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Amazon, Microsoft und Salesforce: US-Techs wollen die Cloud beherrschen

Im Bereich CLOUD COMPUTING will jeder der Erste sein. Dabei entscheiden die heutigen Investitionen bereits über die Größe des zukünftigen Kuchenstücks in diesem vielversprechenden Geschäftsfeld. Und auch für Anleger gilt es, sich frühzeitig seine Favoriten auszuwählen. In einem ersten Teil ging es um die deutschen Vorreiter. Nun kommt die US-Konkurrenz.

SALESFORCE.COM WILL ERNEUT ERSTER SEIN

Auch wenn SAP zuletzt im Bereich Cloud Computing stark wachsen konnte, sind die Walldorfer weltweit nur die Nummer zwei, wenn es um das Thema Mietsoftware aus dem Internet geht. Aktueller Marktführer ist Salesforce.com aus San Francisco, Kalifornien. Erst 1999 von dem ehemaligen Oracle-Manager und aktuellen Firmenchef Marc Benioff gegründet, schaffte es das Unternehmen von allen Anbietern von Firmensoftware am schnellsten über die Umsatzmarke von 5 Mrd. US-Dollar zu gelangen. Auch weil Salesforce laut eigener Darstellung das erste Unternehmen war, das Software über die Cloud anbot. Die Produkte von Salesforce wurden von Anfang an ausschließlich über die Cloud bereitgestellt – die Anschaffung eigener Software und Hardware ist dadurch nicht mehr erforderlich. Der sonst übliche hohe Kosten- und Zeitaufwand für Implementierung und Wartung entfällt. Die Mitarbeiter können überall und mit jedem Gerät arbeiten, das über eine Internetverbindung verfügt – über Smartphone, Tablet oder Laptop. Und drei kostenlose Upgrades pro Jahr machen die Lösung für kleine Unternehmen und große Organisationen gleichermaßen interessant. Auf diese Weise preist Salesforce sein Angebot an Unternehmen an.

ZU VERSCHMERZEN

Bildquelle: Pressefoto SAP SE / Stephan Daub

Das Walldorfer Softwareunternehmen SAP hat mit Salesforce.Com einen großen Konkurrenten

Mit dem Erreichten gibt man sich jedoch nicht zufrieden. Angesichts des anhaltend rasanten Wachstums hat Benioff das Ziel ausgeben, auch bei der Marke von 10 Mrd. US-Dollar bei den Umsatzerlösen branchenweit als erster anzukommen. Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2015/16 (Ende Januar) war es noch nicht so weit. Die konzernweiten Umsatzerlöse lagen bei 6,67 Mrd. US-Dollar und damit 24 Prozent höher als im Vorjahr. Im laufenden Geschäftsjahr 2016/17 möchte das Unternehmen die Umsätze um mehr als 20 Prozent auf über 8 Mrd. US-Dollar nach oben schrauben. Allerdings könnten die enormen Wachstumsinvestitionen in das Zukunftsfeld Cloud erneut zu einem Nettoverlust führen. So lange die Wachstumszahlen stimmen, dürften Anleger über die roten Zahlen hinwegsehen können und der Aktie zu neuen Höhenflügen verhelfen. Angesichts des steilen Kursanstiegs der vergangenen Jahre ist der Titel alles andere als ein Schnäppchen. Allerdings kann man als Anleger bei solchen Wachstumswerten über eine zu hohe Bewertung auch hinwegsehen. Zumal es derzeit nicht danach aussieht, dass Salesforce.com das Wachstumstempo in einer nennenswerten Art und Weise drosseln sollte.

FAZIT

Salesforce.com legte in den vergangenen Jahren ein beeindruckendes Wachstumstempo hin. Die Umsatzmarke von 5 Mrd. US-Dollar erreichte man als erster Anbieter von Cloud-Software. Jetzt wurde die Marke von 10 Mrd. US-Dollar an konzernweiten Erlösen als Ziel ausgegeben. Das rasante Wachstum und die notwendigen Investitionen drückten zuletzt auf die Ergebnisse. Allerdings können Anleger Ergebnisschwächen ausblenden, so lange die Wachstumszahlen stimmen. Und diese stimmten zuletzt.

