Sommerhoch

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Üblicherweise – also früher, zeitlich betrachtet – war diese Zeit, wenn dann endlich alle Bundesländer und sogar die Kanzlerin Ferien hatten, eher arm an Nachrichten, weshalb sich für diese Periode der Begriff „Saure-Gurken-Zeit“ oder auch die Definition „Sommerloch“ im deutschen Sprachgebrauch etabliert hat. Woher der Ausdruck mit den Gurken stammt, ist übrigens bis heute nicht geklärt, fest steht zumindest, dass er in Berlin, meiner Heimatstadt, im späten 18. Jahrhundert erstmals belegt werden konnte und möglicherweise an die dort vermarkteten Spreewaldgurken angelehnt ist. Fest steht hingegen ebenso, dass damit heutzutage die schlaffe Phase im Hochsommer gemeint ist, in der alles so ein bisschen daniederliegt, wirtschaftlich, politisch und auch sonst. Sommerloch eben. Tja, früher ist lange her, und deshalb können wir in diesem Jahr getrost das L durch ein H ersetzen und aus dem SommerLoch ein SommerHoch machen. Allerdings wollen wir unsere launige Wortklauberei nicht auf die Spitze treiben, sondern allmählich zum eigentlichen Thema kommen, die jüngsten Entwicklungen an der Börse nämlich. Denn da tauchte im DAX zuletzt doch tatsächlich ein längst verschollen geglaubtes Hoch am Anlegerhorizont auf:

Verdammt lang her

Es war am ersten Handelstag 2016, am 4. Januar, als der DAX bei 10.485,91 Zählern den bislang höchsten Stand des Jahres erzielte. Das liegt nun annähernd sieben Monate zurück, „verdammt lang her“, um die kölsche Rockband BAP zu zitieren. Mittlerweile hat sich der deutsche Leitindex jedoch wieder ein Stück weit an dieses Jahreshoch vom Januar herangearbeitet, am Donnerstag fehlten nur noch rund 100 Punkte, vom Tageshoch bei 10.381,90 Zählern aus betrachtet. 100 Punkte sind nun zugegebenermaßen kein Wimpernschlag, doch was hier zählt, ist vor allem die technische Perspektive. Mit dem Sprung über die mittelfristige April-Abwärtstrendgerade hat der DAX nämlich ein Ausrufezeichen gesetzt, und wenn die Käufer diesem Signal nun folgen, könnte es durchaus – „einmal quer durch den volumenarmen Korridor“, wie mein Kollege Sebastian Hoffmann immer so schön sagt – bis an die 10.600er-Marke gehen. Neues Jahreshoch dann selbstverständlich inklusive. Allerdings, und das wollen wir an dieser Stelle nicht verschweigen, ist auf dem Weg dahin noch eine weitere Hürde zu überwinden, nämlich die langfristige 2015er-Abwärtstrendgerade, die ihren Ursprung am bisherigen Allzeithoch bei 12.390,75 Zählern vom 10. April 2015 hat. Apropos Allzeithoch? Da war doch was:

Up and Dow

Also – in dieser Woche gab es, welch Überraschung, kein neues Allzeithoch im Dow Jones! Und das, obwohl Apple zwischenzeitlich das einmilliardste iPhone verkaufte und sich dafür gebührend feierte. Blendet man diesen Erfolg jedoch aus, so zeigt sich, dass die Party an der Wall Street offenbar erst einmal abgefeiert ist. Gut, nach den fulminanten Kursgewinnen der vergangenen Wochen kann man auch mal verschnaufen, allerdings rückt mit jedem schwächeren Tag die Frage näher, ob es sich bei der rasanten Rallye nicht doch um eine Übertreibung gehandelt haben könnte. Etwas Ähnliches scheint möglicherweise auch die US-Notenbank zu befürchten, denn die hielten in Sachen Zinserhöhung den Ball erneut ganz flach, um ja keinen Staub auf bzw. die Kurse durcheinander zu wirbeln. Die erstaunliche Divergenz zum DAX bzw. den europäischen Märkten – seit Jahresbeginn legte der Dow bislang knapp 6 Prozent zu, während das Minus im deutschen Leitindex immer noch über 4 Prozent beträgt – bleibt jedenfalls zunächst erhalten, und legen wir die jüngsten Entwicklungen zugrunde, dann scheint der DAX eher zum Dow aufzuholen als umgekehrt. Auf Wochensicht packten die deutschen Blue Chips nämlich knapp 2 Prozent drauf, die amerikanischen hingegen gaben knapp 1 Prozent ab. Gute Aussichten für den August, dass es noch etwas anhält, das Sommerhoch!

PrimequantsEin Beitrag von Sebastian Jonkisch von Prime Quants

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