SAP & Cancom: Zukunftsmarkt Cloud Computing

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Bildquelle: Pressefoto SAP SE / Stephan Daub

Im Bereich CLOUD COMPUTING will jeder der Erste sein. Dabei entscheiden die heutigen Investitionen bereits über die Größe des zukünftigen Kuchenstücks in diesem vielversprechenden Geschäftsfeld. Und auch für Anleger gilt es, sich frühzeitig seine Favoriten auszuwählen.

Kampf um Marktanteile in der Wolke

Börsianer sind ständig auf der Suche nach Zukunftstrends, von denen Unternehmen und damit die Aktienkurse in ganz besonderer Weise profitieren können. Neben Bereichen wie Biotechnologie, Smart Home, Virtual Reality, dem Internet der Dinge (Industrie 4.0) gehört vor allem das Cloud Computing zu diesen Zukunftstrends. Und das nicht erst seit gestern. Verschiedene Unternehmen, allen voran große US-Technologiekonzerne, bieten Firmen ihre Dienste an und versuchen sich auf diese Weise Anteile auf dem schnell wachsenden Markt zu sichern. Zum Cloud Computing gehört beispielsweise das Speichern von Daten in externen Rechenzentren. Dies spart enorme Kosten. Schließlich muss man Server nicht mehr selbst verwalten. Dafür betreiben die Cloud-Spezialisten überall auf der Welt inzwischen riesige Datenzentren. Außerdem können Programme in der Datenwolke ausgeführt werden, ohne diese auf den lokalen Arbeitsplatzrechnern oder Servern installieren zu müssen. Und das überall auf der Welt sowie zu jeder Zeit. Für den bequemen Zugriff benötigt man nur einen Internetanschluss und ein internetfähiges Gerät wie PC, Smartphone oder Tablet.

ALLES ANDERE ALS EIN WETTERPHÄNOMEN

Obwohl das Thema Cloud Computing inzwischen zum Unternehmensalltag gehört, bleiben immer noch einige übrig, die der Meinung sind, dass die Cloud in irgendeiner Weise mit dem Wetter zu tun hätte. Aufgrund der wachsenden Bedeutung der Datenwolke dürfte sich diese Einstellung mit der Zeit allerdings ändern. Dies ist aber nicht von heute auf morgen zu bewerkstelligen, da in Bezug auf Cloud Computing immer noch viele Vorurteile herrschen. Dass sich die IT eines Unternehmens auf diese Weise kostengünstig, effizient und flexibel organisieren lässt, ist relativ einleuchtend, wenn einmal die eigenen großen, teuren und sperrigen Server aus den Firmenräumen verschwinden. Allerdings scheitert die Liebe zur Cloud häufig an den Bedenken, sensible Daten außer Haus zu speichern. Insbesondere staatliche Einrichtungen hatten bisher damit ein Problem. Allerdings ist selbst in diesem Punkt ein Umdenken zu beobachten. Darüber hinaus kann Cloud Computing die Datensicherheit sogar erhöhen. Für einzelne Firmen ist es nicht immer leicht, Abwehrmechanismen auf eigene Faust bereitzustellen und sich in der digitalen Welt von heute gegen Cyber-Attacken zu wappnen. Anbieter von Cloud-Diensten sind dagegen darauf spezialisiert, die ihnen anvertrauten Daten in der Wolke zu beschützen.

Bildquelle: Pressefoto SAP SE / Stephan Daub
SAP ist Branchenführer, wenn es um Unternehmenssoftware geht