MICROSOFT MUSS SICH NEU ERFINDEN

Bildquelle: Pressefoto Microsoft

Microsoft ist weit mehr als Windows

Im Vergleich zu den neuen Stars am US-Technologiehimmel wie Facebook oder Google gehört der Softwarekonzern Microsoft gewissermaßen zum alten Eisen. Schließlich wurde das Unternehmen aus Redmond, einem Vorort von Seattle im Bundesstaat Washington, bereits 1975 gegründet. Dabei haben die rasanten Veränderungen im Bereich des Internets oder des Hardwareangebots den Tech-Dino dazu gezwungen, sich neu zu erfinden. Der Boom bei mobilen Geräten wie Smartphones oder Tablet-PCs ging lange Zeit an Microsoft vorbei. Zwar bleibt immer noch die dominante Stellung am Markt für Betriebssysteme für Desktop-Computer (Windows) und im Bereich der Unternehmenssoftware (Microsoft Office). Allerdings musste man mitansehen, wie der traditionelle PC-Markt immer schwächer wurde. Mit der Übernahme der Handy-Sparte von Nokia wollte sich Microsoft als Anbieter von Smartphones etablieren. Allerdings blieb der gewünschte Erfolg aus, so dass 2014 eine Abschreibung auf die Handy-Sparte von 7,6 Mrd. US-Dollar vorgenommen werden musste. Nach dem klaren Schnitt will man sich auf Unternehmensseite stärker auf andere Wachstumsbereiche konzentrieren. Neben der Spielekonsole Xbox gehört ganz besonders das Feld Cloud Computing dazu.

ANLEGER FEIERN ERFOLGE

Dabei investiert Microsoft nicht nur in die Cloud-Software. Es werden auch große Rechenzentren gebaut, um die Kundendaten speichern zu können. Dass es Microsoft mit dem Vorstoß in die Wolke ernst meint, zeigt die Wahl des Unternehmenslenkers. Mit Satya Nadella wurde ein Mann auf den CEO-Posten gehievt, der wie kein anderer in dem Konzern für die Datenwolke stand. Der erst dritte CEO in rund 40 Jahren, nach Bill Gates und Steve Ballmer, soll Microsoft zum Sieg gegen alle Konkurrenten verhelfen, die im Geschäft um Rechenzentren und Programmkapazitäten, auf die Firmen von überall und zu jeder Zeit zugreifen können, mitmischen. Zuletzt zeigten sich Anleger angesichts der Erfolge im Cloud-Geschäft begeistert. Die Umsätze in der Sparte „Intelligent Cloud“ kletterten steil nach oben. Auf Sicht von zwölf Monaten erzielt Microsoft bereits Erlöse von rund 10 Mrd. US-Dollar mit der Cloud. Außerdem ist dieser Bereich profitabel. Mit den Fortschritten in der Cloud schaffte es Nadella auch der Microsoft-Aktie ordentlich Schub zu verleihen. Das Papier erreichte Kursregionen, die man seit 2000 nicht mehr gesehen hatte.

FAZIT

Während Microsoft in den vergangenen Jahren mit dem schwächelnden PC-Markt zu kämpfen hatte und die Nokia-Übernahme nicht den gewünschten Erfolg gebracht hat, freuten sich Anleger zuletzt über die erzielten Fortschritte im Bereich Cloud Computing. Konzernchef Satya Nadella konnte mit den jüngsten Geschäftsergebnissen ein ums andere Mal andeuten, dass es in die richtige Richtung geht und man den Dino unter den US-Technologiekonzernen bloß nicht zu früh abschreiben sollte.

