Purer Luxus

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Bildquelle: dieboersenblogger.de

Ein schwächeres Wirtschaftswachstum und schärfere Antikorruptionsregeln in China hatten Anbietern von Luxusartikeln das lange Zeit boomende Geschäft in den Schwellenländern vermiest. Allerdings heißt das noch nicht, dass Statussymbole gar nicht mehr nachgefragt werden und man Unternehmen wie LVMH, Richemont oder Luxottica abschreiben sollte.

Herausforderungen meistern

Jahrelang fühlten sich Anbieter von Luxusgütern und Statussymbolen wie Schmuck oder Uhren in den aufstrebenden Wirtschaftsnationen dieser Welt wie in einem Schlaraffenland. Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung kam auch der Reichtum breiterer Bevölkerungsschichten. Und diesen neu gewonnenen Reichtum galt es schließlich auch zu zeigen. Am besten mit Statussymbolen wie man sie im Westen kennt. Allerdings wachsen die Emerging Markets längst nicht mehr mit dem Tempo, das man in den vergangenen Jahren gesehen hatte. Während die Wachstumsdynamik der chinesischen Wirtschaft weiter abnimmt, rutschten Brasilien oder Russland sogar in die Rezession. Hinzu kommen spezielle Herausforderungen wie ein schärferer Kampf gegen Korruption in China. Mit speziellen Herausforderungen hat auch die Uhrenindustrie zu kämpfen.

Apple (WKN 865985), Samsung (WKN 896360) & Co bringen vermehrt Smartwatches als Konkurrenz für klassische Uhren auf den Markt. Im Fall der schweizerischen Schmuck- und Luxusartikelhersteller kommt die Situation an der Wechselkursfront erschwerend hinzu. Der weltgrößte Uhrenhersteller Swatch und andere haben seit Anfang 2015 in besonderer Weise mit dem starken Schweizer Franken (CHF) zu kämpfen. Damals hatte die schweizerische Nationalbank (SNB) den Mindestkurs von 1,20 CHF gegenüber dem Euro fallen lassen und damit für eine Aufwertung der Schweizer Währung gesorgt. Die Schweizer Konzerne müssen die heimischen Arbeiter in Franken bezahlen, während ihre im Ausland erzielten Gewinne bei der Umrechnung geschmälert werden. Dabei haben die Hersteller nicht einfach die Möglichkeit die Produktion in Billiglohnländer zu verlagern. Schließlich zählt insbesondere bei Luxusgütern die Herkunft. Bei Schweizer Uhren ist diese noch ein ganzes Stück wichtiger.

Richemont: Stühlerücken an der Konzernspitze

Der Schweizer Luxusgüterkonzern Richemont (WKN A1W5CV) hatte zuletzt vor allem mit einer schwachen Nachfrage im Uhrengeschäft zu kämpfen, während sich das Schmuckgeschäft in den meisten Regionen erfreulich entwickelte. Als Reaktion will das Unternehmen, zu dem Marken wie Cartier, Lange & Söhne, IWC oder Montblanc gehören, Arbeitsplätze in der Schweiz abbauen. Den Personalumbau wird der bisherige Co-Chef Bernard Fornas schon nicht mehr durchführen müssen. Von nun an wird Richard Lepeu als alleiniger CEO fungieren und die Effizienzmaßnahmen stemmen. Wenn man den Analysten bei der Privatbank Berenberg Glauben schenken mag, dann wird das gar nicht so einfach. Sie sehen eine kurzfristige Verschlechterung des Marktumfelds für die Luxusgüterhersteller. Im Fall von Richemont wird sogar mit negativen Überraschungen gerechnet. Demnach würden den Analysten insbesondere der anhaltende Rückkauf von Lagerbeständen bei der Marke Cartier und die eingetrübten Wachstumsperspektiven für das Uhrengeschäft nach Jahren starker Preisanstiege Sorgen bereiten.

Allerdings sind längst nicht alle Marktexperten so pessimistisch eingestellt. Die Analysten bei Bernstein Research verweisen zum Beispiel auf die Qualität des Markenportfolios und die Verringerung der Produktion in der Schweiz. Bei Kepler Cheuvreux ist man darüber hinaus der Ansicht, dass die aktuelle Branchenschwäche nur temporär sei und Unternehmen wie Richemont oder Swatch mit Blick auf ihre mittelfristigen Perspektiven günstig bewertet seien. Tatsächlich hat die jüngste Markteintrübung dafür gesorgt, dass sich die Richemont-Aktie deutlich verbilligt hat. Sie ist mit einem moderaten geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) für 2017 von 15 ausgestattet. Auf diese Weise können selbst Schnäppchenjäger auf eine Wiederaufnahme des langfristigen Aufwärtstrends der Richemont-Aktie spekulieren.

