Ich hatte gestern im Schlussgong bereits darauf hingewiesen: Die Notenbanken werden die aktuell schwachen Konjunkturdaten als Argument für die Fortsetzung der umstrittenen Null-Zins-Politik anführen.

US-Notenbankpräsident Ben Bernanke nahm den Ball heute in einer Rede direkt auf und verkündete vor dem US-Kongress, dass die Zinsen noch für einen längeren Zeitraum auf einem historisch niedrigen Niveau bleiben.

Die Aussicht auf weiterhin billiges Geld hat die Aktienmärkte heute beflügelt. Die Indizes in den USA liegen deutlich im Plus und haben am Nachmittag dafür gesorgt, dass auch viele europäische Indizes noch den Sprung in die Gewinnzone schafften.

US-Notenbank sendet unterschiedliche Signale

Die Aussagen von Ben Bernanke kamen für einige Marktteilnehmer überraschend. Denn erst vor wenigen Tagen hatte die US-Notenbank den Diskontsatz angehoben. Das wurde von einigen Analysten als „Wende“ in der Zinspolitik interpretiert.

Mit der heutigen Rede hält sich Bernanke alle Optionen offen: In der Vorwoche hat der angeschlagene US-Notenbankchef demonstriert, dass überraschende Zinserhöhungen möglich sind und die Fed weiterhin handlungsfähig ist, in dieser Woche hat Bernanke die Märkte wieder beruhigt und offiziell bestätigt, dass er bereit ist, die US-Konjunktur weiter zu stützen.

Zinswende kann auf 2011 verschoben werden

Bemerkenswert: Bernanke hat besonders stark die hohe Arbeitslosigkeit betont. Dieser Hinweis ist so interessant, weil der Arbeitsmarkt relativ spät auf eine Konjunkturerholung reagiert. Wenn die Fed die Leitzinsen tatsächlich erst dann erhöht, wenn sich der Arbeitsmarkt erholt, ist sogar eine Null-Zins-Politik bis 2011 denkbar. Dann müsste am Markt völlig neu gerechnet werden. Bisher wurde eine Zinswende im laufenden Jahr einkalkuliert.

Bernanke setzt in diesen Tagen auf die Strategie „Zuckerbrot und Peitsche“. Allerdings wird erst die Zukunft zeigen, ob der amtierende Notenbankchef ein Meister darin ist, alle Bälle gleichzeitig in der Luft zu halten, oder ob die unterschiedlichen Zins-Signale einfach nur ein Zeichen von Hilf- und Orientierungslosigkeit sind.

Aktienmärkte werden von der Null-Zins-Politik profitieren

Für die Aktienmärkte bedeutet die Fortsetzung der Null-Zins-Politik, dass weiterhin billiges Geld den Markt stützen und nach oben treiben kann. Die Anleger, die Renditen von mehr als 3 oder 4% brauchen oder anstreben, werden im Bereich der sicheren Staatsanleihen mit AAA-Rating nicht fündig.

Daher bleibe ich bei der Einschätzung: 2010 wird es Umschichtungen Richtung Dividendenwerte geben. Ich werde hier im Schlussgong einige dividendenstarke Branchen und Unternehmen vorstellen.

Telekom-Werte bieten 5 bis 10% Dividenden-Rendite

Besonders attraktiv: Die „langweiligen“ Telekom-Werte bieten Dividendenrenditen von 5 bis 10%. Auch ohne einen Cent Kursgewinn reicht eine solche Performance für die Lebensversicherungen und Pensionsfonds, die händeringend einen Ausweg aus der Zins-Falle suchen. Mehr dazu in den nächsten Tagen und Wochen.


2 KOMMENTARE

  1. Hallo, für den Euro-Raum gehe ich auch von einer ähnlichen Entwicklung aus. Interessant finde ich die derzeitige Debatte (in Europa), welcher Inflationskorridor am vorteilhaftesten ist – die konservative dt. Bundesbank gegen den Int. Währungsfonds. Man muß aber auch bedenken: Impulse müssen ja nicht nur über eine Änderung des Leitzinses erfolgen, die Zentralbanken haben auch andere Mittel zur Verfügung.

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