SAP: DEUTSCHER VERTRETER IN DER WOLKE

Mit SAP versucht sich auch ein deutsches Unternehmen einen Spitzenplatz am Zukunftsmarkt Cloud Computing zu sichern. Deutschlands größter Softwarekonzern und ebenso Europas Nummer eins nimmt sogar kurzfristige Ergebnisbelastungen in Kauf, nur um schnell genug in der Datenwolke wachsen zu können. Zur Ankurbelung des Wachstums begab sich SAP in den vergangenen Jahren auf eine atemberaubende Einkaufstour. Die Übernahme der US-Firma Concur hatte sich das DAX-Unternehmen mehr als 6 Mrd. US-Dollar kosten lassen. SAP hatte den US-Spezialisten für Programme zum Organisieren und Abrechnen von Dienstreisen zum Wohle des Wachstums in der Datenwolke übernommen. Neben der Übernahme von Concur muss SAP weitere Zukäufe aus den vergangenen Jahren bewältigen und Firmen integrieren. Außerdem stemmt der Software-Konzern aktuell einen Personalumbau, um zukünftig den Anforderungen eines stärker auf die Mietsoftware aus dem Internet ausgerichteten Geschäfts gerecht zu werden. Noch ist der Cloud-Bereich relativ klein. Im Geschäftsjahr 2015 trug das Geschäft in der Wolke lediglich knapp 11 Prozent zu den gesamten SAP-Umsatzerlösen bei. Dafür überzeugte das Wachstum in dem Cloud-Subskriptionen und –Support genannten Bereich umso mehr. Die dortigen Erlöse kletterten um satte 109 Prozent auf 2,30 Mrd. Euro. Damit wurden die eigenen Vorgaben von 1,95 bis 2,05 Mrd. Euro deutlich übertroffen. Währungsbereinigt stand wiederum ein Plus von 82 Prozent zu Buche.

RASANTES WACHSTUM

Zudem konnte das DAX-Unternehmen dank des starken Wachstums im Vergleich zu den wichtigsten Mitbewerbern und Spezialanbietern signifikante Marktanteile hinzugewinnen. Es sollen nicht die letzten Marktanteilsgewinne gewesen sein. Mittel- bis langfristig erhoffen sich die Walldorfer natürlich einen deutlich größeren Umsatzbeitrag und dank der erwarteten Skaleneffekte des größer werdenden Geschäftsbereichs dann auch positive Auswirkungen auf der Ergebnisseite. SAP geht für 2016 von Erlösen aus Cloud-Subskriptionen und Support zwischen 2,95 bis 3,05 Mrd. Euro aus. Aufgrund der erreichten Größe schwächt sich das Wachstum natürlich etwas ab. Das obere Ende dieser Spanne entspricht währungsbereinigt jedoch immer noch einer ordentlichen Wachstumsrate von 33 Prozent. Das rasante Wachstum in der Datenwolke hat nicht nur die SAP-Umsätze angekurbelt. Anleger ließen sich zuletzt von der Euphorie anstecken. So ist es auch zu erklären, dass der SAP-Aktienkurs nach einer jahrelangen Seitwärtsbewegung in Schwung gekommen ist. Dies ging sogar so weit, dass SAP einen seltenen Erfolg verbuchen konnte. Im Jahr 2000, als die Dotcom-Blase für allerhand Übertreibungen im Technologiebereich gesorgt hatte, kletterte die SAP-Aktie auf ihr Rekordhoch bei 71,58 Euro. Es dauerte etwa 15 Jahre, bis die Papiere diesen Wert vor kurzem übertreffen konnten.

FAZIT

Trotz der hohen Ausgaben für den Personalumbau und die Integration einiger übernommener Unternehmen konnte SAP zuletzt auf der Ergebnisseite überraschen. Offenbar macht sich der Vorstoß in die Datenwolke früher als gedacht positiv bemerkbar. Während die neuen Geschäftsfelder immer größer sowie profitabler werden, läuft das Geschäft mit den traditionellen Softwarelizenzen ebenfalls gut. Kein Wunder also, dass die SAP-Aktie Ende 2015 ein 15 Jahre altes Allzeithoch knacken konnte.

