In eigener Sache: Wie Börsenverlage versuchen Blogs mit Werbung zu infiltrieren…

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Wer kennt sie nicht: Die Werbung diverser Verlage, die mit Börseninformationsdiensten ihr Geld machen. Slogans wie “holen Sie sich Ihr persönliches Vermögens-Schutz-Paket” oder “Trotz Finanzkrise: Bisherige Gesamtkapitalrendite weit über 400%”. Es ist ja wahrlich auch kein Verbrechen so zu werben. Wirklich nicht. Denn spätestens nach der jüngsten Finanzkrise muss es ja eigentlich jedem Kleinanleger, der versucht mit 5.000-10.000 Euro eine Million an der Börse zu machen, klar sein, dass das Ganze nicht klappen kann. Zumindest nicht so, wie es die Werbung verspricht.

Sätze wie “ Wenn Sie noch in den nächsten Jahren höhere Gewinne als die breite Masse erzielen möchten, brauchen Sie eine klare Strategie.GERADE JETZT, wenn hinter jeder Ecke eine neue Krise lauert.  Ein Börsenprofi hat es geschafft, seit 2005 eine Rendite von weit über 400% zu erzielen – überprüft von einem unabhängigen Wirtschaftsinstitut. Wenn Sie das auch geschafft haben, dann brauchen Sie nicht weiterlesen. Ansonsten:  Klicken Sie hier”  Kennen wir oder? Wer hier dann klickt ist selbst Schuld. Da darf sich keiner beschweren. Denn es wird nie die eine Strategie geben.

Das habe ich in meinen mittlerweile über 12 Jahren als junger Wirtschaftsjournalist gelernt. Alles andere ist Quatschkram.

Natürlich macht es Sinn, sein Geld an der Börse anzulegen. Aber bitte mit Verstand. Der Wunsch nach dem großen Geld ist mehr als menschlich und verständlich. Das wissen auch die vielen Verlage in der Branche. Da man aber derzeit nur wenig Geld in die Hand nimmt, um Werbung zu machen, bedient man sich nun anderer “Methoden” um an Leser zu kommen. Man versucht mit “Pressemitteilungen” Leser zu gewinnen und versucht diese Mitteilungen auch noch als Content in Blogs unterzubekommen. In Blogs, die zum einen seriös sind, zum anderen auch von sich behaupten können, unabhängig zu sein. Just diese Woche ging bei uns in der Redaktion eine Mail ein, die wir unseren Lesern nicht vorenthalten möchten. Natürlich haben wir die Namen und Daten geändert – nicht dass der Verlag, von welchem die Mail stammte, sich angegriffen fühlt.

Der Inhalt der Mail ist wie folgt:

Sehr geehrter Herr Schmidt,

der Verlag XY startet am 1. März ein Gewinnspiel für echte Experten: Raten Sie auf unsere Webseite den Goldkurs und gewinnen Sie einen Goldbarren! Wir sind uns sicher, dass diese Aktion für Ihre Leser eine spannende Herausforderung ist und danken Ihnen sehr, wenn Sie in Ihrem Blog über das Gewinnspiel berichten. Aus diesem Grund hängen wir Ihnen einen Text an, den Sie in ihrem Blog frei veröffentlichen oder Ihrem Stil anpassen dürfen:

Der Verlag XY startet am 1. März ein spannendes Gewinnspiel: Auf der Webseite der Firma soll der genaue Goldkurs geraten werden. Der Clou: Es gibt „pures Gold“ zu gewinnen! Unter allen Teilnehmern werden zwei
zehn-Gramm-Goldbarren im Wert von je 260 Euro verlost. Wenn Sie den exakten Goldkurs erraten, können Sie den Jackpot abräumen: Einen 100-Gramm-Goldbarren im aktuellen Wert von 2.600 Euro! Alle Goldbarren bestehen aus 999er Feingold. Der Abgabestichtag für den Kurs ist der 26. März, 12:00 Uhr mittags. Die Ziehung erfolgt am 29. März. Die genauen Teilnahmebedingungen finden Sie unter:
www.xy-ichweißnichtwiederverlagheißt.com
Natürlich sind auch Sie herzlich eingeladen am Gewinnspiel teilzunehmen  und wir drücken Ihnen die Daumen auf einen satten Gewinn!
Viele Grüße XY

Als ehemaliger Redakteur eines Finanzinformationsdienstes eines solchen Verlages weiß ich nur zu gut, was hierbei rauskommen soll: Wenn nur 10% der Personen, die auf die besagte Seite gehen, auch noch irgendein Produkt anklicken, dann sind die 2×260 Euro für das Gold schnell eingespielt. Nun wird sich der eine oder andere Leser denken: Das wissen wir doch, was regt sich der Scherbaum darüber auf? Ganz einfach. Ich finde es mittlerweile mehr als unverschämt, wie Verlage versuchen an Leser heranzukommen. Ich hoffe inständig, dass es nicht einen Blog gibt, der auf solche “Pressemitteilungen” reagiert und diese zu seinem Content einbaut.

Daher eine ganz klare Ansage an alle Verlage: Dass wir schon keinen Einfluss auf die Google-Werbung in unserem Blog haben, die sehr “finanzlastig” ist, ist schon sehr schade. Aber auch noch bewusst CP-Werbung für Verlage zu machen – mit uns nicht. Sie können sich solche Mails an dieboersenblogger sparen. Wir sind nicht bereit, auch nur einen Leser auf irgendwelche Seiten zu führen, bei denen er langfristig sein Geld nur bedingt vermehrt. Schon gar nicht wegen der Chance auf einen Goldbarren in Wert von 260 Euro. Ganz einfach. Löschen Sie am Besten gleich unsere Mail-Adressen aus Ihrem Verteiler. Übrigens: Es ist gut zu wissen, dass auch andere Blog-Kollegen bezüglich der besagten Verlage eine Meinung haben, die in die gleiche Richtung geht…


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3 KOMMENTARE

  1. Ich habe diese Mail auch bekommen, und war auch mehr als verärgert. Ich fand es echt eine Frechheit, dass man diesen Werbebanner auf die eigene Seite einbinden sollte. Aber naja, habe das einfach mal ignoriert.

    Lieben Gruß

    Martin

  2. Das hab ich mir schon fast gedacht, dass auch andere „beglückt“ wurden 😉 Naja aber wenn man solche Praktiken nicht öffentlich macht, ändert sich ja nichts… mal sehen.

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