Schlussgong: Die süße Versuchung – 7 bis 8% Dividendenrendite mit Telekom-Aktien

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Die Aktienmärkte konnten sich am letzten Tag der Handelswoche wieder nicht für eine Richtung entscheiden: Zuerst tendierten die europäischen Indizes fester, dann lösten sich die Gewinne nach gemischt ausgefallenen Konjunkturdaten aus den USA in Luft auf und gegen Handelsende sprangen DAX und EuroStoxx doch wieder deutlich in die Gewinnzone.

Auslöser für den letzten Kurssprung war erneut das leidige Thema Griechenland. Am späten Nachmittag wurde in einigen Medien berichtet, dass einige EU-Staaten – darunter auch Deutschland – Griechenland finanziell unterstützen, indem sie griechische Staatsanleihen erwerben.

Das wäre für mich keine Überraschung. Bereits gestern schrieb ich hier im Schlussgong, dass die EU Griechenland direkt oder indirekt stützen wird. Das Projekt „Euro“ wird nicht so schnell beerdigt. Daher gilt auch noch mein Hinweis von gestern: Griechische Staatsanleihen können für Zins-Jäger sehr spannend werden.

Telekom-Aktien als „Zins-Ersatz“

Telekom-Aktien gehören seit 2000 zu den größten Verlierern an der Börse. Zur Erinnerung: Die Aktie der Deutschen Telekom hat vor 10 Jahren rund 100 Euro gekostet. Heute schafft die T-Aktie an guten Tagen die 10-Euro-Marke.

Da die Branche nur in wenigen aufstrebenden Märkten noch auf Wachstum setzen kann, fehlt eine neue Geschäftsidee. Einige Telekom-Konzerne scheinen jetzt eine Nische gefunden zu haben: Sie bieten sich als Alternative für festverzinsliche Anleihen an.

Versicherungen und Pensionsfonds leiden unter einem Anlage-Notstand

Wie mehrfach geschildert, herrscht ein Anlage-Notstand. Lebensversicherungen oder auch Pensionsfonds brauchen für ihre Kapitalanlagen im Durchschnitt mindestens 4 bis 5% Rendite.

Solide Staatsanleihen mit AAA-Rating bieten aber bereits seit längerer Zeit nur 2 bis 4%. Kurzfristig können die Versicherungen die geringe Verzinsung akzeptieren, da es im Bestand auch noch Anleihen mit höheren Zins-Kupons gibt.

Monat für Monat werden aber Anleihen mit hohen Zins-Kupons fällig. Das Kapital muss neu investiert werden. Die Anleger haben daher auf die Zins-Wende im laufenden Jahr gesetzt. Die jüngsten Reden von US-Notenbankchef Ben Bernanke deuten jedoch darauf hin, dass die Null-Zins-Politik noch über einen langen Zeitraum verteidigt wird. Sollte sich dieser Trend bestätigen, müssen die Versicherungen und Pensionsfonds neue Anlagemöglichkeiten mit höheren Renditen suchen.

Telekom-Werte locken mit 7 bis 8% Rendite

Und genau hier kommen die Telekom-Werte ins Spiel. Fast zeitgleich veröffentlichten in den vergangenen Tagen die Deutsche Telekom und die Telekom Austria eine „Dividenden-Garantie“.

Die Deutsche Telekom schüttet in diesem Jahr 0,78 Euro je Aktie aus und garantiert in den 3 Folgejahren eine Ausschüttung von mindestens 0,70 Euro je Aktie. Bei Kursen knapp unter 10 Euro liegt die Rendite bei 7 bis 8% pro Jahr.

Auf fast identische Werte kommt die Telekom Austria. Auch diese Aktie notiert knapp unter der 10-Euro-Grenze. Im laufenden Jahr werden 0,75 Euro je Aktie ausgeschüttet. Dieser Wert soll in den nächsten Jahren mindestens verteidigt werden. Die Dividenden-Rendite liegt hier voraussichtlich bei 7,5 bis 8,0%.

Auch der Finanzminister freut sich

Ein „Gewinner“ ist die Staatskasse. Die Finanzminister aus Deutschland und Österreich können in den nächsten Jahren mit festen Einnahmen planen. Gut möglich, dass hinter der „Dividenden-Garantie“ auch ein gewisser politischer Druck stand.

Die Botschaft richtet sich aber auch ganz klar an die Versicherungen und Pensionsfonds: Wenn ihr Telekom-Aktien kauft, könnt ihr die Niedrig-Zins-Phase mit hohen Dividenden-Renditen überstehen.

Die Strategie ist daher klar, wenn auch nicht ganz ungefährlich: Die hohen Dividenden sollen die Investoren anlocken, die unter dem Anlage-Notstand leiden. Hohe Dividenden als Zins-Ersatz.

Unternehmen verzichten auf Wachstum, aber auch auf teure Fehlentscheidungen

Allerdings ist der Preis hoch: Die Telekom-Konzerne verzichten auf den finanziellen Spielraum. Wachstumsinvestitionen sind kaum noch möglich. Die Telekom-Konzerne mit Dividenden-Garantie werden nur noch versuchen, Umsatz und Gewinn stabil zu halten.

Auf der anderen Seite: In kaum einer anderen Branche wurde so viel Geld „verbrannt“. Viele Übernahmen und Investitionen wurden zum Milliardengrab. In einigen Fällen ist es sogar besser, wenn die Aktionäre das Geld in Form von Dividenden bekommen. 7 bis 8% Rendite pro Jahr sind in diesen Zeiten nicht zu verachten. Am Jahresende werden die Telekom-Werte in den Performance-Listen mit diesen Renditen sicherlich nicht am Tabellenende stehen.


2 KOMMENTARE

  1. Hallo,

    die Telekom-Aktie hat zwar eine ziemlich gute Dividendenrendite im DAX (ca. 8 % wie ihr es ja auch geschrieben habt). Aber mit einer Jahresperformance von – 1,7 nicht gerade ein Highflyer. Infineon z.b. zahlt dieses Jahr keine Dividene hat aber innerhalb der letzten 12 Monate eine wahre Ralley hingelegt. Theoretisch hätte man mit Infineon 832% innerhalb von 12 Monaten machen können.

    Gruß
    Christian

  2. Hallo Christian,
    mit Infineon hast du absolut Recht. Aber war das abzusehen? Bei der Telekom hat man jetzt durch die Miondestdividende eine quasi „sichere“ Verzinsung – und das bei einer Aktie. Für den sicherheitsbewußten Anleger sicher ein Grund sich die Aktie mal anzuschauen. Und Kursraketen wie Infineon kann man sich ja immernoch ins Depot legen.
    Grüße
    Marc

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