CANCOM: GROSSER PROFITEUR

Konzernzentrale der CANCOM SE in München.
Die Münchener CANCOM SE ist einer der führenden Anbieter für IT-Infrastruktur und IT-Services in Deutschland

Traditionellerweise sind die großen Technologiekonzerne in den USA zu finden. Außer Europas größtem Softwarekonzern SAP tummeln sich viele Unternehmen von Weltformat aus Deutschland in diesem Bereich. Allerdings haben die Menschen hierzulande noch sehr gut vor Augen, wie die US-Regierung selbst das Handy der deutschen Bundeskanzlerin bespitzelte. Gleichzeitig sind die US-Unternehmen in der Regel dazu verpflichtet mit den heimischen Behörden zusammenzuarbeiten oder wenigstens in ihrer Verschlüsselung Hintertüren für die Späher der Geheimdienste einzurichten. Aus diesem Grund und wegen der Enthüllungen im Zuge des NSA-Skandals dürften immer mehr Firmen und Privatläute es bevorzugen, wenn ihre Cloud-Daten bei Unternehmen in Deutschland oder wenigstens in Europa gespeichert werden. Ein Profiteur dieser Entwicklungen ist das Münchner Unternehmen CANCOM. Als einer der führenden Anbieter für IT-Infrastruktur und IT-Services in Deutschland und Österreich konnte CANCOM bereits einige Auszeichnungen für die klare Fokussierung auf das Cloud Business und das kontinuierliche, profitable Wachstum im Bereich Cloud Managed Services einheimsen. CANCOM verspricht seinen Kunden maximalen Datenschutz. Außerdem seien ihnen deutsche Rechenzentren gewiss.

HOHE PROFITABILITÄT

CANCOM hat dabei nicht nur das Wachstum aus eigener Kraft im Auge. Akquisitionen gehören bei dem 1992 gegründeten TecDAX-Unternehmen seit jeher zur Unternehmensstrategie. Der Fokus liegt jedoch auf höherwertigen Dienstleistungen und wiederkehrenden Umsätzen, die stabile, planbare Erträge gewährleisten und die Zahlung einer seit Jahren verlässlichen, kontinuierlichen Dividende ermöglichen. In diesem Punkt grenzt sich CANCOM ebenfalls zu Branchenvertretern aus den USA ab. In der US-Technologiebranche gehört es fast schon zum guten Ton, dass Unternehmen auf Dividendenzahlungen ganz verzichten und stattdessen darauf verweisen, dass Anleger vom starken Unternehmenswachstum und deutlichen Kursgewinnen bei den Aktien profitieren können. Das anhaltende Unternehmenswachstum im Bereich Cloud Computing lässt sich bei CANCOM immer wieder auch in den Geschäftsergebnissen ablesen. Im Geschäftsjahr 2010 lagen die Umsatzerlöse noch bei 475 Mio. Euro und das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) bei 19 Mio. Euro. Bis zum Geschäftsjahr 2015 konnten die Erlöse auf 933 Mio. Euro fast verdoppelt werden. Das Konzern-EBITDA wurde in den vergangenen fünf Jahren auf knapp 52 Mio. Euro gesteigert.

FAZIT

Das Münchner TecDAX-Unternehmen CANCOM befindet sich seit vielen Jahren auf einem profitablen Wachstumskurs. Dank des Vorstoßes in das vielversprechende Geschäft mit der Datenwolke stimmen auch die zukünftigen Wachstumsaussichten für eines der größten Systemhäuser in Deutschland. Dies sollte der Aktie einiges an Kurspotenzial bescheren. Darüber hinaus können sich Anleger auf eine für Technologiewerte relativ günstige Bewertung und attraktive Dividendenzahlungen einstellen.

In einem zweiten Beitrag zu Cloud Computing geht es um die US-Konkurrenz. Mehr dazu hier.

Dieser Beitrag ist ein Stück aus EINBLICKE – dem neuen Magazin von dieboersenblogger.de. Unter markteinblicke.de finden Sie das gesamte Magazin. Dort können Sie in der Ausgabe blättern oder Sie laden es sich als PDF herunter. Künftig wird EINBLICKE einmal im Quartal erscheinen.

Bildquelle: Pressefoto SAP SE / Stephan Daub und Cancom SE


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