Strange Days

1
Bildquelle: dieboersenblogger.de

„Strange Days“, das ist nicht nur der Titel eines beeindruckenden Filmes von Kathryn Bigelow aus dem Jahre 1995, der in meiner umfangreichen Sammlung selbstverständlich seinen berechtigten Platz hat. Nein, mit diesen Worten lassen sich auch die vergangenen Tage recht gut und vor allem treffend beschreiben. Vor allem die Bilder aus diesen Tagen. Menschen, die durch die Straßen irren, dabei in ihre Smartphones starren und von Zeit zu Zeit „ich hab’s!!!“ schreien. Oder dieser Mann am Sonntagabend in Paris, der zunächst heulend in einer orangefarbenen Wanne vom Spielfeld des Stade de France getragen wurde, um dann eine Stunde später wie ein wildgewordener Derwisch an der Seitenlinie auf und ab zu hüpfen. Ebenfalls zum Wiedergänger mutierte Boris Johnson, Sie erinnern sich, Mr. BREXT himself und in Sachen Sprücheklopfen seinem Lookalike Donald Trump durchaus ebenbürtig, der direkt aus der Versenkung ins Amt des britischen Außenministers katapultiert wurde. Und zwar von Theresa May, der neuen Premierministerin des Vereinigten Königreichs, übrigens Pfarrerstochter wie Angela Merkel (!), die zur Amtseinführung brav vor der Queen knickste, während sich der Amtsvorgänger Cameron mit einem fröhlichen Lied auf den Lippen aus demselben verabschiedete. Ähnlich gut gelaunt präsentierten sich die Märkte:

Schubidubidu

Krise? Welche Krise? Als hätte es die vergangenen drei Wochen mitsamt der darin eingefahrenen Verluste nicht gegeben, drehten die Indizes den Turbo auf und gaben richtig Gas. Gut, dass die US-amerikanischen Börsenbarometer straight nach oben marschierten, das war nun nicht neu, denn Dow Jones & Co hatten bereits in der Vorwoche eine Sommerrallye gestartet. Dass dabei in dieser Handelswoche gleich mehrere Alltime-Highs hintereinander markiert wurden, das ist allerdings neu und damit für uns eine Meldung wert. Inwieweit es sich dabei möglicherweise um eine Blase handeln könnte – diese Möglichkeit wollen wir heute hintan stellen und ein andermal besprechen. Für den Moment belassen wir es dabei: Die Wall Street auf Rekordjagd, daraus entwickelt sich natürlich eine immense Sogwirkung. Für den DAX bedeutete dies ein Plus von rund 4 Prozent bzw. gut 6 Prozent, wenn man den vergangenen, zum Schluss sehr starken Freitag als Startschuss für die Aufwärtsbewegung hinzunimmt. Der Juli strahlt daher jetzt im schönsten Sommergrün, denn da stehen für den Monat aktuell +3,5 Prozent zu Buche. Dass während dieser Rallye erst die 10.000er-Marke und im Anschluss auch der langfristige GD200 überboten werden konnte – geschenkt! Naja…ein bisschen Mühe hatte der DAX schon gestern Nachmittag, also mit der 200-Tage-Linie. Um die musste der Index nämlich eine Weile herumtanzen, bevor – beflügelt von einer wiederum bärenstarken Wall Street – der Sprung über diesen wichtigen Trendmarker sogar per Schlusskurs gelang. In diesem Kaufrausch sollte jedoch ein winziges Detail nicht übersehen werden:

Unwetterwarnung

Der Deutsche Wetterdienst will seine Unwetterwarnungen künftig punktgenau, sprich für einzelne Orte erstellen. Wie und ob diese Prognosen dann zutreffen, bleibt abzuwarten. Für die Märkte besteht derzeit allerdings ebenfalls eine punktuelle Warnung, und auch hier muss sich zeigen, inwieweit da mit einem Unwetter gerechnet werden muss. Die Rede ist von den italienischen Banken, deren Schieflage sich zuletzt offenbar noch verstärkt hat. Rund 360 Milliarden Euro schwer sollen die faulen Kredite wiegen, auf denen die überaus zahlreichen Bankinstitute in Bella Italia sitzen. Etwa 200 Milliarden davon könnten, so heißt es, letztlich ausfallen, weshalb der Chefvolkswirt der Deutschen Bank (!), David Folkerts-Landau, schon mal vorsorglich ein Rettungspaket über 150 Milliarden Euro für die notleidenden europäischen Geldhäuser anmahnte. Man ist sich der Ansteckungsgefahr, die von Italiens Banken ausgeht, also durchaus bewusst. Und gerade deshalb sollte die Großwetterlage an den Märkten auch weiterhin im Auge behalten werden, auch wenn es im Augenblick nach einem wirklich heißen Juli aussieht. Der heutige schwächere Freitag kann dabei unter der Rubrik „Verschnaufpause“ sowie in der Kategorie „politische Börse“ verbucht werden, denn nach den Ereignissen von Nizza gestern Abend ist die Stimmung auch auf dem Parkett gedämpft. Seltsam, diese Tage!

PrimequantsEin Beitrag von Sebastian Jonkisch von Prime Quants

Prime Quants verfasst und veröffentlicht Finanzpublikationen für institutionelle und private Anleger, die ihre Börsengeschäfte selbst in die Hand nehmen möchten. Das angebotene Spektrum erstreckt sich von kostenfreien Markt- und Einzelwertanalysen über komplexe Research-Studien bis hin zu täglichen Prognosen und realen Trades. Weitere Informationen unter www.prime-quants.de. Dort erhalten Sie auch den kostenlosen Newsletter Market Mover.

Bildquelle: dieboersenblogger.de / Prime Quants


1 KOMMENTAR

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here