China oder „Brexit“: Worüber sollte man sich wirklich sorgen machen?

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Bildquelle: dieboersenblogger.de

Derzeit treiben Börsianer hierzulande vor allem „Brexit“-Ängste um. Zu Jahresbeginn waren es dagegen ganz besonders die chinesischen Konjunktursorgen, die im Anlegerfokus standen. Dabei scheint es der zweitgrößten Volkswirtschaft überraschend gut zu gehen.

In einem Interview mit dem Wirtschaftsmagazin ‚Capital‘ sagt zum Beispiel Julia Wang, China-Chefökonomin der britischen Großbank HSBC, dass Chinas Wirtschaft in diesem Jahr besser als zunächst angenommen laufe. „Die Wirtschaft zeigt klare Erholungstendenzen.“ Investitionen, Industrieproduktion und der Immobilienmarkt entwickelten sich gut. „Viele Ökonomen mussten ihre Wachstumsprognosen in den vergangenen Wochen verschämt erhöhen“, so die Expertin gegenüber ‚Capital‘. Außerdem sei viel Luft nach oben vorhanden. Zwar sei China heute absolut gesehen die zweitgrößte Volkswirtschaft der Erde, sagte Wang. Mit einem Pro-Kopf-Einkommen von 8.000 US-Dollar liege das Land aber noch immer bei einem Viertel der Industrieländer. Daraus ergebe sich ein „immenses Wachstumspotenzial“.

Auch Kevin Daly, Senior Investment Manager bei Aberdeen Asset Management ist der Ansicht, dass die chinesischen Konjunktursorgen übertrieben ausgefallen sind. Aus seiner Sicht sollte man sich klarmachen, dass sich die Wirtschaft lediglich abschwächt und nicht kollabiert. Die Märkte hätten auf die Abwertung des Yuan im August vergangenen Jahres überreagiert, sagt Daly. „Dies war ein Warnsignal, welches die Sorgen um die Geschwindigkeit und die Natur des Rückgangs der Wirtschaftsleistung befördert hat. Dabei ging es aber weniger um den Zustand der Wirtschaft als um die Marktliberalisierung und die Vorbereitung des Yuan für die Aufnahme in den Währungskorb mit Sonderbeziehungsrechten des Internationalen Währungsfonds – zwei wichtige Schritte auf dem Weg zur Globalisierung der chinesischen Währung“, heißt es weiter.

„Darüber hinaus ist eine Abschwächung der Wirtschaft eine logische Konsequenz aus der Restrukturierung einer Investment getriebenen Wirtschaft hin zu einem mehr nachhaltigen Modell, das sich auf Konsum und Dienstleistungen stützt. Unter Berücksichtigung des glanzlosen externen Umfelds und trotz einiger politischer Fehlentscheidungen wird die Regierung nach unserer Einschätzung das Wachstum auch weiterhin mit der Finanz- und Geldpolitik unterstützen.“

Während es der chinesischen Wirtschaft also besser als erwartet ergehen sollte und heimische Unternehmen wie der E-Commerce-Riese Alibaba (WKN A117ME) bereits die Welt erobern, dürfte sich bei europäischen Politikern eine andere Angst zeigen. Dies konnte man zuletzt sehr gut im Zuge der Übernahmespekulationen rund um den deutschen Roboterhersteller KUKA (WKN 620440) sehen. Zumal es nicht bei diesem Übernahmeversuch bleiben sollte. Aus Sicht der HSBC-Expertin Julia Wang sollten weitere Firmenübernahmen durch chinesische Investoren in Europa folgen. „Die chinesischen Auslandsinvestitionen haben bereits 2015 die Direktinvestitionen in China überschritten. Bis 2020 dürften sie bei dann rund 350 Mrd. US-Dollar mehr als doppelt so groß sein wie Investitionen anderer Länder in China“, sagte sie gegenüber ‚Capital‘. Solche Übernahme-Offerten würden die Transformation der chinesischen Wirtschaft widerspiegeln. Dann machen wir uns Mal bereit…

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