Die Automobilindustrie auf der Suche nach sich selbst

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Gestern hat erst wieder der VDA mit erschreckenden Zahlen zum Automobilabsatz für Entsetzen gesorgt – trotz der diversen „Kaufanreizprogramme“. Alles in allem keine guten Nachrichten. Auch nicht für die Anleger und ihre Autoaktien.

In der Pressemitteilung heißt es zum Automobilabsatz:

In Europa verfehlte der Pkw-Absatz im Januar mit 958.500 Pkw das Vorjahresniveau um mehr als ein Viertel (-27 Prozent). Die Verkäufe in Westeuropa gaben um knapp 27 Prozent auf 891.500 Pkw nach. Während Deutschland (-14 Prozent), Frankreich (-8 Prozent) sowie die Benelux-Staaten (-16 Prozent) mit vergleichsweise moderaten Einbußen die Talfahrt abbremsten, mussten Spanien (-42 Prozent), Italien (-33 Prozent) und Großbritannien (-31 Prozent) starke Rückgänge in Kauf nehmen.

Auch die heute vorgelegten ACEA-Neuzulassungszahlen brachten keine wirkliche Entwarnung. Denn die deutschen Autobauer verlieren weiter Marktanteile.

Aber Dank der Abwrackprämie (das wird garantiert nach „notleidene Banken“ das neue Unwort des Jahres) soll das ja alles anders werden. Wobei der ein oder andere Autobauer ja noch nachhelfen muss und eine eigene Prämie drauflegt. Beim Daimler-Blog findet man dazu einige Gedanken.

Aber mit der Umweltprämie, wie sie offiziell heißt, sind wir in Europa ja nicht allein. Auch um uns herum wird eifrig unterstützt, wie man vom VDA erfährt:

So gewährt Großbritannien Kreditgarantien für die Automobilindustrie sowie eine zeitlich befristete Absenkung der Mehrwertsteuer. In Spanien erhalten die Neuwagenkäufer staatlich begünstigte Kredite, zugleich wurden die Bedingungen für die Inanspruchnahme der Verschrottungsprämie gelockert. In Italien soll die Prämie, die im vergangenen Jahr ausgelaufen war, wieder eingeführt werden.
Frankreich will seine nationale Automobilindustrie mit äußerst umfangreichen Maßnahmen unterstützen: Die französischen Pkw-Hersteller sollen 6 Mrd. Euro verbilligter Kredite für die Entwicklung CO2-armer Autos erhalten; die Kredithilfen für den Autokauf – davon profitieren ausschließlich französische Marken – werden auf 2 Mrd. Euro verdoppelt. Eine weitere Mrd. Euro steht für zusätzliche Kredite für französische Zulieferer zur Verfügung. Der Fonds zur Stärkung des Eigenkapitals der Zulieferer wird auf 600 Mio. Euro verdoppelt. 250 Mio. Euro sind zudem für Abwrackprämien vorgesehen.

Ob das alles was bringen wird, werden wir erst in einigen Jahren sehen. Denn in der Vergangenheit wurden oft die falschen Autos und dann auch noch zuviele davon gebaut, das rächt sich nun. Über BMW hatten wir hier ja schon geschrieben. Und eins ist auch klar, kriselnde Autohersteller wie Opel werden da wohl nicht gerettet werden können. Auch wenn der neue Bundeswirtschaftsminister zu Guttenberg die Forderung nach einer Milliardenbürgschaft laut Handelsblatt zur Chefsache gemacht hat.

Für die Anleger sind dies alles keine guten Nachrichten. Nur wenige Verkaufsschlager, wie etwa der Smart, finden sich bei soliden Automobilherstellern. So dass Auto-Werte derzeit mit wenigen Ausnahmen eher auf die „Bitte meiden“-Liste gehören. Interessant werden allerdings die Bemühungen sein, wie das Thema Elektroantriebe angegangen wird. Dazu hat VW ja gestern einen ersten Schritt mit Toshiba getan.


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