LVMH: Wachstum auf breiter Front

Der französische Luxusgüterkonzern LVMH Moët Hennessy – Louis Vuitton (WKN 853292) hatte 2015 ebenfalls mit einem schwächer werdenden Marktumfeld in den Schwellenländern Asiens zu kämpfen. Diese Auswirkungen konnte das Unternehmen, das für Marken wie Louis Vuitton, Bulgari, Dior, Donna Karan, Tag Heuer, Dom Perignon oder Moët & Chandon bekannt ist, mit guten Geschäften in Europa, den USA und Japan mehr als wettmachen. Die Umsätze kletterten gegenüber 2014 konzernweit um 16 Prozent auf 35,7 Mrd. Euro – ein neuer Rekordwert. Dabei profitierte man auch von positiven Wechselkurseffekten. Organisch lag das Wachstum immer noch bei 6 Prozent. Besonders erfreulich: Sämtliche Bereiche wie Weine & Spirituosen, Mode- & Lederwaren, Dürfte & Kosmetika sowie Uhren & Schmuck konnten zu dem Wachstum beitragen. Der operative Gewinn aus fortgeführten Geschäften stieg ebenfalls um 16 Prozent auf 6,6 Mrd. Euro, während der Nettogewinn aufgrund eines positiven Einmaleffekts aus dem Vorjahr um 34,5 Prozent auf 3,6 Mrd. Euro sank.

Bereinigt um Einmaleffekte hätte ein Zuwachs um 20 Prozent zu Buche gestanden. Angesichts solcher Erfolge gönnte man sich einen Dividendenanstieg für 2015 um 11 Prozent auf 3,55 Euro je Aktie. Darüber hinaus zeigte sich LVMH auch für das Geschäftsjahr 2016 optimistisch. Trotz der wirtschaftlichen und geopolitischen Unsicherheiten soll der Wachstumskurs in allen Geschäftsbereichen fortgesetzt werden. Dabei vertraut das Unternehmen natürlich weiterhin auf die Stärke seiner rund 70 Marken. Dies ist auch ein Grund, warum die Analysten bei der Schweizer Großbank UBS in Bezug auf die LVMH-Aktie Luft nach oben sehen. Aus Analystensicht würde der Markt die Stärke der Marke Louis Vuitton immer noch unterschätzen. Während die Marktexperten 2016 mit einem Gewinnwachstum (EPS) von 12 Prozent rechnen, sehen sie für die Aktie ein Aufwärtspotenzial von 20 Prozent. Trotzdem ist die LVMH-Aktie angesichts eines 2017er-KGV von 17 immer noch mit einer relativ moderaten Bewertung zu haben.

Luxottica behält den Durchblick

Die Aktie des weltgrößten Brillenherstellers Luxottica (WKN 592587) hat im Vergleich zu ihrem im Sommer 2015 erzielten Hoch bei knapp 68 Euro inzwischen rund 30 Prozent verloren. Das hatte nicht nur etwas mit der Markteintrübung in einigen Schwellenländern zu tun. Vielmehr zeigten sich Investoren angesichts eines erneuten Wechsels an der Unternehmensspitze verunsichert. Es war nun schon der dritte Chef-Wechsel innerhalb von eineinhalb Jahren. So langsam sollte jedoch Ruhe einkehren. Zumal Luxottica weiterhin von seinen starken Marken profitieren kann. Das Unternehmen aus Agordo (Provinz Belluno) geht mit eigenen bekannten Marken wie Ray-Ban, Oakley oder Persol an den Start. Gleichzeitig werden Lizenzmarken wie Giorgio Armani, Bvlgari, Chanel oder Dolce & Gabbana angeboten. Dank des Erfolgs solcher Marken konnte Luxottica im Geschäftsjahr 2015 trotz eines herausfordernden Marktumfelds sowohl auf der Umsatzseite als auch bei den Ergebnissen neue Rekordwerte einfahren.

Während die Erlöse um 17,0 Prozent auf 9,0 Mrd. Euro kletterten, schoss der auf die Anteilseigner entfallende Gewinn um 25,1 Prozent auf 804 Mio. Euro. Dabei profitierte das Unternehmen auch vom starken US-Dollar. Zumal der US-Markt für Luxottica ohnehin besonders wichtig ist. Aus diesem Grund ist die zuletzt vereinbarte Zusammenarbeit mit dem US-Warenhausbetreiber Macy’s umso wichtiger. Während Luxottica bereits rund 670 seiner „Sunglass Hut“-Läden in den Macy’s Häusern betreibt, wird man in den kommenden drei Jahren rund 500 der „LensCrafters“-Geschäfte zu Macy’s bringen. Neben solchen Wachstumsinitiativen hat Luxottica aber auch Bereiche wie den Internetverkauf, den Vorstoß auf weitere Schwellenländermärkte und den Ausbau des eigenen Filialnetzes im Blick. Dabei ist das Unternehmen bereits heute in 130 Ländern mit weltweit mehr als 7.000 eigenen Läden vertreten.

Fazit

Ein schwächeres Wirtschaftswachstum in den Schwellenländern und spezielle Probleme wie neue Herausforderungen am Uhrenmarkt oder Währungseffekte haben einige Herstellern von Luxusgüterartikeln zugesetzt. Trotzdem haben sich viele von ihnen in einem schwierigen Umfeld überraschend robust gezeigt.

Bildquelle: dieboersenblogger.de


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