KTG Agrar-Pleite zeigt: Mittelstandsanleihen sind tot

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Bildquelle: dieboersenblogger.de

An sich versprechen Mittelstandsanleihen Solidität und deutschen Erfindergeist gepaart mit Geschäftstüchtigkeit. Mit dieser Konnotation ist das Segment der Mittelstandsanleihen durchaus gestartet – vielleicht auch in der Hoffnung, dass es tatsächlich so kommt. Doch die Realität sieht ganz bitter aus. Eine Mittelstandsanleihe nach der nächsten wird notleidend. Jüngstes Beispiel: KTG Agrar. Der Ruf des Sektors ist damit endgültig ruiniert.

Wäre KTG Agrar ein Einzelfall könnte man schmunzeln. Unternehmer mit überzogenen Phantasien präsentieren vermeintlich tolle Geschäftsideen. Doch am Ende stehen meist nur heiße Luft und eine Pleite. Teuer für die Anleihegläubiger und schlecht für den gesamten Kapitalmarkt Deutschland.

Wer ist aber Schuld? Wie so oft ist es die Gier. Die Gier nach hohen Renditen ohne Risiko in Geschäftsfeldern, die man vermeintlich einschätzen kann. Ohne bewiesen zu haben, dass sie funktionieren. In einer perfekten Welt würden die Anleger statt solcher Fehler zu machen, lieber auf den Spatz in der Hand setzen. Und der kann sich ja in Form der klassischen Aktienanlage durchaus sehen lassen.

Konkret: Schau Sie sich einmal die langfristigen Renditen von DAX oder S&P 500 an. Sie werden sehen, das Risiko eines Verlusts ist bei Anlagehorizonten jenseits eines Jahrzehnts nicht mehr vorhanden. Die damit verbundene Rendite kann sich auch sehen lassen: Immerhin runde 8 Prozent – je nach dem welchen Zeitraum man zugrunde legt.

Am Ende stellt sich wirklich die Frage: Warum investieren die Anleger nicht öfter in Aktien (oder passive Indexfonds, auch ETFs genannt)? Langfristig ist das die bessere Wahl. Ist es nur, weil niemand mit der Rendite-Werbetrommel daneben steht? Denkt denn niemand der Anleger nach? Vielleicht haben Sie lieber Leser ja eine Antwort. Wir freuen uns über Kommentare.

In diesem Sinne,
weiterhin viel Erfolg bei der Geldanlage

Ihre dieboersenblogger.de-Gründer
Christoph A. Scherbaum & Marc O. Schmidt

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2 KOMMENTARE

  1. Der Scbein bestimmt das Sein, sonst gäbe es nicht die phantastischen Markterfolge von Apple, Amazon, Google, Tesla & Co. Das gilt auch in der vermeintich soliden Lebensmittelbranche. Alkohol und Tabak gehen immer, Fastfood (McDo) ist ein Dauerläufer und mit Unilever, Nestle & Co. kann man langfristig auch nur gewinnen. Mitteständler müssen schneller wachsen als sie Geld verbrennen – und das geht nur Lasten von Mitbewerbern. Im Falle der KTG Agrar waren das die Bauern, denen das Land zu überhöhten Kauf- bzw. Pachtpreisen weggeschnappt wurde. Die Feldfrüchte wachsen aber weder schneller noch höher als beim kleinen Nachbarn. Der Gewinn kann also nur in der Vernetzung der Produktions- und Vertriebskette liegen, was auch einige Zeit geklappt hat. Erst nach Missernten (Rumänien) kam das Missmanagement von Hofreiter ans Licht: zu viel teures Fremdkapital bei zu hohen internen Kosten, sprich der erwartete Ertrag wurde bereits vorab von Insidern verfrühstückt und die stillen Reserven aus Grundstücken heimlich zum Flicken von Finanzlöchern verwendet. Hätte die Sanierung früher begonnen, wäre das Unternehmen durchaus profitabel gewesen.

  2. Mittelstandsanleihen sind dem Unternehmensanleihensegment zuzuordnen. Bei Ausfällen wie KTG oder German Pellets wird ein riesen Bohai gemacht. Ausfälle von anderen großen Anleihenschuldnern wie Praktiker oder Alpine sind dann eher eine Randnotiz. Auch bei Aktien hat es schon herbe Ausfälle gegeben, von denen es keiner erwartet hatte (z.B.ENRON). Wie würde meine Rendite heute aussehen, wenn ich vor 10 Jahren in Deutsche Bank, Commerzbank oder RWE investiert hätte? Wäre wohl auch nicht so prickelnd.
    Tatsache ist, dass der Mittelstand in der Gunst von vielen ausländischen Invetoren steht. Sowohl bei Aktien als auch bei Anleihen. Ohne den Mittelstand würde Deutschland wohl nicht die starke Stellung auf den Weltmärkten einnehmen. Ein differenzierter Blick auf jedes Investment ist nötig. Warren Buffet zeigt wie es gehen kann. Ich frage mich, warum er ETF nicht nutzt und anstatt dessen Einzelwerte bevorzugt.Das Ergebnis spricht für sein Auswahlverfahren in Einzeltitel.

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