Schlussgong: Die „Stockpicker-Strategie“ ist nicht tot

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Überraschend freundlich starteten heute die europäischen Aktienindizes in die neue Handelswoche. DAX und EuroStoxx legten um rund 1,5 bis 2% zu. Konkrete Fakten stützen den Kursanstieg jedoch nicht.

Als Grund für den Kurssprung wird genannt: Immer mehr Investoren glauben, dass die „Griechenland-Krise“ entschärft wird und nutzen die in den Vorwochen erlebten Kursabschläge für „Schnäppchenkäufe“.

Die überraschenden Richtungswechsel an den Aktienmärkten lösten auch einige Fragen bei den Schlussgong-Lesern aus. Auf eine Anfrage möchte ich heute etwas ausführlicher eingehen.

Stockpicking oder Index-Fonds

In der Schlussgong-Ausgabe vom 23. Februar hatte ich geschrieben, dass sich die Entwicklung aus dem Jahr 2004 wiederholen kann und auch 2010 unter dem Strich eine Seitwärtsbewegung der Aktienmärkte möglich ist. Meine Schlussfolgerung: Tritt das ein, werden im laufenden Jahr die „Stockpicker“ die besten Renditen erreichen. Also die Anleger, die nicht auf den Gesamtmarkt setzen, sondern sich die besten Einzelwerte rauspicken.

Mich erreichte jetzt die Anfrage, ob die „Stockpicker-Strategie“ nicht veraltet sei. Es sei reiner Zufall, ob Aktien steigen oder fallen. Daher sei es konsequent, wenn man als Investor nur noch den ganzen Markt abdeckt. Mit Index-Zertifikaten und Index-Fonds (ETFs) sei dies einfach und kostengünstig möglich.

Index-Fonds günstiger und einfacher

Meine Antwort in Kurzform: Index-Produkte sind in einigen Fällen eine echte Bereicherung für das eigene Depot. Wer breit gestreut 15 oder 20 DAX-Werte im Depot hat, kann besser in einen DAX-ETF investieren.

Noch „schlimmer“ sind aktiv geführte Fonds, die sich fast 1:1 an bestimmte Indizes (Benchmark) orientieren. Ausgabeaufschläge von 4 bis 6%, erfolgsabhängige Gebühren und auch die hohen jährlichen Verwaltungskosten sind dann reine „Rendite-Killer“. In solchen Fällen heißt meine Empfehlung ganz klar: Wechseln Sie in den günstigeren Index-Fonds.

Hohe Überrenditen sind nur mit aktiven „Stockpickern“ erreichbar

Es gibt sie aber, die meisterhaften „Stockpicker“ unter den Fondsmanagern. Der bekannteste deutsche Fondsmanager, der seit Jahrzehnten seinen eigenen Weg geht, ist Jens Ehrhardt. Sein ältester Fonds, der FMM, ist bereits 1987 gegründet worden. Seit Auflegung liegt der Fonds 613% im Plus, der Weltindex MSCI World jedoch nur 80%.

Der Fondsmanager hat sich nie an den Index-Schwergewichten orientiert, sondern seine eigenen Trüffel gesucht. Hinzu kam die aktive Steuerung der Cash-Quote. In guten Zeiten wurde der Aktien-Anteil erhöht, in schlechten Zeiten gesenkt. Natürlich ist auch ein Jens Ehrhardt kein „Börsen-Gott“. Auch er lag in einigen Jahren mit seiner Marktmeinung daneben. Aber langfristig hat er das Index-Ergebnis pulverisiert und hohe Gewinne erzielt.

Index-Produkte haben eine eingebaute Schwachstelle

Die Index-Fonds haben einige eingebaute Schwachstellen, die immer wieder zu Verlustjahren führen. Der wichtigste Schwachpunkt: Ein Index ist im Prinzip immer ein Blick in den Rückspiegel der Börse.

Im jeweiligen Index sind die Aktien am höchsten gewichtet, die in der Vergangenheit am besten abgeschnitten haben. Die logische Konsequenz: In Phasen der Blasenbildung entstehen gefährliche Ungleichgewichte.

Aus breit streuenden Indizes werden plötzlich Branchen-Indizes

Einige Beispiele: Im Technologie-Boom 1999/2000 legten die Kurse der Technologie-Aktien rasant zu. Dadurch stieg das Index-Gewicht der Technologie-Werte immer weiter an. Ohne, dass Anleger das bewusst registriert haben, verwandelten sich breit gestreute Indizes plötzlich in verkappte Technologie-Indizes. Als dann die Technologie-Blase platzte, krachten die Indizes zusammen.

Diesen Effekt werden Sie auch zukünftig immer wieder beobachten können. Vor dem letzten Crash erreichten Banken, Versicherungen und Finanzdienstleister Traumrenditen. Die Aktien aus diesen Branchen stiegen und stiegen. Plötzlich hatten sie ein Index-Gewicht von 30 oder sogar 50%. Spätestens nach der Pleite der US-Bank Lehman Brothers hatte diese einseitige Gewichtung in den Indizes gravierende Folgen mit riesigen Kursverlusten.

Das Spiel wird sich ewig wiederholen: Immer dann, wenn eine Branche „heiß“ läuft, werden die Gewinne in der Branche steigen, die Aktienkurse steigen und wird dadurch das Gewicht der Branche innerhalb der Indizes zulegen. Platzt dann die Blase, drohen gewaltige Verluste.

Mischen Sie Index-Produkte und aktive Anlage-Formen

Das Fazit: Die „Stockpicker-Strategie“ ist nicht tot! Fonds, die unabhängig von Indizes investieren, gehören ins Depot und auch Einzelwerte sind eine Bereicherung. Index-Fonds (ETFs) sind eine gute Basisanlage, um Märkte oder Branchen für eine bestimmte Zeit kostengünstig und einfach abzudecken.

Übrigens: Die im Schlussgong vom 23. Februar empfohlene CeWe Color-Aktie hat heute 4,80% gewonnen, der SDAX (CeWe Color ist Mitglied im Nebenwerte-Index SDAX) nur 0,42%. Ein Tagessieg für die Stockpicker.


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