Schlussgong: Neuer Brandherd in Sicht – China verkauft massiv US-Staatsanleihen

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An den Börsen geht es heute wieder etwas ruhiger zu. Die großen Aktienindizes in Europa konnten nach den guten Vorgaben noch zulegen, der Euro, die Edelmetalle und auch die Rohstoffe mussten jedoch einen Teil der hohen Vortagesgewinne wieder abgeben.

Die interessanteste Nachricht des Tages könnte aber einen ganz anderen Trend einleiten: Den verstärkten Kursverfall der US-Währung und einen neuen Gold-Boom.

Japan löst China bei den US-Staatsanleihen ab

Und darum geht es: Das US-Finanzministerium hat neue Daten über die Besitzer von US-Staatsanleihen veröffentlicht. Zum Stichtag 31.12.2009 war China nicht mehr der größte Halter von US-Staatsanleihen. Da sich China im Dezember von US-Staatsanleihen im Volumen von gut 34 Mrd. USD getrennt hat, Japan aber gleichzeitig die Anleihenbestände aufgestockt hat, besitzt jetzt Japan die meisten US-Staatsanleihen.

Dieser „Wachwechsel“ hat sich schon längere Zeit angedeutet. Seite Mitte 2009 reduziert China das Volumen der US-Staatsanleihen. Das ist bisher aber nicht sonderlich aufgefallen, da andere Käufer ihre Bestände aufgestockt haben.

Der Deal: China kauft US-Staatsanleihen, die US-Konsumenten chinesische Waren

Andere Länder können die chinesische Zurückhaltung bei neuen Anleihe-Käufen für einige Zeit ausgleichen, aber mittel- und langfristig sind die USA von China abhängig. Da die US-Wirtschaft regelmäßig ein hohes Handelsbilanzdefizit produziert, sind die USA auf Kapitalzuflüsse aus dem Ausland angewiesen.

In den vergangenen Jahren lief das Spiel immer nach dem gleichen Muster ab: Die US-Konsumenten haben eifrig Waren „Made in China“ eingekauft und damit die chinesische Export-Wirtschaft angekurbelt, im Gegenzug hat die chinesische Regierung massiv US-Staatsanleihen gekauft.

Dieses Spiel läuft jetzt nicht mehr rund. Die Chinesen halten sich bei den US-Staatsanleihen zurück. Wenn sich dieser Trend verfestigt, könnte das für die USA unangenehme Konsequenzen haben. Die Marktteilnehmer könnten sich fragen, wer zukünftig die vielen US-Staatsanleihen kaufen wird, wenn der Hauptabnehmer ausfällt.

Fällt China als Großkäufer aus, droht den US-Anleihen ein Absturz

Wenn am Anleihenmarkt befürchtet wird, dass China die Bestände sogar weiter reduziert und massenhaft US-Staatsanleihen verkauft, könnte das den Preis für US-Staatsanleihen nach unten treiben. Bei neuen Anleihen müssten die USA dann wesentlich höhere Zins-Renditen bieten, um neue Käufer anzulocken. Angesichts der gigantischen Staatsverschuldung wäre das ein riesiges Problem.

Allerdings ist die Frage, wie weit China mit den kleinen Provokationen gehen wird. Wenn der Markt für US-Staatsanleihen zusammenbricht, wird auch der USD leiden. China besitzt aber Währungsreserven in Höhe von rund 2 Billionen USD. China muss daher ein gewisses Interesse daran haben, dass der USD nicht implodiert.

Einen einfachen Ausweg gibt es nicht. Euro und Yen sind nicht unbedingt wesentlich stärkere Währungen. Der Schweizer Franken oder die Norwegische Krone sind viel zu klein für die chinesischen Reserven.

Schon kleine Umschichtungen würden den Goldpreis nach oben treiben

Es bleibt noch der Gold-Markt. Länder wie die USA, Deutschland oder Frankreich „parken“ rund 60 bis 70% der Währungsreserven in Gold. China kommt dagegen nur auf 1,5%. Stockt China den Gold-Anteil auch nur auf 10% auf, würde das den Goldpreis in völlig neue Dimensionen führen. Um den Preis nicht zu schnell auf Rekordhöhen zu treiben, kann China daher fast nur heimlich kaufen.

Dass die chinesische Regierung den Wert des Goldes höher einschätzt, kann man an anderen Stellen erkennen. Während Privatanleger früher in China fast keine Chance hatten, Gold zu erwerben, läuft seit 2009 im chinesischen Fernsehen sogar Werbung für den Goldkauf.

Die aktuellen Ereignisse zeigen, dass China die US-Staatsanleihen nicht mehr bedingungslos stützt. Sollte aus den kleinen Nadelstichen eine echte Umschichtung innerhalb der Währungsreserven werden, würde das die US-Währung extrem unter Druck setzen und den Goldpreis in wesentlich höhere Preisregionen führen.


1 KOMMENTAR

  1. Hat Chinas Währungstanz endlich ein Ende?…

    In den letzten Tagen wurde viel darüber spekuliert, ob die Volksrepublik ihre neue Macht auf den Finanzmärkten ausnutzen und dem US Dollar ins Knie schießen würde. Unklare Aussagen, die mehrere Deutungen zuließen, verwirrten Anleger wie Experten. Heute…

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