Blick am Morgen: EON und Linde

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Bildquelle: Pressefoto The Linde Group

So etwas sieht man eher selten: Ein DAX-Titel, der einen Handelstag mit einem Minus von 7 Prozent beendet. So geschehen zu Wochenbeginn = Montag bei der Linde-Aktie (WKN: 648300 / ISIN: DE0006483001). Was war passiert?Linde-Chart: finanztreff.de

Linde-Chart: finanztreff.de

Die Fusionsgespräche mit Praxair Inc. (WKN: 884364 / ISIN: US74005P1049) wurden schlagartig gestoppt – von Linde. Grund dafür war der Aufsichtsrat des Unternehmens, beziehungsweise genauer gesagt die Anteilseignervertreter im Linde-Aufsichtsrat. Diese plädierten laut Unternehmensmeldung dafür, die Fusionsgespräche zu beenden. Man sehe eine solche Fusion zwar „grundsätzlich“ sinnvoll – doch in Detailsfragen gab es offenbar Probleme. Dabei wurde „insbesondere“ der Bereich Governance genannt. Was damit genau gemeint ist, blieb ungesagt.

Wie auch immer: Die Fusion mit Praxair ist nun also abgeblasen. Ob für immer, das ist derzeit dahin gestellt. Die Börsianer reagierten enttäuscht, weil sich Linde und PRaxair durchaus gut ergänzt hätten. Praxair ist ein im S&P 500 enthaltenes US-Unternehmen, das diverse Industriegase herstellt. Es wäre natürlich für den nordamerikanischen Markt eine passende Ergänzung zum Kerngeschäft von Linde gewesen. Doch „Pustekuchen“, heißt es nun, und der Linde-Aktienkurs könnte nun auf das unmittelbare „Vor-Fusions-Phantasie-Niveau“ von ca. 122 bis ca. 136 Euro zurückfallen.

Dann der Blick auf EON:

Gestern gab es noch einen DAX-Titel mit hohen Kursverlusten. Und das sah auf den ersten Blick wirklich katastrophal aus: Am Ende des ersten Handelstages der Woche stand im Xetra-Handel bei EON (WKN: ENAG99 / ISIN: DE000ENAG999) ein Minus von rund 15% oder 1,20 Euro (Xetra-Schlusskurs: 6,95 Euro). Doch es gibt zumindest eine teilweise Entwarnung dafür:

Schließlich wurden am Montag die neuen Uniper-Papiere (EON-Abspaltung) (WKN: UNSE01 / ISIN: DE000UNSE018) das erste Mal gehandelt. In Uniper hat EON sozusagen die „Drecksschleudern“ abgespaltet, sprich die konventionelle Energieerzeung sowie den Energiehandel. Für jeweils 10 EON-Aktien gab es eine neue Uniper-Aktie. Und da ist es nur natürlich, dass die „neue“ EON nach Abspaltung von Uniper weniger wert ist.

Für die EON-Aktionäre war die Rechnung am Montag so:

– Je 10 EON-Aktien 12 Euro Kursverlust.
– Dafür eine neue Uniper Aktie, die mit 10,30 Euro aus dem Xetra-Handel ging.
– Per saldo ein Verlust auf Tagesbasis.

Doch mal schauen, was die nächsten Tage bringen – denn Uniper ist nicht im DAX, und die Frage ist, ob die Institutionellen Investoren, die EON-Papier besitzen und deshalb die Uniper Aktie erhalten haben, diese nun umgehend verkaufen werden.

Und hier noch das Zitat zum Tag:

„Wer scheut sich nicht, ein Menschenleben um eine Stunde zu verkürzen! Aber eine Stunde ihm zu verderben, wer hätte das Schlimmere nicht schon verschuldet.“ – Walther Rathenau

Michael VaupelEin Beitrag von Michael Vaupel

Michael Vaupel, diplomierter Volkswirt und Historiker (M.A.), Vollblut-Börsianer. Nach dem Studium Volontariat und Leitender Redakteur und Analyst diverser Börsenbriefe (Emerging Markets, Internet, Derivate, Rohstoffe). Er ist gefragter Interview- und Chatpartner (N24, CortalConsors). Ethisch korrektes Investieren ist ihm wichtig.
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Bildquelle: Michael Vaupel / Pressefoto The Linde Group


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