Warum Dividenden als Entschädigung fürs Anlegerwarten zu sehen sind

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Bildquelle: dieboersenblogger.de

Die Dividendenrendite des S&P 500 liegt inzwischen rund 0,3 Prozentpunkte über der Rendite für 10jährige US-Staatsanleihen. Nicht nur aus Sicht von Tilmann Galler, globaler Kapitalmarktstratege bei J.P. Morgan ist daher ein Investment in US-Aktien eine Art Entschädigung für das lange Warten auf Kurssteigerungen.

Lassen wir die Fakten sprechen: Ende Mai erreichte der S&P 500-Index 2.099 Punkte: Das ist allein in diesem Jahr ein Anstieg um 2,7 Prozent in Lokalwährung. Bei Betrachtung der letzten 18 Monate fällt die Bilanz mit 1,3 Prozent allerdings deutlich magerer aus. Zwar hatte der US-Aktienmarkt grundsätzlich Rückenwind durch moderates Wirtschaftswachstum und attraktive Bewertungen im Vergleich zu Anleihen und Cash. Dieser wurde jedoch durch Gegenwind in Form von Sorgen um die Unternehmensgewinne, den Ölpreis, den US-Dollar, China und die Auswirkungen des beginnenden Zinserhöhungszyklus durch die US-Notenbank (Fed) deutlich ausgebremst. Soweit die Fakten.

Wer in diesem Zeitraum in US-Large Caps investiert war, konnte sich aber zusätzlich über 3,3 Prozent Dividendenerträge freuen. Auch wenn eine Summe von 4,6 Prozent vielleicht nicht allzu beeindruckend klingt, liegt diese doch deutlich über der aktuellen Inflationsrate und insbesondere über den eher kärglichen Erträgen im Geldmarkt oder in vielen Anleihensegmenten, so die Ansicht von Tilmann Galler, globaler Kapitalmarktstratege bei J.P. Morgan Asset Management, die wir von dieboersenblogger,de teilen.

Dividendenrendite kann auf mehreren Ebenen überzeugen

Weiter heißt es bei JP Morgan:

„Ein Argument für ein Dividendeninvestment ist, dass die Dividendenrendite des S&P 500 inzwischen rund 0,3 Prozentpunkte über der Rendite für 10jährige US-Staatsanleihen liegt. Dies mag seit Beginn der Niedrigzinspolitik als Folge der Finanzkrise keine unübliche Entwicklung sein, in den 50 Jahren zwischen 1958 und 2008 war dies allerdings ein undenkbares Szenario. In diesem Zeitraum lag die Rendite der US-Staatsanleihen durchschnittlich 3,2 Prozent über den S&P 500-Dividenden. Den Anlegern schien bei der Aussicht auf Kurssteigerungen der Renditeverzicht damals akzeptabel.“

Quelle: Guide to the Markets, Q2/2016, Seite 40, FactSet, IBES, Moody’s, Standard & Poor’s, J.P. Morgan Asset Managemen
Quelle: Guide to the Markets, Q2/2016, Seite 40, FactSet, IBES, Moody’s, Standard & Poor’s, J.P. Morgan Asset Managemen

Übrigens: Die Dividendenrendite lag auf Einzeltitelebene auch in früheren Jahren bereits häufiger deutlich über den Anleihenerträgen. Dies waren jedoch in der Regel Unternehmen mit erheblichen operativen Risiken, bei denen der Markt ernsthafte Zweifel über die Nachhaltigkeit der Dividendenzahlungen hatte. Dies ist für den breiten US-Aktienmarkt heute nicht der Fall.

Tilmann Galler weißt ebenso darauf hin: „Außerdem darf nicht vergessen werden, dass die Dividenden pro Aktie weiter wachsen. Sicherlich ist das Wachstum der Ausschüttungen im letzten Jahr langsamer geworden und lag im 1. Quartal 2016 nur 4,6 Prozent über dem Vorjahr. Aber es gilt sich in Erinnerung zu rufen, dass Unternehmen aus dem Energie- und Rohstoffsektor ihre Dividendenzahlungen aufgrund der wenig rosigen Lage in diesen Sektoren zurückgefahren haben. Mit dem sich stabilisierenden Ölpreis und dem stabileren US-Dollar der letzten Monate sollten die Gewinne im S&P 500 in der zweiten Jahreshälfte und 2017 zurückkommen. Ökonometrische Analysen legen zudem nahe, dass wenn der operative Gewinn pro Aktie im S&P 500 in diesem Jahr um 9 Prozent und im nächsten Jahr um 15 Prozent steigt – was nach dem Rückgang um 11 Prozent im letzten Jahr nicht unmöglich erscheint – ein Anstieg der Dividenden pro Aktie für 2016 um 7 Prozent und 2017 um 10 Prozent durchaus realistisch ist.“

Das heißt nun nicht, dass Aktien mit höherer Ertragskomponente sich grundsätzlich besser schlagen werden. Selbst wenn die Zinsen langsam steigen, ist ein Umfeld steigender Zinsen schwierig für Unternehmen, die hohe Dividenden zahlen und in die vornehmlich aus Ertragsgründen investiert wird. Der aktuelle Marktzyklus mit absoluten Aktienbewertungen in der Nähe ihres Durchschnittsniveaus, niedrigeren Zinsen im Vergleich zur Dividendenrendite und der Erwartung, dass sowohl Zinsen als auch Dividenden steigen werden, legt jedoch Dividendeninvestments als bessere Quelle für ordentliche Erträge – im Vergleich zu Staatsanleihen und Kassehaltung – nahe.

Wirtschaftsindikatoren unterstützen den positiven Ausblick

Dies alles beruht, so Galler weiter, auf einem wirtschaftlichen Ausblick mit einem langsamen, aber stabilen Wachstum und langsam steigenden Zinsen. Einige Daten der letzten Woche können diese These durchaus unterstützen: Die Konsumausgaben im April verzeichneten den stärksten Anstieg seit sechs Jahren und der Anstieg der Stimmung bei den Konsumenten im Mai deutet auf eine erneut robuste Konsumdynamik im zweiten Quartal hin. Unterstützt wird der Konsum durch die anhaltende Erholung auf dem Häusermarkt, was durch den weiteren Anstieg des Case-Shiller-Preisindex reflektiert wird. Die Frühindikatoren des Einkaufsmanagerindex von Markit und der Arbeitsmarktbericht zeigten dagegen ein weniger positives Bild.

All dies könnte die Federal Reserve darin bestärken eine zweite Zinserhöhung im Sommer umzusetzen. Das Vertrauen der Märkte in eine solche Maßnahme ist notwendigerweise eher gering, da diese Federal Reserve den lauten Ankündigungen bisher wenige Taten hat folgen lassen. Die Finanzmärkte preisen inzwischen eine Zinserhöhung im Juni oder Juli nur noch mit einer Wahrscheinlichkeit von 25 Prozent ein. Angesichts eines weiterhin lockeren monetären Umfelds scheint es also sinnvoll, Aktien gegenüber Staatsanleihen zu bevorzugen, um auf eine Verbesserung des wirtschaftlichen Umfelds zu warten – immerhin wird das Warten mit einer ordentlichen Dividendenrendite versüßt – und das ist in Zeiten von Nullzinsen ein sehr gutes Argument!

Quelle: J.P. Morgan Asset Management / Bildquelle: dieboersenblogger.de


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