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Egal ob Deutsche Bank oder Sparkasse: Rumjammern hilft nicht gegen Niedrigzinsen

Die Bankbranche erlebt derzeit spannende Zeiten. Ähnlich wie schon andere Branchen zuvor sorgt die Digitalisierung für Veränderungsbedarf. Doch nicht nur das. Die globale Niedrigzinswelt lässt zur gleichen Zeit das bisherige Geschäftsmodell schneller erodieren, als es vielen Bankern lieb ist. Aber rumjammern hilft nicht.

Am Mittwoch war es Deutsche-Bank-Chef John Cryan, der in einem Gastbeitrag für das Handelsblatt einmal mehr den Finger in die Wunde der Branche legte. Das bisherige Stammgeschäft der meisten Banken, das Zinsgeschäft, leidet demnach so sehr unter der Geldpolitik von EZB und Co., dass Cryan im besonderen und die Bankbranche im allgemeinen sehnsüchtig nach höheren Zinsen schreien. Doch die Wahrscheinlichkeit das Mario Draghi den Ruf erhört ist gering. Die Wirtschaft in der gesamten Eurozone ist weiterhin fragil und auch in anderen Regionen sieht es so prickelnd nicht aus.

Die Folgen dieser Geldpolitik können viele Anleger bereits spüren. Während manche bereits von Strafzinsen geknechtet werden, müssen sich andere über die Wiedereinführung der Kontoführungsgebühren herum schlagen. Die Errungenschaft des kostenfreien Girokontos scheint der Vergangenheit anzugehören, denn das ist die einzige Chance für die Bank aus diesem Bereich schadlos zu kommen. Der Grund: Die Strafzinsen der EZB für Einlagen der Banken macht es für diese teuer, wenn Kunden Bargeld auf dem Konto liegen haben. Zudem sorgen die Niedrigzinsen bei Tagesgeld und Co., dass die Margen auch in diesen Bereichen auf ein Minimum geschrumpft sind.

Doch damit nicht genug. Der Modebegriff Fintech sorgt seit Monaten für mehr oder minder Begeisterung im Finanzsektor. Dahinter verbergen sich meist große oder kleine Innovationen für die Geldgeschäfte. Bereits vor über zwei Jahrzehnten prägte Bill Gates den Satz: „Banking is necessary, Banks are not“. Genau an dieser Entwicklung arbeiten dank der technologischen Möglichkeiten viele Fintechs. Eines ist dabei jetzt schon sicher. Die bisherigen Geschäftsmodelle der Banken werden auch hierrunter leiden – selbst wenn es ihnen gelingt einige Innovationen in das eigene Haus zu holen.

Wie also sieht eine Lösung aus? Banken müssen wohl noch viel mehr begreifen, worin ihre wirkliche Dienstleistung besteht und wie sie diese an den Kunden verkaufen. Nur wenn das gelingt und der Kunde am Ende einen Mehrwert durch die Arbeit seiner Bank erfährt, wird er auch bereit sein, dafür Geld zu bezahlen. Ob das dann als Pauschale abgerechnet wird, oder wie auch immer, wird die Kreativität der Banken zeigen. Klar sollte inzwischen jedoch auch dem letzten Banker sein: Ein Weiter so, wie die vergangenen Jahre, wird es nicht geben.

In diesem Sinne,
weiterhin viel Erfolg bei der Geldanlage

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2 Kommentare zu Egal ob Deutsche Bank oder Sparkasse: Rumjammern hilft nicht gegen Niedrigzinsen

  1. Harry Pasiak // 25. August 2016 um 08:23 //

    Ja, dies könnte ein mögliches Rezept sein, aber man sollte achtgeben die „Fintechs“ nicht als die „Heilsbringer“ hochzuschaukeln. Das wäre eine typische Übertreibung, wie man sie immer wieder erleben kann. Die sogenannten Fintech-Unternehmen sind doch nicht angetreten, um bessere Bedingungen für Verbraucher zu erreichen, sondern um den etablierten Instituten den Boden abzugraben und Geld zu scheffeln. Es wird wohl darauf hinauslaufen, eine gesunde Mischung zwischen Fintechs und Banken zu bekommen. In einer anderen Branche hat man auch lernen dürfen, dass Technik nicht alles ist – E-Books wurden als das Highlight angepriesen und das gute alte Buch dem Tode geweiht. Was kam nach ein paar Jahren? Also – cool bleiben und auf dem Boden der Realität wandeln!

  2. Wir sehen Fintechs nicht als „Heilsbringer“. Da haben Sie uns mißverstanden. Es geht darum zu zeigen, dass sich die Banken verändern müssen, wenn Sie nicht Boden verlieren wollen. Die Verbraucher sind ja bekanntlich träge und wenn die Banken ähnliches anbieten, wie Start-ups wird man eher zur Bank gehen. Das Beispiel mit E-Books ist gut, aber es trifft wohl nur auf den deutschen Markt (Buchpreisbindung) zu. Im englischsprachigen Raum haben E-Books den klassisch gedruckten Büchern längst das Wasser abgegraben. Zurück zu den Banken: Die kommenden Jahre werden spannend werden und es dürften wohl nicht mehr alle aktuellen Akteure am Markt sein. Trotz oder wegen Fintechs sowie den anderen im Beitrag genannten Gründen.

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