Schlussgong: Griechenland-Krise ist Chance und Risiko für die deutsche Wirtschaft

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Nach dem Kursgewitter in der Vorwoche waren die Aktienmärkte heute zunächst stramm auf Erholungskurs. Schwache Daten vom amerikanischen Immobilienmarkt haben den Bullen aber den Mut genommen.

An der Wall Street sorgten die schlechten Zahlen aber nur kurzfristig für Bauchschmerzen. Nach einer Schrecksekunde tendieren Dow Jones und S&P 500 wieder leicht nach oben.

Politische Börsen beeinflussen den Markt nur kurz

Wie bereits im Schlussgong geschrieben: Ich betrachte dieses Kursgewitter als Nachkauf-Chance, nicht als Ausstiegsszenario. Einige Investoren nehmen nach der 50- bis 70%-Rally Gewinne mit. Auslöser für die Gewinnmitnahmen waren politische Nachrichten:

Der neue „Kreuzzug“ des US-Präsidenten gegen die Banken (in der Sache richtig, aber leider taktisch nach der Wahlniederlage der falsche Zeitpunkt) und der von der chinesischen Regierung angekündigte Kampf gegen die Kredit-Blase sorgten an den Aktienmärkten für Ernüchterung.

In der Vergangenheit hat sich aber fast immer gezeigt: Politische Börsen haben kurze Beine. Nach 1 oder 2 Wochen ist der Spuk vorbei und das Tagesgeschäft regiert wieder. Und mit den bisher veröffentlichten Quartalszahlen können wir unter dem Strich zufrieden sein.

Griechischer Schuldenberg belastet EU

Ein anderes Argument für die aktuelle Kursschwäche, das in einigen Medien veröffentlicht wurde, überzeugt dagegen nicht. Es geht um die Griechenland-Krise. Der riesige Schuldenberg, je nach Berechnung 250 bis 300 Mrd. Euro, zieht die Euro-Wirtschaft und die Gemeinschaftswährung nach unten.

In der Tat hat der Euro gegenüber der US-Währung in den vergangenen Wochen deutlich verloren. Zu Jahresbeginn mussten Investoren für 1 Euro noch mehr als 1,50 USD bezahlen – aktuell reichen gut 1,41 USD. Das zeigt die „Euro-Schwäche“.

Große Gefahr, aber auch ungewollte Export-Hilfe

Allerdings muss man die Situation etwas differenzierter betrachten: Sollte Griechenland einen Staatsbankrott erleiden, würde die EU – trotz aller gegenteiligen Aussagen – natürlich eingreifen und Griechenland stützen. Die stärkste Volkswirtschaft im Euro-Raum, also Deutschland, müsste dann auch die größte Belastung verkraften. Das ist das Horror-Szenario für die Wirtschaft und die Börse.

Wenn sich aber Griechenland – wie so oft – „durchschummelt“ und die Lage durch statistische Tricks für ein paar Jahre beruhigt, müsste Deutschland finanziell nicht bluten. Als Export-Nation profitiert die deutsche Wirtschaft von der Euro-Schwäche. Internationale Kunden können deutsche Waren und Dienstleistungen plötzlich mit einem „Rabatt“ einkaufen.

Export-Unternehmen profitieren sogar von Euro-Schwäche

Überspitzt formuliert: Wir müssen den Griechen fast dankbar sein. Bei 1,50 USD je Euro fängt langsam die Schmerzgrenze an. Bei 1,60 oder 1,70 USD je Euro wird unser Export-Motor gewaltig stottern.

Sollte sich der Euro jedoch bei 1,30 bis 1,40 USD je Euro einpendeln, werden im Laufe des Jahres einige Export-Unternehmen positiv überraschen. Dann kann man sich auch die nach unten geprügelten exportlastigen Maschinenbau-Aktien wieder etwas genauer anschauen.


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