Schlussgong – Marc Faber: Eine restriktive Geldpolitik ist unmöglich geworden

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Der „Fonds Kongress 2010“ ging heute in Mannheim zu Ende. Nationale und internationale Fondsmanager stellten Ihre Fonds dem Fachpublikum vor und gaben ihren persönlichen Ausblick auf das Börsenjahr 2010.

Der breite Tenor: Nach dem steilen Kursanstieg 2009 wird das laufende Jahr am Aktienmarkt eine Seitwärtsbewegung oder nur einen kleinen Zuwachs bringen. Extreme Ausschläge sind dagegen nicht in Sicht.

Kurzfristig ist die Lage am Aktienmarkt unberechenbar

Bei der Jahresprognose waren sich viele Fondsmanager einig, bei der Beurteilung der kurzfristigen Lage gingen die Meinungen jedoch weit auseinander. Für die heutige Achterbahnfahrt – erst deutliche Gewinne, dann der erneute Absturz – hatte fast jeder Fondsmanager eine andere Begründung:

Allgemein schwache Konjunkturdaten, zu hohe Erwartungen, Bankenkrise, zu hohe Rohstoffpreise, drohende Zinserhöhungen, Finanzkrise in Griechenland, hohe Arbeitslosigkeit in den USA…

Gewinnmitnahmen nach der Kursrally 2009

Diese Belastungsfaktoren spielen sicherlich eine Rolle, aber welche Nachricht ist neu und war vor einer Woche noch nicht in den Aktienkursen enthalten?

Daher ist meine Einschätzung: Auch die Anleger, die jetzt verkaufen, haben nicht den einen Hauptgrund. Wir erleben eine allgemeine Nervosität nach der steilen Kursrally. Jeder Anleger sucht sich seinen eigenen Grund, warum er jetzt teilweise Gewinne mitnimmt.

Die rätselhafte Flucht in den USD

Für diese allgemeine Nervosität spricht, dass sich einige Märkte lehrbuchmäßig verhalten. So flüchten viele Investoren reflexartig in den USD. Die US-Währung hat heute die Marke von 1,40 USD unterschritten und notiert jetzt bei 1,39 USD je Euro. Vor wenigen Wochen mussten Sie noch 1,51 USD je Euro hinblättern. Für große Währungen sind das extreme Ausschläge.

Diese Flucht in den „sicheren Hafen“ USD war auch ein Schwerpunkt im Vortrag der Börsen-Legende Marc Faber. Der Schweizer Börsenprofi, der auch viele Jahre in Asien gelebt hat, gilt in einigen Medien als „Crash-Prophet“. Faber gehört aber nicht zu den dubiosen Gestalten, die jedes Jahr den großen Absturz predigen.

Faber nennt immer Märkte, die er für überbewertet hält, aber auch Märkte, die Chancen auf Gewinne bieten. Ich werde morgen im Schlussgong noch ausführlicher auf den Faber-Vortrag und die Chancen und Risiken eingehen.

Marc Faber: Verschuldung in den USA dramatisch

Heute möchte ich seine Einschätzung zu den US-Finanzen und zur amerikanischen Währung in den Mittelpunkt stellen. Faber beobachtet ebenfalls, dass die Investoren in diesen Tagen wieder Kapital in den „sicheren Hafen“ USD bringen. Er hält das für einen großen Fehler. Die Risiken seien in den vergangenen Jahren gewaltig gestiegen.

In den Jahren 2000 bis 2007 ist die Gesamtverschuldung in den USA 5 Mal schneller gestiegen als die Wirtschaftsleistung. Das vorher schon kranke System wurde noch weiter geschwächt. Ob jetzt noch eine Heilung möglich ist, sei sehr fraglich.

Gesamtverschuldung erreicht 600% vom BIP

Die offiziell ausgewiesene Gesamtverschuldung liegt in den USA bei rund 375% vom Bruttoinlandsprodukt (BIP). Laut Faber ist diese Zahl, die bereits eine Katastrophe ist, extrem geschönt. Rechnet man die staatlichen Verpflichtungen aus dem Sozial- und Gesundheitssystem hinzu, erreicht die Gesamtverschuldung unglaubliche 600% vom BIP.

Zur Erinnerung: Die Maastricht-Kriterien, die bereits politisch aufgeweicht sind, schreiben den Euro-Ländern eine Obergrenze von 60% vor. Die USA kommen auf einen Wert, der 10 Mal so hoch ist wie diese Obergrenze.

Schuldenabbau nicht möglich – Staatsanleihen meiden

Für Faber steht daher fest: Das Schuldenproblem kann auch durch einen Konjunkturboom mit steigenden Steuereinnahmen nicht mehr gelöst werden. Damit das ganze System nicht zusammenbricht, muss die US-Notenbank den Geldhahn stets weit aufgedreht lassen. Eine restriktive Geldpolitik ist dauerhaft nicht mehr möglich. Klare Schlussfolgerung von Faber: Meiden Sie US-Staatsanleihen mit langen Laufzeiten!


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