Schlussgong – Marc Faber: Immobilienpreise in Asien werden weiter steigen

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Der europäische Aktienmarkt konnte sich heute wieder stabilisieren. Der DAX hat die Marke von 5.600 Punkten zurückerobert. Die DAX-Mitglieder Henkel, BMW und Infineon veröffentlichten positive Zahlen und wurden jeweils mit Kursgewinnen belohnt. Die Serie der guten Unternehmensnachrichten setzt sich also fort.

Weniger positiv entwickelt sich dagegen der US-Aktienmarkt. Dow Jones und S&P liegen nur knapp im Plus, die Werte im Technologie-Index Nasdaq sogar leicht im Minus.

US-Wirtschaft könnte sich 2009 besser als erwartet entwickelt haben

Die Nachrichtenlage hätte ein ganz anderes Bild erwarten lassen: Nach ersten Auswertungen ist die US-Wirtschaft im 4. Quartal 2009 unerwartet stark gewachsen. Die Wachstumsrate von 5,7% überrascht. Sollte diese erste Auswertung stimmen (in der Vergangenheit gab es regelmäßig nachträglich starke Abweichungen), ist die US-Wirtschaft im Jahr 2009 „nur“ um 2,4% geschrumpft.

Das würde wiederum bedeuten: Die Lage war viel besser als die Stimmung. Die US-Unternehmen, die einen größeren Absturz eingeplant hatten, könnten daher viel mehr Mitarbeiter als notwendig entlassen haben. Wenn sich jetzt das konjunkturelle Bild aufhellt, wäre eine schnellere und größere Wende am Arbeitsmarkt möglich.

Ben Bernanke bleibt US-Notenbankchef

Ein zweiter an sich positiver Punkt: Der US-Notenbankchef Ben Bernanke hat die erste Abstimmungshürde genommen und kann jetzt fast sicher eine 2. Amtszeit einplanen. Die Meinungen über Bernanke sind gespalten, aber der Markt hasst Unsicherheiten. Ein Machtvakuum bei der wichtigsten Notenbank der Welt hätte die Märkte weiter verunsichert. Das Thema sollte sich jetzt erledigt haben.

Der Name Ben Bernanke (und auch der Name seines Vorgängers Alan Greenspan) tauchte in der gestern hier im Schlussgong bereits erwähnten Rede von Marc Faber auf dem „Fondskongress 2010“ immer wieder auf. Für Faber sind Bernanke und Greenspan die Auslöser der aktuellen Finanz- und Wirtschaftskrise.

Notenbanker als Hauptschuldige der Krise

Die aus Fabers Sicht viel zu lockere Geldpolitik hat gigantische Schäden angerichtet. Das ungezügelte Kreditwachstum, die Verschuldungsorgie, der überhitzte Immobilienmarkt – all das geht auf das Konto der US-Notenbankchefs.

Immer wieder sei die panische Angst vor Deflation der Auslöser einer viel zu lockeren Geldpolitik gewesen. So sei in den USA der Eindruck entstanden, Inflation sei gut, Deflation schlecht. Als „Totschlagargument“ wird dann die Deflationskrise in Japan genannt.

Deflationsängste übertrieben, Inflation wird verharmlost

Laut Faber – und das ist auch meine Meinung – ist die Inflation das größere Übel. Eine Deflation kann auch eine reinigende Wirkung haben und gewisse Übertreibungen beseitigen.

Eine Deflation muss nicht einmal ein Krisenszenario sein. Als Beispiel nannte Faber die Entwicklung in den USA von 1800 bis 1900. Das gesamte Jahrhundert war eine Deflationsperiode. Aber dennoch wuchs die US-Wirtschaft. Der technische Fortschritt verbilligte die Waren und Dienstleistungen. Die Deflation bremste das Wachstum nicht (anders als in Japan).

Die Frage ist aber, ob die Notenbanken jetzt überhaupt noch eine Wahlmöglichkeit haben. Die Verschuldungsstatistiken, die Faber genannt hat, habe ich gestern bereits im Schlussgong zitiert: Die amerikanische Gesamtverschuldung liegt inklusive der Sozial- und Gesundheitskosten bei rund 600% des Bruttoinlandsprodukts. Das ist ein enormer Belastungsfaktor.

Faber setzt auf Asien

Marc Faber setzt daher auf die Karte Asien. Abgesehen von Japan ist das Thema Verschuldung in Asien noch kein großes Problem. Das Wirtschaftswachstum wird noch Jahrzehnte andauern. Ein besonders spannender Trend: Immer mehr Menschen werden in die Städte ziehen. Daher werden fast zwangsläufig die Immobilienpreise weiter steigen. Kurzfristig kann es auf den asiatischen Immobilienmärkten Überhitzungen geben, aber der langfristige Trend wird sehr positiv sein.

Die Abwanderung in die Städte bedeutet auch: Es werden mehr Nahrungsmittel gebraucht. Da es für Investoren sehr schwierig ist, langfristig auf Agrarrohstoffe zu setzen, empfiehlt Faber Beteiligungen an Ackerland oder Unternehmen, die Ackerland besitzen.

Favoriten: Immobilien, Ackerland, Gold und Silber

Fazit: Marc Faber empfiehlt den Einstieg in Immobilien, Ackerland, Gold und Silber (also Sachwerte). Meiden sollten Anleger dagegen Staatsanleihen mit langen Laufzeiten. Seine Einschätzung des US-Aktienmarktes: Die Kurse werden zuerst 10 bis 20% unter das alte Jahreshoch fallen. Dann sollten Anleger Qualitätsaktien günstig einsammeln. Am Jahresende könnte das Vorjahresniveau um 5 bis 10% übertroffen werden.


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