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Schlussgong: Kurssprung an den Börsen – mögliche EU-Hilfe für Griechenland wird (zu früh) bejubelt
9. Februar 2010 von Rolf Morrien | kein Kommentar
Die Auswirkungen der „Griechenland-Krise“ nehmen immer absurdere Formen an. Die US-Börsen ziehen heute die europäischen Märkte mit nach oben. Der Dow Jones liegt knapp 2% im Plus, der X-DAX kommt sogar auf ein Plus von über 2% und liegt wieder deutlich über 5.500 Punkte.
Der unerwartet starke Zwischenspurt kündigte sich am späten Nachmittag an. Direkt aus den USA habe ich erfahren, dass dort eine internationale Nachrichtenagentur die Meldung verbreitet, dass die EU unter deutscher Führung ein Hilfspaket für Griechenland beschlossen hat.
Schlagartig zogen die Aktienkurse an, der USD verlor (oder der Euro gewann) und die Rohstoff- und Edelmetallmärkte legten ebenfalls zu. Es interessierte dann auch nicht, dass der deutsche Regierungssprecher Ulrich Wilhelm das Hilfspaket dementierte. Das Gerücht war in der Welt und die Börse jubelt.
Kreditfinanzierte Staatshilfe zählt mehr als fundamentale Daten
Nach den vielen Tagen mit den roten Minuszeichen ist es natürlich schön, dass wir mal wieder dicke Pluszeichen sehen, aber dennoch habe ich große Bauchschmerzen. Die Börse ignoriert die Tatsache, dass 75% der Unternehmen die Erwartungen bei den Quartalszahlen übertroffen haben, feiert aber einen möglichen Feuerwehreinsatz in Griechenland. Dabei ist klar: Rettung bedeutet, es wird noch mehr Geld, was wir eigentlich nicht haben, in das System gepumpt.
Wo ist die Marktwirtschaft geblieben? Warum vertraut niemand mehr auf die Selbstheilungskräfte des Marktes? Sobald es etwas enger wird, kommt direkt der Notarzt.
Staatliche Hilfe als letzter Ausweg
Ich will nicht sagen, dass ich grundsätzlich gegen Hilfsmaßnahmen bin. So hätte eine Rettung der angeschlagenen US-Bank Lehman Brothers den Kapitalmarktschock verhindert. 6 Monate lang war der Finanzmarkt quasi tot. Auch kerngesunde Banken und Unternehmen wurden mit in den Abgrund gezogen.
Eine Rettung von Lehman Brothers hätte die Banken- und Konjunkturkrise nicht verhindert. Der Gesamtschaden wäre aber geringer ausgefallen.
Griechenland muss erst eigene Lösungen suchen
Anders sieht es bei Griechenland aus. Erst vor wenigen Wochen hat Griechenland Anleihen in Milliardenhöhe platziert. Der Markt war also bereit, Griechenland – bei einem entsprechend hohen Zins-Kupon – Geld zu leihen. Ich sehe daher keinen akuten Handlungsbedarf von Außen.
Es besteht die Gefahr, dass zukünftig in jeder Krisen-Situation der Notarzt gerufen wird. Aber irgendwann wird das Instrument wirkungslos verpuffen. Es können nicht immer wieder Geldspritzen verteilt werden. Die Medizin muss dann eingesetzt werden, wenn alle anderen Mittel versagt haben und das der letzte Ausweg ist.
Das heilsame Verlust-Risiko darf nicht ausgeschaltet werden
Auch psychologisch ist eine zu frühe Hilfe schlecht: Die Marktteilnehmer verlassen sich dann darauf, dass bei jeder Mini-Krise der Staat eingreift. Wenn ich als Investor diese Gewissheit habe, kann ich natürlich auch wirtschaftlich riskante und unsinnige Geschäfte tätigen, weil ich im Notfall auf die fremde (Staats-)Hilfe bauen kann.
Ich sage ganz klar: Das ist der falsche Weg! Es muss Verlustrisiken geben. Nur wenn Verluste möglich sind, werden Investoren – dazu gehören auch die Banken – doppelt und dreifach überlegen, ob sie Kapital in ein unsicheres Geschäft stecken.
Der heutige Kursanstieg ist noch kein aussagekräftiges Signal
Ich freue mich, wenn die Börsenkurse aufgrund positiver Konjunktur- oder Unternehmensnachrichten steigen. Auf einen unsicheren Kursanstieg, der nur darauf beruht, dass vielleicht wieder staatliche Hilfsgelder fließen, kann ich dagegen verzichten. Wie soll man den Kursanstieg heute auch deuten? War das ein künstliches Strohfeuer oder der Abschluss der Korrekturphase? Wenn immer wieder künstlich in den Markt eingegriffen wird, kann man als Börsianer die echten Trendwenden nicht mehr erkennen.
Daher meine Empfehlung: Freuen Sie sich heute über das Kursgeschenk, investieren Sie aber erst dann, wenn die Kurserholung auch ein solides Fundament hat.
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Info zum Beitrag
geschrieben am Dienstag, den 9. Februar 2010 um 20:30 Uhr
Kategorien: Heard in New York
Tags: EU, Euro, Eurozone, Griechenland, Maastricht, Staatsanleihen, Staatsbankrott, Staatshilfe, Staatsverschuldung