AMAZON.COM UND DIE VISION EINES MANNES

Bildquelle: Pressefoto Amazon.de

Amazon fällt nicht nur durch innovative Tablett-Formate auf

Neben dem Umstand, dass Kunden über Amazon online alles Mögliche kaufen können, ist das Unternehmen aus Seattle auch für schlechte Bezahlung und Arbeitsbedingungen in seinen Verteilungszentren in Deutschland bekannt. Für den Visionär, Gründer und Konzernchef Jeff Bezos sind das jedoch nur kleine Opfer, die nun einmal gebracht werden müssen, um Konsumenten das ultimative Einkaufserlebnis ermöglichen zu können. Ihn selbst hat der 1994 gegründete Online-Händler zu einem der reichsten Menschen der Welt gemacht. Doch das alles ist nicht genug. Mithilfe enormer Investitionen will Bezos Amazon neben dem Online-Handel in vielen anderen Bereichen eine dominante Position sichern. Das Cloud Computing unter dem Namen Amazon Web Services (AWS) gehört in erster Linie dazu. Dabei ist Amazon in das Geschäft mit der Datenwolke relativ spät eingestiegen. Trotzdem haben die aggressiven Investitionen zu einem enormen Wachstum beigetragen, das viele Konkurrenten in Erstaunen versetzt haben dürfte. Das zuletzt sehr beeindruckende Wachstum in der Cloud hat einen schönen Nebeneffekt für Amazon. Traditionell kümmert sich Bezos wenig um Gewinne. Stattdessen wird ordentlich Geld in das Wachstum gesteckt.

ELITÄRER KLUB

Das Cloud-Geschäft ist jedoch derart profitabel, dass der Konzern zuletzt nicht nur auf der Umsatzseite überraschend stark wächst, sondern Anleger zur Abwechslung auch mit der Gewinnentwicklung erfreuen konnte. Wie groß die Freude auf Anlegerseite über einen schmalen Jahresgewinn von 596 Mio. US-Dollar sein kann, zeigte sich bei Amazon im Geschäftsjahr 2015. Im Vorjahr wurde unter dem Strich noch ein Minus von 241 Mio. US-Dollar ausgewiesen. Das stark wachsende und höchst lukrative Cloud-Geschäft sorgte schließlich für eine positive Überraschung auf der Ergebnisseite. Die AWS-Umsätze kletterten um knapp 70 Prozent auf etwa 8 Mrd. US-Dollar, während der operative Gewinn der Sparte von 660 Mio. US-Dollar im Vorjahr auf 1,86 Mrd. US-Dollar nach oben schoss. Konzernweit wurde ein ebenfalls beeindruckender Umsatzanstieg um 20 Prozent auf 107,0 Mrd. US-Dollar verbucht. Aufgrund solcher Ergebnisse kann die Amazon-Aktie seit Jahren eine starke Kursperformance an den Tag legen. Dank dieses steilen Aufstiegs gelang beim Börsenwert zwischendurch der Sprung über die Marke von 300 Mrd. US-Dollar und die Aufnahme in einen elitären Klub, in dem Konzerne wie Apple, Alphabet/Google, Microsoft, ExxonMobil oder Berkshire Hathaway zu finden sind.

FAZIT

Noch immer wirft Amazon mit Geld um sich, um Konsumenten das ultimative Einkaufserlebnis zu bescheren und sich zum absolut dominanten Händler aufzuschwingen. Mithilfe des Cloud-Geschäfts konnte zuletzt das Wachstum sogar angekurbelt und gleichzeitig die lange Zeit zu Gunsten hoher Wachstumsinvestitionen vernachlässigte Ergebnisseite aufpoliert werden. Anleger haben es Amazon gedankt. Damit das auch in Zukunft der Fall ist, muss das aktuelle Wachstumstempo gehalten werden.

Dieser Beitrag ist ein Stück aus EINBLICKE – dem neuen Magazin von dieboersenblogger.de. Unter markteinblicke.de finden Sie das gesamte Magazin. Dort können Sie in der Ausgabe blättern oder Sie laden es sich als PDF herunter. Künftig wird EINBLICKE einmal im Quartal erscheinen.

Bildquelle: Pressefotos Amazon.de/ SAP SE / Stephan Daub / Microsoft


1 Kommentar zu Amazon, Microsoft und Salesforce: US-Techs wollen die Cloud beherrschen

  1. Eva-Maria Krüger // 1. Juni 2016 um 13:29 //

    Liebe, sehr verehrte Damen und Herren,

    habe gerade Ihren Börsenblogger durchgearbeitet,
    hat mit supertoll gefallen!!
    Tatsächtlich Einblicke wie sonst noch nie!
    Hat sämtliche meiner Existenzsorgen vertrieben!
    Soll Ihnen mal einer nachmachen!

    Mit vielem Dank und begeisterten Grüßen

    von Ihrer
    Eva-Maria Krüger

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