An den Aktienmärkten setzt sich die Erholung fort. Es sind jedoch nur kleine Schritte. Ein dynamischer Aufschwung sieht anders aus. Das passt auch zu der Stimmung der Investoren, die sich im Januar und Februar deutlich eingetrübt hat.

Wobei ich die negative Stimmung positiv werte: Wenn die Stimmung schlecht ist, sinkt die Gefahr einer spekulativen Übertreibung. Die Kombination schlechte Stimmung und steigende Kurse steht oft für einen „gesunden“ Aufschwung.

Daimler überrascht negativ

Schlechte Stimmung herrschte heute besonders bei den Daimler-Aktionären. Die Zahlen für 2009 waren ein Tiefschlag. Daimler gehört damit zu den wenigen Unternehmen, die die Erwartungen der Investoren und Analysten weit verfehlt haben.

Die Quittung an der Börse: Die Daimler-Aktie sank kurzfristig von gut 33 auf unter 30 Euro. Ein Kursabschlag von 10% ist an einem sehr ruhigen Börsentag für eine Blue-Chip-Aktie eine gewaltige Hausnummer.

Hoffnung auf Erholung 2010

Im Tagesverlauf reduzierte sich das Minus dann aber auf rund 5%. Einige Analysten äußerten die Hoffnung, dass in den katastrophalen Zahlen für das Geschäftsjahr 2009 viele Altlasten stecken, die jetzt „abgearbeitet“ wurden, weil das Geschäftsjahr ohnehin nicht mehr zu retten war. Ohne diesen Ballast kann Daimler dann 2010/2011 schneller in die Gewinnzone zurückkehren.

Im Laufe des neuen Geschäftsjahres werden wir sehen, ob Daimler ohne den Ballast durchstarten kann, oder ob der Autobauer von Audi und Co. weiter abgehängt wird.

Vertragsverlängerung soll Diskussion um Führungsspitze verhindern

Einen negativen Aspekt gibt es auf jeden Fall noch: Gestern, also nur einen Tag vor den Horrorzahlen, hat Daimler verkündet, dass der Vertrag mit dem Vorstands-Chef Dieter Zetsche um drei Jahre verlängert wird. Die Entscheidungsträger kannten natürlich schon gestern die Zahlen, die heute präsentiert werden.

Gut möglich, dass die Vertragsverlängerung schnell durchgedrückt wurde, damit es nach der Veröffentlichung der Zahlen nicht zu einer gefährlichen Diskussion rund um die Führungsspitze kommt. Dadurch, dass die Führungsfrage bereits geklärt wurde, haben die Kritiker eine geringere Angriffsfläche.

Daimler: Kein Fettnäpfchen wird ausgelassen

Taktisch mag das vielleicht eine clevere Lösung gewesen sein, aber die Außenwirkung ist natürlich (mal wieder) eine Katastrophe: Milliardenverluste werden mit einer gut dotierten Vertragsverlängerung belohnt. Die Vertragsverlängerung zu diesem Zeitpunkt hat einen sehr unangenehmen Beigeschmack.

Die Kritik wird wieder lauten: Wenn ein Unternehmen Milliardenverluste erleidet, werden tausende Arbeitsplätze gestrichen und gleichzeitig die Verträge der Entscheidungsträger verlängert. Daimler lässt kein einziges Fettnäpfchen aus.


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