An den Aktienmärkten zeigt sich heute erneut ein recht ungewohntes Bild: Die europäischen Indizes wie DAX und EuroStoxx gewinnen rund 1% hinzu, während gleichzeitig die US-Indizes nur hauchdünn im Plus liegen.

Es scheint so, als wandere das Kapital wieder Richtung Europa. Als Reaktion auf die „Griechenland-Krise“ haben viele Investoren Kapital aus Europa abgezogen und in den USA „geparkt“. Eine Folge: Der Euro verlor an Wert. In den USA wuchs prompt das Misstrauen gegen die junge – noch nicht krisenerprobte – europäische Währung.

Euro-Schwäche als Export-Motor

Jetzt, wo der erste Schock verdaut ist, rechnen einige Investoren noch einmal nach. Ein fallender Euro-Kurs bedeutet: Die Exportunternehmen aus dem Euro-Raum haben schlagartig viel bessere Verkaufs-Chancen auf den internationalen Märkten. Die Kunden bekommen mehr Dienstleistungen und Waren für ihre Dollar.

Die Euro-Schwäche ist daher in Wahrheit ein Glücksfall für viele europäische Exportunternehmen. Es wird dank dieser „Export-Hilfe“ einige positive Überraschungen im ersten Quartal geben. Daher ist es nur konsequent, wenn die Aktien dieser Unternehmen jetzt wieder zulegen.

Comeback mit Ankündigung

Ich bin von der kurzzeitigen Erholung der US-Währung nicht überrascht. Hier im „Schlussgong“ gehörte das Dollar-Comeback zu meinen sieben Thesen für das Börsenjahr 2010. Am 23. Dezember schrieb ich im Schlussgong:

“2009 mussten am Devisenmarkt in der Spitze über 1,50 Dollar je Euro gezahlt werden. Analysten stellten schon Prognosen auf, wann 1 Euro mehr als 2 Dollar kostet. Der große Abwärtstrend der US-Währung kann 2010 aber eine Pause einlegen. Kurzfristig ist sogar eine Erholung auf 1,25 Dollar je Euro möglich. Der Begriff „Dollar-Stärke“ verbietet sich aber. Trifft die Prognose zu, müssen wir von einer „Euro-Schwäche“ sprechen. Ein Auslöser sind die Rating-Agenturen, die mit der Herabstufung Griechenlands eine erste Breitseite gegen den Euro abgefeuert haben (die Abstufung war absolut berechtigt). 2010 wird es eine ganze Serie von Herabstufungen im Euro-Raum gegen. Länder wie Spanien, Italien, Portugal oder Irland sind stark gefährdet. Die Herabstufungen werden den Investoren zeigen, dass nicht nur Kalifornien arm wie eine Kirchenmaus ist, sondern auch im Euro-Raum mehrere Zeitbomben ticken.”

Dollar versus Euro: Not gegen Elend

Ich erwarte dennoch nur ein kurzes Dollar-Comeback: Mittel- und langfristig wird der Euro am Devisenmarkt etwas weniger schwach sein als der Dollar. Wenn wir die fundamentale Seite betrachten, sind beide Währungen ähnlich angeschlagen. Die Euro-Staaten mit den größten Problemen haben bereits den Spitznahmen: “PIGS”. Das Kürzel steht für die Anfangsbuchstaben von Portugal, wahlweise Italien oder Irland, Griechenland und Spanien.

In der englischen Sprache bedeutet “pigs” Schweine. Keine nette Umschreibung für die schwächelnden Euro-Staaten. Mit solchen Wortspielen sollte man sehr vorsichtig sein, da auch Deutschland nicht gerade ein Musterschüler in Sachen Staatsverschuldung ist. In den USA sieht es aber auch nicht besser aus. Der wirtschaftlich wichtigste Bundesstaat, Kalifornien, musste sogar schon eine Art Notgeld drucken, um Rechnungen bezahlen zu können.

US-Regierung will die eigene Währung opfern

Die Staatsfinanzen sind in den USA und in der Euro-Zone zerrüttet. Trotzdem wird der Dollar schlechter abschneiden als der Euro. Der Grund: Zumindest die Europäische Zentralbank bemüht sich um ein Mindestmaß an Stabilität. In den USA wird dagegen gezielt die eigene Währung geschwächt.

So hat US-Präsident Barack Obama erst vor wenigen Tagen verkündet, dass die Regierung einen Export-Boom mit 2 Millionen neuen Arbeitsplätzen anstrebt. Innerhalb von fünf Jahren soll das Exportvolumen verdoppelt werden.

Die US-Bank Goldman Sachs, die traditionell sehr eng mit der politischen Führung vernetzt ist, hat den Ball aufgenommen und kommt zu dem Ergebnis: Ein solcher Exportboom ist nur möglich, wenn der Dollar um rund 30% abwertet. Die US-Regierung hat also ein starkes Interesse an einem schwachen Dollar und die US-Notenbank ist der Erfüllungsgehilfe. Das ist der entscheidende Unterschied im Vergleich zum Euro und der Europäischen Zentralbank.


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