sind.

Und einen Tag später meldete das Unternehmen, dass der Finanzvorstand Georg Denoke „mit dem heutigen Tag“ als Finanzvorstand aufhört. Sein Aufgabenbereich wird demnach kommissarisch von Dr. Sven Schneider übernommen. Kein Wort der Begründung oder des Bedauerns von Seiten der Linde AG. Und nicht nur das: Am selben Tag wurde auch kommuniziert, dass der derzeitige CEO Wolfgang Büchele nicht für eine zweite Amtszeit zur Verfügung steht.

Da würde man gerne wissen, was es da für Gespräche zwischen den obersten Managern und Aufsichtsräten der Linde AG gegeben hat! Nicht nur wohlwollende wahrscheinlich. Die offiziellen Meldungen jedenfalls gaben dazu keine Informationen – und der Aktienkurs reagierte leicht verschnupft.

Und hier noch das Zitat zum Tag:

„Sein Gewissen war rein. Er benutzte es nie.“ – Stanislaw Jerzy Lec (1909-1966)

Michael VaupelEin Beitrag von Michael Vaupel

Michael Vaupel, diplomierter Volkswirt und Historiker (M.A.), Vollblut-Börsianer. Nach dem Studium Volontariat und Leitender Redakteur und Analyst diverser Börsenbriefe (Emerging Markets, Internet, Derivate, Rohstoffe). Er ist gefragter Interview- und Chatpartner (N24, CortalConsors). Ethisch korrektes Investieren ist ihm wichtig.
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Bildquelle: Michael Vaupel / Pressefoto Bayer AG


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