Schlussgong: Quartalszahlen – ein genauer Blick auf die Details zahlt sich aus

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An der Börse können wir heute eine positive Gegenbewegung registrieren. Nach den heftigen Verlusten in der Vorwoche legen die europäischen Aktienmärkte, aber auch die meisten Rohstoff- und Edelmetallpreise zu.

Ein kräftiges Lebenszeichen war das aber noch nicht. Dafür fallen die Kursanstiege zu gering aus. Aber zumindest wurde der Abwärtstrend heute gestoppt. Wenn das Thema „Griechenland-Krise“ langsam versandet, dürften die fundamentalen Daten wieder stärker in den Mittelpunkt rücken.

US-Quartalszahlen bisher besser als erwartet, aber noch nicht der endgültige Durchbruch

Die US-Unternehmen sind traditionell etwas schneller mit der Veröffentlichung der Quartals- und Jahreszahlen. Während die DAX-Unternehmen erst nach und nach Zahlen veröffentlichen, kann für den wichtigen US-Index S&P 500 bereits ein Zwischenfazit gezogen werden:

Beim Umsatz haben bisher gut 70% der US-Unternehmen die durchschnittliche Analystenerwartung übertroffen. Beim Gewinn liegt die Quote der positiven Überraschungen sogar noch höher bei über 75%.

Solche Traumzahlen müssten die Aktien aus dem S&P 500 zu „Kursraketen“ machen, aber die Realität sieht anders aus. Der Index hat in den vergangenen 4 Wochen über 6% verloren.

Zu hohe Erwartungen bremsen kurzfristig den Aktien-Aufschwung, bieten aber gute Einstiegs-Chancen

Ein Bremsklotz ist die völlig überzogene Erwartungshaltung. Viele Investoren haben sich beim Aktien-Kauf nicht an den durchschnittlichen Umsatz- und Gewinn-Prognosen orientiert, sondern an den Spitzenwerten.

So konnten wir mehrfach beobachten, dass Unternehmen, die die Konsensschätzungen übertroffen haben, aber unter der höchsten Gewinnprognosen lagen, anschließend an der Börse deutlich verloren haben. Die Erwartungshaltung der Investoren war einfach viel zu hoch.

Der anschließende „Ausverkauf“ bei diesen Aktien bietet aber auch Chancen. Die zu optimistischen Aktionäre sind ausgestiegen. Dadurch sinkt die Erwartungshaltung bei den nächsten Quartalszahlen. So sind US-Technologieunternehmen wie Intel oder IBM im historischen Vergleich fast einmalig günstig. Wenn dann auch noch charttechnisch ein Kauf-Signal erfolgt, können Sie diese Werte günstig einsammeln.

Die Qualität der Zahlen wird stärker hinterfragt

Die Investoren lesen nicht nur den ersten Absatz im neuen Quartalsbericht, sie studieren die kleinen Details. Sehr oft wird dann ein Haar in der Suppe gefunden.

Ein typisches Beispiel: Wie oben bereits geschrieben, konnten rund 70% der Unternehmen die Umsatz-Prognose übertreffen. Das bedeutet aber nicht, dass der Umsatz jeweils gesteigert wurde. Nicht einmal jedes dritte Unternehmen hat den Vorjahresumsatz erreicht. Oft bedeutet ein Übertreffen der Umsatzprognose nur, dass der freie Fall gestoppt wurde und sich die Umsätze wieder stabilisieren.

Auch beim Gewinn wird die Lupe rausgeholt. So hat die Deutsche Bank im 4. Quartal 2009 einen Nettogewinn von 1,3 Mrd. Euro erzielt. Die Erwartung lag bei nur 650 Mio. Euro.

Dennoch gehörte die Aktie am Tag der Zahlen-Veröffentlichung mit einem Minus von über 4% zu den größten Tagesverlierern. Der Kritikpunkt: Das Gewinnplus wurde nicht im operativen Geschäft verdient, sondern ist die Folge eines positiven Steuer-Effekts. Ohne diesen Effekt hätte die Deutsche Bank „nur“ die Gewinnprognose erfüllt. Wobei zur Ehrenrettung der Deutschen Bank gesagt werden muss: Viele Konkurrenten wären froh, wenn sie solche Zahlen präsentieren könnten. Der Abschlag von über 4% war nicht gerechtfertigt.

Investoren wieder auf dem Boden der Realität: Das Fundament für steigende Kurse

Gute Zahlen, sinkende Kurse. Dieses Ergebnis frustriert viele Aktionäre. Aber es gibt auch positive Aspekte: Die Erwartungen waren einfach zu hoch. Die Super-Optimisten wurden enttäuscht und sind ausgestiegen.

Damit wurde bereits frühzeitig eine mögliche Blasenbildung am Aktienmarkt verhindert. Die Quartalszahlen zeigen, dass es den Unternehmen eindeutig besser geht. Das ist die Basis für ein gesundes Kurswachstum mit vernünftigen KGV-Bewertungen.


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