Um 10: DAX fällt Richtung 10.000 – Flucht in Anleihen hält an

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Vielen Investoren ist der Deutsche Aktienindex auf dem aktuellen Niveau zu teuer. Kauft man jetzt, holt man sich das Risiko eines Austritts Großbritanniens aus der EU ins Depot. Kommt die Korrektur, wenn die Briten für den Brexit stimmen, kann man höchstwahrscheinlich deutsche Aktien zu günstigeren Kursen erwerben. Der Aktienmarkt ist damit in einem Dilemma gefangen. Keine Anlegergruppe will sich bewegen, auch die Bären nicht. Leerverkaufspositionen tragen schließlich das Risiko einer Rally in sich, sollte Großbritannien doch in der EU bleiben wollen.

Interessanterweise sieht man die Brexit-Gefahren mit zunehmender geographischer Distanz als weniger riskant an. Der amerikanische S&P 500 schloss gestern auf einem neuen Jahreshoch. Der DAX allerdings lässt sich nicht von der Euphorie an der Wall Street anstecken. Das sollten Anleger als Warnsignal interpretieren. Es muss einen Grund geben, warum Anleger bei deutschen Aktien so vorsichtig agieren.

Weltaktien im S&P 500 haben gestern ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 21 erreicht. Für jeden Euro, den ein globalisiertes Unternehmen derzeit verdient, zahlen Investoren 21 Euro. Das ist der höchste Wert seit sechs Jahren. Angesichts der hohen Bewertungen investieren Fonds in Anleihen, ungeachtet dessen, wie tief die Renditen sind. Eine Anleiheauktion der amerikanischen Regierung fand gestern so viel Anklang bei ausländischen Zentralbanken wie nie zuvor. Die Renditen weltweiter Staatsanleihen fielen gestern auf das tiefste Niveau, welches jemals gemessen wurde.

Öl musste gestern einen Anstieg bei US-Benzinvorräten verdauen. Der Anstieg ist verwunderlich, steht doch die verbrauchsstarke Sommerzeit bevor, in der wieder mehr mit dem Auto gefahren wird. Dem Ölpreis konnte das nichts anhaben. Öl reitet auf einer Welle, die durch technische Käufe, den schwachen Dollar und anhaltende Anschlagsgefahren in Nigeria am Leben gehalten wird. Am Ölmarkt findet gerade eine Momentum-Rally statt. Der Markt hat so viel Schwung, dass er immer weiter steigt. Mit jedem neuen Hoch werden weitere Käufer in den Markt gelockt. Mit den neuen Hochs gestern hat sich Brent-Öl gestern technisches Potenzial bis 57,61 Dollar pro Barrel verschafft.

Jochen StanzlEin Beitrag von Jochen Stanzl

Er ist Chef-Marktanalyst bei CMC Markets, Frankfurt. Davor war Jochen Stanzl über 15 Jahre bei der BoerseGo AG als Finanzmarktanalyst tätig und hat unter anderem die Portale GodmodeTrader, Jandaya und die Investment- und Analyseplattform Guidants mit aufgebaut und als erfolgreiche Kanäle in der deutschen Trading-Community etabliert. Sein analytischer Fokus liegt auf der Kombination aus technischer und fundamentaler Analyse von Währungen, Rohstoffen, Anleihen und der weltweiten Aktienmärkte.

Bildquellen: CMC Markets / dieboersenblogger.de


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